Risiko Spor­tin­va­li­di­tät

Damit eine schwere Ver­let­zung nicht den sozia­len Abstieg ein­lei­tet

In der Mainzer Coface-Arena läuft am 3. Mai die 31.Spielminute des Bundesligaspiels FSV Mainz 05 gegen den Hamburger SV. Nach einem vermeintlich harmlosen Duell bleibt der Mainzer-Profi Elkin Soto auf dem Rasen liegen. Bei dem 34-Jährigen wird eine vollständige Ausrenkung des Kniegelenks diagnostiziert. Ob Soto jemals wieder schmerzfrei laufen, geschweige denn noch einmal seinen Beruf als Fußballprofi ausüben wird, ist fraglich. Wie sich Profifußballer mit speziell auf sie zugeschnittenen Versicherungsprodukten absichern können.

Ein Fußballspieler hat im Verhältnis zu anderen Arbeitnehmern nur wenig Zeit, um genug Geld für seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Wenn alles gut läuft stehen dem Bundesligaspieler durchschnittlich 12,5 Jahre für seine Berufsausübung zur Verfügung. Auch wenn viele Spieler während dieser relativen kurzen Sport-Karriere nicht selten Erträge erzielen und überschreiten, für die ein herkömmlicher Arbeitnehmer ein ganzes Leben braucht: Eine Verletzung kann die komplette Lebensplanung eines Spielers ad absurdum führen. Ein einziger Fehltritt oder ein böses Foul von einem Gegenspieler leiten dann den sozialen Abstieg ein. Die Folgen sind für vor allem für Spieler fatal, die nicht zur Top-Auswahl der Liga zählen. Sie können nicht – wie etwa der frühere Nationalspieler Matthias Sammer – auch nach vorzeitig abgebrochener aktiver Laufbahn auf eine Anstellung im Verein als Trainer oder Sport-Direktor vertrauen.

Über die Hälfte aller Sportinvaliden kommen aus dem Profifußball

Fußballspieler erhalten im Krankheitsfall wie jeder Arbeitnehmer in Deutschland nur sechs Wochen lang eine Lohnfortzahlung. Die Vereine der Fußballbundesliga sind als Arbeitgeber ab dem dreiundvierzigsten Tag nicht mehr verpflichtet, dem Spieler Geld zu überweisen, wenn er schwer verletzt ist. Und das passiert häufig: Nach Angaben des Versicherungsmaklers Aon fällt in der Bundesliga ein Spieler im Durchschnitt pro Saison mit zweieinhalb Verletzungen an insgesamt fünfzig Tagen aus. Über die Hälfte aller Sportinvaliden kommen aus dem Profifußball. Für den Spieler geht es dann ans Eingemachte. Die Frage: Hat er bis dahin schon genug verdient, um für immer davon leben zu können? Die Antwort: Meistens nein. „Eine gute Versicherung ist daher für Profifußballer fast schon ein Muss“, erläutert Stefan Gericke, Sportexperte beim Versicherungsmakler Aon.

Eine die Karriere gefährdende Krankheit oder Verletzung kann jeden Spieler, jederzeit und überall treffen und immer dann, wenn man es am wenigsten erwartet. Im Gegensatz zum klassischen Angestellten können beim Berufssportler bereits Verletzungen oder Krankheiten, die die Erhaltung und Umsetzung von Kraft, Ausdauer und Technik massiv beeinflussen, zum Karriereende führen. Ein Angestellter im Innendienst wird trotz einer schweren Beeinträchtigung am Knie seinen Beruf weiter ausüben können. Aber einen dauerhaft hinkenden Spieler auf dem Spielfeld wird es nie geben.

Sportinvaliditätsversicherung sichert das vorzeitige Karriereende ab

Für den Ernstfall gibt es daher die Sportinvaliditätsversicherung, die von ausgewählten Versicherern in Deutschland angeboten wird. Diese Spezialform der Berufsunfähigkeitsversicherung wurde einzig und allein für den Berufssportler entwickelt und sichert üblicherweise ausschließlich das verletzungs- oder krankheitsbedingte Karriereende ab. Im Regelfall handelt es sich dabei um sogenannte Jahresablaufpolicen. Das heißt: Um die Versicherung nach Ablauf eines Jahres neu abzuschließen, ist eine erneute Gesundheitsprüfung erforderlich. Mitversicherbar ist auch das Todesfallrisiko für den Fall, dass der Spieler unfall- oder krankheitsbedingt stirbt (Familienabsicherung).

Geleistet wird im Fall der Fälle keine Rente, sondern eine Kapitalentschädigung. Und die kann beträchtlich sein: Bundesligaprofis versichern das Risiko Sportinvalidität mit Summen, die zwischen einer und zehn Millionen Euro liegen. Wer beispielsweise eine Versicherungsleistung von 3 Millionen Euro anstrebt, muss mit einem jährlichen Beitrag von knapp 40.000 Euro rechnen. Etwas mehr wird es, wenn für den Todesfall auch die Familie abgesichert werden soll.

Kicker-Schutz-Police als Basisabsicherung

Um einen vernünftigen Versicherungsschutz für Lizenzfußballspieler, Vertragsamateure und Angestellte von Fußballvereinen in Deutschland kümmert sich seit Jahren auch die Spielergewerkschaft Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV) . Im gemeinsam mit dem DFB geschaffenen Versorgungswerk bemüht man sich zum Beispiel um eine kostengünstige Basisabsicherung, die auch gesundheitliche Folgeschäden nach Karriereende mitumfasst. So leistet die eigens für Fußballer entwickelte Kicker-Schutz-Police im Verletzungsfall bis zum 60. Lebensjahr monatliche Renten bis maximal 2.500 Euro. Ergänzend versicherbar sind auch bestimmte typische Fußballer-Verletzungen wie etwa ein Kreuzbandriss, für den die Police eine Einmalzahlung in Höhe von 3000 Euro vorsieht. Darüber hinaus gibt es bei schweren Krankheiten wie etwas Herzinfarkt oder krebs eine Einmalzahlung von 12.000 Euro.

VDV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky sieht beim Thema Absicherung von Fußballprofis noch eine Menge Handlungsbedarf. „Viele Spieler gehen mit dem Thema noch zu sorglos um und kümmern sich nicht.“ Auf einen wunden Punkt weist der VDV-Geschäftsführer aber auch gerichtet an die Adresse der Versicherungswirtschaft hin: „Psychische Erkrankungen spielen zunehmend auch im Fußball eine Rolle.“ Bei vielen Versicherungen, so Baranowsy, seien jedoch diese Form der Erkrankungen vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.

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