Kolumne
Kolumne Natur­ge­fah­ren­re­port

Fri­sche Zah­len und Lösungs­vor­schläge für die Kli­mafrage

Wer auf hohe Kosten des Klimapaketes der Bundesregierung hinweist, darf die Kosten des Klimawandels für jeden einzelnen nicht verschweigen. Mit der neuen Ausgabe des Naturgefahrenreports legen die deutschen Versicherer ihre jüngste Schaden-Chronik vor: Das Jahr 2018 im Klima-Check.

Da ist es also, das Klima-Paket. „Gut Wetter machen reicht nicht mehr aus“, habe ich vor wenigen Tagen geschrieben – und hier auch die Verantwortung unserer Branche für Nachhaltigkeit und Klimaschutz herausgestellt.

Wir können über Zeitpunkt und Umfang des politischen Projekts streiten – klar ist: Das nun verabschiedete Preisschild für die Produktion von Kohlendioxid ist überfällig, denn nur so werden klimafreundliche Investments gefördert und klimaschädliche Investitionen unattraktiver.

Lassen Sie mich allerdings anmerken: Während die Versicherungsaufsicht unsere Branche derzeit auffordert, die Risiken des Klimawandels auf Heller und Pfennig im Sinne der Finanzmarktstabilität zu kalkulieren und einzupreisen, leistet sich die Bundespolitik ein Klimakonzept, in dem die Zahlen und Ziele zur Wirksamkeit der Maßnahmen weitgehend fehlen oder unbestimmt bleiben. Das passt für mich schlecht zusammen. Denn: Wenn in Zukunft die Schäden durch den Klimawandel zunehmen und so häufig auftreten, dass der Risikoausgleich im Versichertenkollektiv nicht mehr vernünftig darstellbar ist, steht auch die Versicherbarkeit solcher Schäden in Frage. Staatliche Hilfen kommen schon heute an ihren Grenzen.

Naturgewalten haben 2018 insgesamt 3,1 Milliarden Euro Versicherungsschäden verursacht

Für das vergangene Jahr liegen derweil frische Zahlen unserer Statistiker vor, die Sie auch im aktuellen Naturgefahrenreport unseres Verbandes nachlesen können: Naturgewalten haben 2018 insgesamt 3,1 Milliarden Euro Versicherungsschäden an Häusern, Kraftfahrzeugen, Hausrat, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft verursacht. Damit erreichen die Schäden durch Sturm, Hagel, Hochwasser und Starkregen erneut das Vorjahresniveau. Sturm und Hagel sind mit 2,6 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,9 Milliarden Euro) die schadenschwersten Gewalten. Starkregen und Hochwasser schlagen mit gut 500 Millionen Euro zu Buche; im Vorjahr waren es nur 300 Millionen Euro.

Die längste Hitzeperiode seit Beginn der Wetteraufzeichnung im Jahr 1881, das wärmste jemals gemessene Jahr, verheerende Stürme und Sturzfluten – im Jahr 2018 zeigt die Natur viele Facetten ihrer Gewalt. Und die Extreme werden immer häufiger zur Normalität werden. Umso mehr muss es in den kommenden Jahren darum gehen, mit mutigen und nachhaltigen Entscheidungen dem Klimawandel entgegenzuwirken. Wir brauchen aber auch Anpassungsstrategien, die die Folgen auffangen und eindämmen. Wie schützen wir unsere Städte – gegen die Regenmassen, gegen die erbarmungslose Hitze? Im aktuellen Naturgefahrenreport haben wir uns auf die Suche nach Ideen gemacht. Und wir sind fündig geworden: in Hamburg, Münster, Dresden, Berlin und in anderen europäischen Ländern.

So vereint Kopenhagen wie kaum eine andere Metropole Klimaschutz und Klimaanpassung. Seit 2009 verkehren mehr Menschen per Rad als per Auto in Kopenhagen. Viele pendeln von außerhalb, jeder U-Bahn-Wagen hat ein komfortables Fahrradabteil. Die neuen Brücken der Inselstadt dienen ausschließlich dem Fuß- und Radverkehr. Auch das ist ein Aspekt der Kopenhagener Lebensqualität: Sicherheit und Ruhe.

Es lebt sich schlicht gelassener mit einem spürbar nachhaltigen Bekenntnis.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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