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Auf­stei­ge­rin

Mai­read McGuin­ness über­nimmt Finanz­mark­tres­sort in der EU-Kom­mis­sion

Ihren bisher größten Auftritt auf europäischer Bühne hatte Mairead McGuinness im Januar in ihrer Eigenschaft als Vizepräsidentin des EU-Parlaments: Als der Brite Nigel Farage von der Brexit-Partei Fähnchen schwenkend den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU feierte, schnitt sie ihm kühl das Wort ab.

Fahnen seien im Parlament verboten, erklärte sie. „Packen Sie sie weg ... und nehmen Sie sie mit, wenn Sie gehen!“ 

In Zukunft wird die 61-Jährige häufiger im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Denn die Irin hat den einflussreichen Posten der Kommissarin für Finanzmarktpolitik übernommen. Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat sie als Nachfolgerin des über eine Corona-Affäre gestolperten Iren Phil Hogan im Europäischen Parlament vorgestellt – und das hat McGuinness in ihrer neuen einflussreichen Rolle bestätigt. 

Bestens vernetzt in Brüssel und Straßburg

McGuinness übernimmt das Finanzmarktressort von EU-Vizepräsident Valdis Dombrovskis – während Dombrovskis künftig auch Hogans Funktion als Handelskommissar ausfüllt. Für die konservative McGuinness ist die Berufung ein großer Erfolg, dem allerdings einige Rückschläge in ihrer Karriere vorausgingen. Im Jahr 2011 etwa unterlag sie in ihrer liberal-konservativen Fine-Gael-Partei im Rennen um die Nominierung zur Kandidatin für das Amt des irischen Staatspräsidenten. Und 2016 scheiterte sie beim Versuch, Präsidentin des Europaparlaments zu werden. Das ändert jedoch nichts daran, dass sie nach vier Legislaturperioden in Brüssel und Straßburg bestens vernetzt ist. Diese Erfahrung dürfte eine große Rolle bei ihrer Berufung gespielt haben. Allerdings wurden Zweifel an ihrer Qualifikation für das Finanzmarkt-Ressort laut.

Schließlich hat sich die Agrarökonomin bislang vor allem auf dem Feld der Landwirtschaftspolitik hervorgetan. Nach ihrem Studium arbeitete McGuinness zunächst als Journalistin und Moderatorin. In der TV-Sendung „Ear to the Ground“ präsentierte sie Themen rund um das Leben im ländlichen Irland. In ihrem Instagram-Kanal zeigt sich McGuinness, deren Mann Schafzüchter ist, gern auf dem Land, nicht selten in Gesellschaft ihres Lieblingshundes Sam. 

Katholisch, konfliktbereit, wertgeschätzt

Sie deshalb als Leichtgewicht abzutun, wäre allerdings grundverkehrt. McGuinness hat feste Überzeugungen, folgt einem klaren, im katholischen Glauben fußenden Wertekanon und scheut sich nicht, Konflikte auszutragen. So kämpfte sie für den Ausschluss von Victor Orbáns Fidesz-Partei aus der EVP-Fraktion im Europaparlament. Bei den Abgeordneten genießt sie fraktionsübergreifend große Wertschätzung, wie bei ihrer Wiederwahl zur Vizepräsidentin des Parlaments 2019 deutlich wurde. Damals stimmten 618 der 702 Abgeordneten für McGuinness. Das kam ihr jetzt zugute: Schließlich müssen von der Leyens Personalvorschläge vom EU-Parlament bestätigt werden. 

Sie habe sich den Ruf erworben, „fair und hart“ zu sein, sagt die Irin über sich selbst. Letzteres kann nicht zuletzt der Brite Nigel Farage bestätigen.

Text: Volker Kühn

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