Kolumne
Kolumne Kfz-Tarife für Senio­ren

Ältere ver­ur­sa­chen im Schnitt mehr Schä­den als Fah­rer mitt­le­ren Alters

Weil Lebensalter und das Risiko, einen Unfall zu verursachen, eindeutig zusammenhängen, sind Zuschläge für ältere Fahrer nicht nur gerechtfertigt, sondern auch gerecht. Senioren, die vorsichtig unterwegs waren, müssen sich jedoch keine Sorgen machen, dass ihr Beitrag durch die Decke geht.

Prinz Philip hat es getan – mit 97 Jahren: Der Ehemann der britischen Königin will sich nicht mehr hinter das Steuer setzen, so ließ es unlängst der Buckingham-Palast wissen. Philip habe die Entscheidung freiwillig und nach sorgfältiger Überlegung getroffen, hieß es in der Mitteilung des Palasts. Kurz zuvor war der Prinz am Steuer seines Wagens in einen Auto-Unfall verwickelt gewesen, der zwar glimpflich ablief, aber für Schlagzeilen sorgte.

Eine statistisch gesicherte Erkenntnis

Ich vermute, dass ihm diese Entscheidung nicht leicht gefallen ist. Das prominente Beispiel steht exemplarisch für uns alle – in einer Gesellschaft, die Gott sei Dank immer älter wird und sich dabei zusehends einer hohen Lebensqualität erfreut. Wenn ich gefragt werde, ob Senioren noch Auto fahren sollen, antworte ich: Warum denn nicht, wenn sie es noch können. Und darin offenbart sich das ganze Problem: Das Alter allein sagt nicht viel darüber aus, ob der Einzelne noch sicher fährt. Aber: Ab einem bestimmten Alter erhöht sich von Jahr zu Jahr die statistische Wahrscheinlichkeit, dass es eben nicht mehr so gut geht.

Fakt ist: Ältere Fahrer verursachen im Durchschnitt mehr Schäden als Fahrer mittleren Alters. Das ist eine statistisch gesicherte Erkenntnis, die sich messbar in den Schadenbilanzen der Kfz-Versicherer niederschlägt. Wir müssen es wissen, denn unser Verband führt die von der Bafin veröffentlichte Jahresgemeinschaftsstatistik. Für diese sind Versicherer gesetzlich verpflichtet, ihre Kfz-Haftpflicht-Versicherungsverträge sowie die Schäden zu melden.  Da es sich also nahezu um eine Totalerhebung aller bundesweit abgeschlossenen Kfz-Versicherungen handelt, ist die Datenbasis äußerst valide.

Erkenntnis: Weil Lebensalter und Schadenrisiko so eindeutig zusammenhängen, sind Zuschläge für ältere Fahrer nicht nur gerechtfertigt, sondern auch gerecht. Das erkennt auch der Gesetzgeber an. Eine Risikodifferenzierung ist laut Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz möglich, wenn es dafür sachliche Gründe gibt – beispielsweise ein höheres Unfallrisiko. Ich kann verstehen, wenn ältere Kundinnen und Kunden manchmal irritiert sind, wenn die Beiträge ihrer Kfz-Versicherung steigen – und greife das Thema deshalb hier sehr bewusst auf, um hoffentlich mehr Verständnis für den Sachverhalt zu schaffen.

Der Beitrag für eine Kfz-Haftpflichtversicherung wird durch eine Reihe von Merkmalen bestimmt. Dazu gehören zum Beispiel die Typklasse, die Kilometerleistung und die Anzahl schadenfreier Jahre. Weil ältere Fahrer aber im Schnitt mehr Schäden verursachen, gibt es auch das Merkmal „Alter des Fahrers“, das den Versicherungsbeitrag für Fahrer mittleren Alters tendenziell senkt und für ältere -und besonders junge Fahrer anhebt. Ältere Fahrer, die vorsichtig gefahren sind, müssen sich jedoch keine Sorgen machen, dass ihr Beitrag durch die Decke geht: Wer jahrelang unfallfrei gefahren ist, profitiert im Alter von hohen Schadenfreiheitsrabatten. Weil die Kfz-Versicherer auch diese Erfahrung berücksichtigen, profitieren ältere Fahrer von einem hohen Schadenfreiheitsrabatt, den junge Fahrer überhaupt nicht erreichen können – auch das ist nur gerecht. Beitragsreduzierend wirkt übrigens oft auch der Umstand, dass ältere Fahrer im Schnitt auch weniger Kilometer im Jahr fahren.

Brauchen wir verpflichtende Fahrprüfungen für Senioren?

Und die Sache mit dem Führerschein? Brauchen wir verpflichtende Fahrprüfungen für Senioren? Ich und meine Kollegen der Unfallforschung meinen: Selbst, wenn das gesellschaftlich und politisch gewollt wäre, hätten wir kein Instrument, mit dem wir ganze Jahrgänge auf ihre Fahrtauglichkeit testen können, ohne dabei massenhaft zu Fehlurteilen zu kommen.

Wir schlagen vor, dass Senioren ab 75 eine sogenannte Rückmeldefahrt absolvieren. Darunter werden begleitete Fahrten mit einer Dauer von 45 bis 60 Minuten verstanden, in denen Senioren zum Beispiel mit einem Verkehrspsychologen im ganz normalen Straßenverkehr unterwegs sind. Ziel ist es, eine Rückmeldung zu geben, wie fit Senioren für den Straßenverkehr sind. Ob man den Rat annimmt oder ignoriert: Das Ergebnis bleibt unter vier Augen und damit in der alleinigen Entscheidung des Seniors.

Egal, welches Alter Sie haben: Fahren Sie vorsichtig!

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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