Ihre Flügel ziehen fußballfeldgroße Kreise durch die Luft, ihre Türme trotzen Sturmfluten: Offshore-Windräder sind staunenswerte Zeugnisse der Ingenieurskunst. Ohne milliardenschwere Versicherungspolicen wäre Bau und Betrieb der Windparks undenkbar. Wenn in diesen Tagen Winterstürme über der Deutschen Bucht toben und sich die Wellen meterhoch brechen, dann verkriechen sich die meisten Menschen an der Küste in ihren Häusern. Die Wartungscrews von Offshore-Windparks dagegen haben ein Strahlen im Gesicht. Denn jetzt laufen ihre Mühlen auf Hochtouren und sauberer Strom flutet die Netze. Manche der fast 1500 Windräder in deutschen Gewässern stehen mehr als 100 Kilometer vom nächsten Hafen entfernt. Bis zur Spitze der Rotorblätter messen die größten von ihnen mehr als 200 Meter, den Kölner Dom überragen sie damit um ein Drittel. Kein Wunder, dass Peter Altmaier, damals noch Umweltminister, Offshore-Windräder zu „Kathedralen der Energiewende“ adelte, nachdem er mit dem Hubschrauber hinaus in die Windparks geflogen war.

Auf der stürmischen See liefern die Parks fast durchgehend Strom

20 Windparks erheben sich inzwischen in der Nordsee, vier in der Ostsee, weitere befinden sich im Bau oder sind in Planung. Unter Volllast kommen sie auf eine Kapazität von fast sieben Gigawatt – damit können sie so viel Strom liefern wie sechs bis sieben Atomkraftwerke.


Flaute kennen sie nur selten: Einer Studie des Forschungsinstituts Fraunhofer IWES in Bremerhaven zufolge drehen sich die Rotoren dank der guten Bedingungen fernab der Küste im Schnitt an 363 Tagen im Jahr. Auch deswegen hat die Bundesregierung das Ausbauziel für Offshore-Windparks erhöht: Bis 2030 soll ihre Kapazität auf 20 Gigawatt steigen.

Die Baukosten sind seit dem Start des ersten deutschen Hochseewindparks Alpha Ventus im Jahr 2010 stark gefallen. Damals war noch jeder Handgriff Pionierarbeit, heute haben sich die Abläufe eingespielt, von der Produktion der tonnenschwere Komponenten an Land über ihre Verschiffung bis hin zur Errichtung der Windräder im Meer. Dennoch sind die Baukosten weiterhin imposant: Sie belaufen sich auf gut 1,5 Milliarden Euro je Park.

Für Reparaturen kommen Techniker vom Festland – per Schiff oder Helikopter

Für die Versicherung der Parks müsse man ein bis zwei Prozent der Baukosten kalkulieren, sagen Branchenkenner. Das sei weit mehr als bei Kraftwerken an Land – allerdings seien nicht nur die Risiken draußen auf See höher, sondern auch der Aufwand, um eventuelle Schäden zu beheben. Wenn zum Beispiel ein Generator den Dienst versagt, müsse ein Technikerteam per Schiff oder Helikopter vom Festland geschickt werden. Und die Reparatur der Seekabel innerhalb eines Windparks könne im schlimmsten Fall Wochen dauern und lange Betriebsausfallzeiten nach sich ziehen, in denen die Anlagen keinen Strom liefern.

Über die Höhe der Versicherungssumme reden die Betreiber ungern. Internen Unterlagen eines deutschen Offshore-Windparks zeigen, dass sie sich auf ähnlichem Niveau wie die Baukosten bewegen. Für die Windräder samt ihrer im Meeresboden verankerten Fundamente, die Umspannstation und die Verkabelung beläuft sich die Deckungssumme in der Sachversicherung demnach auf 1,3 Milliarden Euro.

Text: Volker Kühn

Auch inter­essant