Kolumne
Kolumne - Digi­t­al­gip­fel der Bun­des­re­gie­rung

Was die Block­chain mit Alters­vor­sorge und Kapi­tal­an­lage zu tun hat

Gerade für die Versicherungswirtschaft hat die Blockchain Potenzial. Deshalb setzen wir uns intensiv mit diesen Chancen auseinander - und frühzeitig für passende Rahmenbedingungen ein.

Das Internet feiert seinen 50. Geburtstag. Und im Ruhrgebiet fand der diesjährige Digitalgipfel der Bundesregierung statt. „Der Pulsschlag aus Stahl wird digital“, schreibt etwa die Rheinische Post über das Event, das Montag und Dienstag in Dortmund stattfand.

Effizientere Prozesse, bessere Produktlösungen und optimierte Kundenzugänge

Künstliche Intelligenz, Cloud und Blockchain – diese Technologien haben einen Innovationswettbewerb ausgelöst, auch und gerade in der Versicherungsbranche: Es geht um effizientere Prozesse, bessere Produktlösungen sowie Services und möglichst optimierte Kundenzugänge. Damit diese Chancen genutzt werden können, kommt es auf einen modernen Regulierungs- und Aufsichtsrahmen an. Regulierung muss innovationsfreundlich sein.

Gerade für die Versicherungswirtschaft hat die Blockchain Potenzial und wir setzen uns deshalb intensiv mit diesen Chancen auseinander, machen uns frühzeitig für passende Rahmenbedingungen stark und versuchen, mögliche Zielkonflikte, etwa beim Datenschutz, aufzulösen. Eine breite, in Teilen unkontrollierte Anwendung der Public-Blockchain wie beispielsweise zum Schürfen von Bitcoins, ist durch den dafür nötigen Energiebedarf etwa problematisch für den Klimaschutz. Bei Blockchain-Lösungen wie sie die Versicherungswirtschaft verfolgt, bestehen diese Bedenken aufgrund andersgearteter Validierungsverfahren dagegen nicht.

In einem Sondierungsprojekt hat unser Verband bereits geeignete Einsatzszenarien analysiert. Ein Beispiel: Mit der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen, die die Riester-Zulage verwaltet, wurde ein Blockchain-Prototyp für das Riester-Zulagenverfahren entwickelt. Dabei haben sich vielversprechende Optimierungsansätze ergeben.

Damit sich die Blockchain durchsetzen kann, ist aber auch der Staat gefordert. Denn noch ist unsicher, wie sich eine mögliche Nutzung mit dem geltenden Rechtsrahmen vereinbaren lässt. In der mit viel Aufwand in Europa verankerten Datenschutzgrundverordnung steht das „Recht auf Vergessenwerden“ der grundsätzlichen technischen Konstruktion der Blockchain entgegen. Lösungsansätze hierfür könnten sich aus der Vereinbarung restriktiver Berechtigungskonzepte in privaten Blockchain-Anwendungen ergeben. Darüber hinaus darf es bei Blockchain-Lösungen im Versicherungsbereich keine Rechtsunsicherheit bezüglich der Anerkennung von Transaktionen und Identitäten geben. Hier teilen wir die zentrale Botschaft des diesjährigen Digital-Gipfels einer effizienten Plattformökonomie, die in hohem Maße auf Vertrauen und Sicherheit setzt.

Das deutsche Recht soll für digitale Wertpapiere geöffnet werden

Kürzlich hat die Bundesregierung ihre im Koalitionsvertrag angekündigte nationale Blockchain-Strategie verabschiedet. Ein Anliegen sticht besonders heraus: Das deutsche Recht soll für digitale Wertpapiere geöffnet werden, zudem das öffentliche Angebot von Krypto-Token reguliert und somit die Grundlage für eine Token-Ökonomie geschaffen werden.

Unsere Branche ist einer der größten institutionellen Investoren in Deutschland. Wir sind deshalb auch im Sinne unserer Kunden und angesichts der Niedrigzinsen gefordert, diese Technologie früh anzupacken, auszutesten  und den passenden Rahmen für sie mit zu gestalten. Auf Basis der Blockchain lassen sich grundsätzlich alle erdenklichen Arten von Vermögenswerten durch Token digitalisieren. Erste Versicherer haben bereits erfolgreich digitale Finanztransaktionen über die Blockchain-Technologie durchgeführt und die Emission von Schuldscheindarlehen digital abgewickelt. Mittlerweile stellen sich die Prozesse als so sicher und stabil dar, dass auf die zunächst noch zur Sicherheit durchgeführte Dokumentation auf Papier verzichtet werden kann. Durch die digitale Abwicklung können Transaktionskosten reduziert und Transaktionszeiten deutlich verkürzt werden – die Effizienz steigt. Auch einer möglichst ressourcenschonenden Ausgestaltung sowie Anforderungen hinsichtlich der Datenschutzkonformität genügen solche Lösungen.

Neben der Sorgfalt zählt vor allem eins: Geschwindigkeit

Die Bundesregierung adressiert in ihrer Blockchain-Strategie grundsätzlich richtige Themen im Finanzsektor. Dies kann aber nur ein erster Schritt sein. Denn auf Basis der geltenden Rechtslage sind den Innovationsmöglichkeiten enge Grenzen gesetzt. Dies hat die Politik auch erkannt und noch für dieses Jahr einen Gesetzentwurf zur Anpassung des deutschen Wertpapierrechts angekündigt.

Gleichwohl muss allen Beteiligten klar sein, dass nationale Regelungen nur eine Brückenlösung sein können. Ziel muss es letzten Endes sein, möglichst zeitnah eine europäische Regulierung im Bereich digitaler Wertpapiere und des Handels mit Krypto-Token zu schaffen. Um aus Deutschland heraus wesentliche Impulse zu setzen und tatsächlich eine Vorreiterrolle in der EU einzunehmen, ist schnelles Handeln nötig.

Denn eines kann man von der digitalen Welt lernen. Um mit neuen technologischen Entwicklungen mitzuhalten, zählt neben der Sorgfalt vor allem eins: Geschwindigkeit.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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