Positionen-Magazin
Inter­view Volo­co­pter-Chef Alex­an­der Zosel

„Alle flug­kri­ti­schen Sys­teme sind mehr­fach ver­baut”

Mit autonomen Flugtaxis will der Mitgründer des Start-ups Volocopter die Mobilität in Innenstädten verbessern. Alexander Zosel über Sicherheit durch Redundanz, Preise normaler Taxi-Fahrten und seine eigene Höhenangst.

Herr Zosel, alle Welt spricht über die Mobilität der Zukunft. Wann werden Ihre Flugtaxis denn endlich abheben? 
Alexander Zosel: Die ersten kommerziellen Strecken wird es in drei bis fünf Jahren geben. Wir wollen international in mehreren Städten gleichzeitig starten, natürlich auch in Deutschland, etwa in Berlin oder im Ruhrgebiet. Wir werden mit Punkt-zu-Punkt-Verbindungen beginnen. Mit dem Flughafenbetreiber Fraport entwickeln wir gerade Konzepte für die Bodeninfrastruktur und den Betrieb an Flughäfen. Wir prüfen etwa eine Verbindung vom und zum Flughafen Frankfurt, einem der wichtigsten europäischen Airports. 

Woran hapert es noch? 
AZ: Bevor wir mit dem Volocopter in Großserie gehen können, brauchen wir Zertifizierungen für das Fluggerät und die Zulassung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA). Daran arbeiten wir bereits. Und so wie es eine Infrastruktur für den oberen Luftraum ab 10.000 Fuß gibt, brauchen wir Air-Management-Systeme für den unteren Luftraum. Last but not least müssen wir Start- und Landeplätze, die Volocopter Ports, einrichten. Das Thema ist ziemlich komplex, doch die Herausforderungen sind alle zu schaffen.

In Deutschland war es schon schwierig, eine Regulierung für elektrische Tretroller hinzubekommen. Wie soll das erst bei Flugtaxis werden? 
AZ: Wir sprechen mit Städten auf der ganzen Welt, um zu sehen, wie man Flugtaxis dort umsetzen kann. Dazu zählt auch der Kontakt mit lokalen und internationalen Behörden. Darauf haben wir von Anfang an Wert gelegt und viel Unterstützung erfahren. 

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Im Flugzeug gibt es Sauerstoffmasken und Notrutschen, wie sorgen Sie an Bord des Volocopters für Sicherheit? 
AZ: Die Sicherheit des Volocopters liegt in der Redundanz. Alle flugkritischen Systeme sind mehrfach verbaut. Dadurch können zwei Flugsteuerungen, mehrere Batterien oder Rotoren ausfallen und der Volocopter kann immer noch sicher landen. Flugtaxis, die in der Innenstadt fliegen, sind mindestens so sicher wie die großen Airlines. Das hat die EASA so festgelegt. Zusätzlich gibt es ein Komplettrettungssystem an Bord mit einer pyrotechnischen Rakete, die einen Fallschirm auslöst. 

Und wenn unterwegs die Batterien schlappmachen? 
AZ: Der Volocopter kann circa 30 Kilometer weit mit einer Geschwindigkeit von maximal 100 Kilometer pro Stunde fliegen. Es gibt neun Batterien, die nicht miteinander verbunden sind. Wenn eine oder zwei davon ausfallen, kann der Volocopter immer noch sicher landen. Das Risiko ist also klein. 

Skeptiker sagen, Flugtaxis verlagern nur die Probleme von der Straße in die Luft. Haben wir bald Stau am Himmel?
AZ: In der Luft ist so viel Platz, das glaubt man gar nicht. Wir haben kürzlich eine Simulation gemacht und über New York auf acht Routen alle zwölf Sekunden ein Flugtaxi mit 70 Stundenkilometern in Höhen zwischen 100 und 350 Metern fliegen lassen. Um die Volocopter zu sehen, musste man sehr genau hinschauen. Flugtaxis allein werden das Verkehrsproblem nicht lösen, doch werden wir einen Teil der meistgenutzten Strecken entlasten können. 

Wie versichert man ein Flugtaxi? 
AZ: Noch gibt es dafür keine konkreten Pläne. Aktuell haben wir für alle fliegenden Volocopter eine Luftfahrt-Halter-Haftpflicht, zusätzlich sind natürlich auch unsere Testpiloten versichert. 

Wie ordere ich einen Volocopter? Per Telefon oder App wie ein normales Taxi? 
AZ: Anfangs müssen Kunden noch zu festen Abflugpunkten kommen. Langfristig werden wir eine eigene Infrastruktur haben und bei Hotels, Bürogebäuden und an Verkehrsknotenpunkten, etwa Bahnhöfen, Plattformen für Flugtaxis bauen. Dann können Passagiere den Volocoper zum nächstmöglichen Ort bestellen. 

Die, die es sich leisten können … 
AZ: Anfangs werden Flüge mit einem Flugtaxi in der Tat noch etwas teurer sein. Sobald die Anzahl der Strecken sich vervielfacht, wird es aber unwesentlich teurer sein als eine Taxifahrt – und man spart viel Zeit dabei. 

Zu Ihren Hobbys gehört Gleitschirmfliegen. Keine Angst vor dem Abheben? 
AZ: Erstaunlicherweise habe ich große Höhenangst. Beim Fliegen empfinde ich einen Mix aus Leid und Leidenschaft. In einem Flugtaxi, in dem ich die Schönheit einer Stadt von oben erleben kann, fühle ich mich ähnlich sicher wie in einem Auto. Mehr Freude macht es mir, mit dem Gleitschirm bei starker Thermik in den Alpen den Wind am ganzen Körper zu spüren.

Interview: Eli Hamacher

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