Sonnenlicht spiegelt sich im Wasser, die Möwen schreien, die Insel in der Ferne löst sich im Dunst auf. Es ist leicht, der Faszination des Wattenmeers zu erliegen. Und ebenso leicht, seine Gefahren zu unterschätzen: plötzlicher Nebel, Regengüsse, scharfkantige Muscheln und nicht zuletzt die unerwartete Flut. Wer sich ins Watt traut, sollte sich gut auskennen. Hans Ortelt kennt sich aus. Seit mehr als 40 Jahren führt er Menschengruppen zu den Ostfriesischen Inseln, meist nach Baltrum. In ernsthafte Schwierigkeiten ist der 73-Jährige bislang noch nie gekommen, trotzdem ist er vorbereitet. In seinem Rucksack finden sich: eine 30 Meter lange Rettungsleine, Verbandsmaterial, Kompass, Trillerpfeife und – allerdings virtuell – eine Versicherung. „Dass ich mal von der Flut überrascht werde, kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Ortelt, dafür sei er zu erfahren und zu gut vorbereitet. Er fürchtet eher kleine Malheurs, wenn ihm etwa das teure Fernrohr eines Mitwanderers kaputtgeht. Seine Haftpflicht würde allerdings auch die großen Unfälle abdecken – mit bis zu 5 Millionen Euro.

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