Positionen-Magazin
Regiot­rend: Elek­tro­mo­bi­li­tät

Deutsch­land lädt auf

Die Zahl der Elektroautos hat sich in den vergangenen Jahren vervielfacht, doch ihr Anteil an den mehr als 48 Millionen Pkw auf deutschen Straßen ist nach wie vor gering. Grün ist die Mobilität vor allem in den großen Städten – doch mancher Eindruck täuscht auch.

Der Trend zur Elektromobilität ist auch hierzulande angekommen: Immer mehr E-Autos werden zugelassen, doch ihr Anteil an der Fahrzeugflotte ist noch immer sehr gering. Und es gibt große regionale Unterschiede. 

Sieben bis zehn Millionen E-Autos und eine Million Ladepunkte bis 2030: Das sind die Ziele der Bundesregierung bei der Elektromobilität. Und nach gewissen Startschwierigkeiten scheinen die Stromer auch in der Autonation Deutschland ins Rollen zu kommen. Laut Kraftfahrt-Bundesamt wurden 2020 mehr als dreimal so viele E-Mobile neu zugelassen wie im Vorjahr. Mit 138.000 reinen E-Autos liegt der Anteil am Gesamtbestand aller Pkw aber trotz massiver staatlicher Förderung bei nur 0,29 Prozent – zu wenig für die ehrgeizigen Ziele. In strukturschwachen Regionen sind die Autofahrer besonders zurückhaltend. Die vergleichsweise geringe Reichweite sowie die hohen Kosten schrecken immer noch viele. Schlusslicht in Deutschland ist der Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt: Hier sind gerade einmal 60 reine E-Autos angemeldet, das entspricht knapp 0,06 Prozent aller Pkw. 

„In meinem Wahlkreis wäre es wichtiger, dass Busse und Bahnen öfter fahren und stillgelegte Bahnhöfe wieder eröffnet werden“, sagt der Bundesabgeordnete Jan Korte (Linke), der auch den Salzlandkreis vertritt. Die E-Auto-Prämie nütze nur Besserverdienenden. „Das ist keine Lösung.“ Am höchsten ist der Anteil reiner Elektroautos und Plug-in-Hybride in den Ballungszentren, vor allem in Autostädten wie Wolfsburg, Stuttgart oder Ingolstadt. 

Unter den ländlichen Regionen sticht die Gemeinde Rhön-Grabfeld heraus, wo der E-Auto-Anteil mit 0,7 Prozent höher ist als in vielen Metropolen. Der Grund: Die Kreisstadt Bad Neustadt wurde 2010 erste bayerische Modellstadt für Elektromobilität. „Dass E Autos im ländlichen Raum schon heute eine gute Alternative zum Verbrenner sind, hat sich bei uns bereits herumgesprochen“, sagt die Bundestagsabgeordnete Manuela Rottmann (Grüne). 

Für Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management, steht in erster Linie die zu geringe Zahl an Ladesäulen dem Erfolg im Weg. Trotzdem rechnet er mit rund 900.000 E-Mobilen bis 2025. Vom Ziel sieben bis zehn Millionen ist aber auch das noch weit entfernt.

Text: Claus Gorgs

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