Kolumne
Kolumne Kapi­tal­an­lage

Ratin­g­agen­tu­ren voll­um­fäng­lich regu­lie­ren!

Als langjähriger Wirtschafts-Lobbyist und aus tiefster Überzeugung wehre ich mich regelmäßig gegen ausufernde Regulierung. Wenn die Marktsituation es aber nicht anders hergibt, ist sie unvermeidlich. Das Oligopol aus S&P, Moody‘s und Fitch schadet Investoren, dem Kapitalmarkt – und letztlich auch Verbrauchern.

In der Selbstdarstellung unseres Verbandes ist zu lesen: „Als Risikoträger und bedeutender Kapitalgeber (Kapitalanlagebestand rund 1,7 Billionen Euro) haben die privaten Versicherungsunternehmen auch eine herausragende Bedeutung für Investitionen, Wachstum und Beschäftigung in der deutschen Volkswirtschaft.“ Womit wir gleich beim Thema wären: Wir Versicherer sehen die Geschäftspraktiken und die marktbeherrschende Stellung der drei großen US-Ratingagenturen mit Sorge. S&P, Moody‘s und Fitch bilden faktisch ein Oligopol, dessen Folgen Investoren schaden und die Effizienz der Kapitalmärkte beeinträchtigen. Die damit einhergehenden Kosten trägt am Ende auch der Verbraucher.

Europäische Gesetze fordern von uns zunehmend den Einsatz von Ratings, etwa für das Aufsichtssystem Solvency II

Warum ist das so? Externe Informationen zur Bonität sind nicht zuletzt aus regulatorischen Gründen für europäische Versicherer, Fondsmanager und andere Finanzmarktakteure wie Banken unverzichtbar. Versicherer sind als eine der größten institutionellen Anlegergruppen in der Europäischen Union regelmäßige natürliche Nutzer von Ratingdaten für das Anlagemanagement, Risikomanagement, Compliance und regulatorische Berichterstattung sowie für Rechnungslegungszwecke. Die europäischen Gesetze fordern von uns zunehmend die Verwendung von Ratings, etwa für das Aufsichtssystem Solvency II. Schon deshalb ist unsere Branche de facto gezwungen, mit drei Unternehmen eines marktbeherrschenden Oligopols zusammenzuarbeiten. Während die Bereiche der Ratingagenturen, die die eigentlichen Analysen betreiben, als Folge der Finanzmarktkrise von 2008 mittlerweile streng reguliert sind, sind andere Teile der Ratingkonzerne immer noch vollständig unreguliert. Dazu gehören insbesondere die Einheiten, welche die Ratingdaten über Lizenzverträge weltweit an Nutzer wie etwa Versicherungsunternehmen verkaufen.

Um die Folgen abzuschätzen, brauchen Sie kein Absolvent eines ökonomischen Studiengangs zu sein: Aufgrund ihrer Marktmacht erzwingen die genannten Ratingagenturen regelmäßig unverhältnismäßige Gebührenerhöhungen.

Als langjähriger Wirtschafts-Lobbyist und aus tiefster Überzeugung wehre ich mich regelmäßig gegen ausufernde Regulierung. Die Maxime lautet: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“ Ich sage zu Ratingagenturen: Wenn die Marktsituation es aber nicht anders hergibt, ist Regulierung unvermeidlich und zwar vollumfänglich – ohne Schlupflöcher. Zusammen mit dem deutschen Fondsverband BVI appellieren wir deshalb an die EU-Kommission, die amerikanischen Ratingagenturen hinsichtlich der Preisgestaltung von Ratingdaten stärker zu regulieren und schärfer zu überwachen.

Die europäische Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA hatte die Nutzer von Ratinginformationen zuvor konsultiert und um ihre Stellungnahme gebeten. Die unseres Verbandes können Sie hier nachlesen.

Jörg von Fürstenwerth


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