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Sol­len Senio­ren höhere Kfz-Tarife zah­len?

Wer älter ist, verursacht beim Autofahren mehr Schäden als jüngere Fahrer. Im Durchschnitt zumindest. Entsprechend umstritten ist, ob es daher angemessen ist, Autofahrern unter Hinweis auf ihren Geburtstag höhere Prämien abzufordern.

Fakt ist: Ältere Fahrer verursachen im Durchschnitt mehr Schäden als Fahrer mittleren Alters. Das ist eine statistisch gesicherte Erkenntnis, die sich messbar in den Schadenbilanzen der Kfz-Versicherer niederschlägt. Exemplarisch zeigen das statistische Analysen des GDV, der dafür regelmäßig nahezu alle versicherten Kfz-Schäden der letzten drei Jahre auswertet. Weil Lebensalter und Schadenrisiko so eindeutig zusammenhängen, sind Zuschläge für ältere Fahrer nicht nur gerechtfertigt, sondern auch gerecht. Das erkennt auch der Gesetzgeber an. Eine unterschiedliche Behandlung ist laut Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz erlaubt, wenn es dafür sachliche Gründe gibt – beispielsweise ein höheres Unfallrisiko älterer Autofahrer.

In der Kfz-Haftpflichtversicherung stellt sich das altersbedingte Risiko nach den vom GDV veröffentlichten Zahlen so dar: Sind alle Fahrer vergleichbar – haben also bis auf das Alter ansonsten gleiche Risikofaktoren –, liegt das altersbedingte Risiko zwischen dem 25. und dem 67. Lebensjahr unter dem Durchschnitt aller Fahrer. Weil Kfz-Versicherer auch dieses geringere Risiko bei der Prämienkalkulation berücksichtigen, profitieren langjährige Autofahrer über 40 Jahre lang davon, dass sich das Alter zu ihren Gunsten auswirkt. Erst mit 68 steigt das Risiko über den Durchschnitt aller vergleichbaren Fahrer, dementsprechend erhöht das Alter dann auch den Versicherungsbeitrag.

Ältere Fahrer, die vorsichtig gefahren sind, müssen sich jedoch keine Sorgen machen, dass ihr Beitrag durch die Decke geht. Weil die Kfz-Versicherer nicht nur das Alter, sondern auch Fahrerfahrung berücksichtigen, profitieren sie von einem hohen Schadenfreiheitsrabatt, den junge Fahrer überhaupt nicht erreichen können – auch das ist nur gerecht.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren- Organisationen (BAGSO) ist sich sicher: Das kalendarische Lebensalter ist generell kein geeignetes Abgrenzungskriterium und deshalb auch nicht geeignet, Kfz-Versicherungsbeiträge an ihm auszurichten. Dabei stützen wir uns auf Ergebnisse der gerontologischen Forschung, die für das Älterwerden ein breites Spektrum von Entwicklungen beweist. Deshalb und eindeutig: Das Lebensalter ist weiterhin kein Maßstab für die Festsetzung der Beitragshöhe in der Kfz-Versicherung.
Es gibt außerdem keinen Grund, das Alter der Versicherten zum Maßstab zu nehmen. Das Kfz-Versicherungssystem verfügt mit den Schadensfreiheitsrabatten bereits über ein Belohnungs- bzw. Bestrafungssystem. Dieses funktioniert altersunabhängig und das ist auch richtig so!

Auffallend ist im Übrigen, dass es erhebliche Unterschiede in den Aufschlägen für ältere Fahrerinnen und Fahrer bei den Kfz-Versicherern gibt, sowohl bei der Altersgrenze als auch bei der Höhe der Aufschläge. Wir stellen deshalb infrage, dass diese Aufschläge auf einer sicheren statistischen Grundlage beruhen und dass sie somit einen sachlichen Grund im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes darstellen. Aber nur ein solcher Grund würde die Ungleichbehandlung überhaupt erst rechtfertigen können.

Deshalb sind die Versicherer am Zuge: Sie müssen ihre Berechnungsgrundlagen offenlegen, sofern sie und soweit sie Altersgrenzen schon als Kriterium benutzen oder zunehmend nutzen wollen. Der Gesetzgeber sollte sie dazu verpflichten und das zum Anlass nehmen, Grenzen für eine mehr oder weniger willkürliche Beitragssatzgestaltung zu ziehen.

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