Zehn Jahre Leh­man-Pleite

Warum sich lan­ger Atem in der Alters­vor­sorge aus­zahlt

Vor zehn Jahren erschüttert der Konkurs der Investmentbank Lehman Brothers die Weltwirtschaft. Seither sind die Zinsen im Keller. Kein Grund, nicht in private Altersvorsorge zu investieren – im Gegenteil. Von Simon Frost

Die junge Frau verlässt das Gebäude in Manhattan durch den Haupteingang. Dunkle Haare, weiße Bluse, graue Hose, über der Schulter eine schwarze Nylontasche. Mit beiden Händen trägt sie einen braunen Karton. Einen, wie man ihn aus Filmen kennt, wenn jemand gefeuert wird. Die junge Frau wird nicht die Einzige bleiben, die dieses Schicksal ereilt. Es ist der 15. September 2008, die US-Investmentbank Lehman Brothers muss Insolvenz anmelden. Es ist der Beginn – je nach Lesart auch der Höhepunkt – der jüngsten Weltfinanzkrise.

Mit dem, was auf die Pleite des Geldhauses folgt, kämpfen Volkswirtschaften weltweit noch heute. Die Finanzkrise führt den Euro als Gemeinschaftswährung an den Rand seiner Existenz. Um einen vollständigen Crash der Wirtschaft in vielen Staaten der Währungsunion zu vermeiden, sehen sich die europäischen Notenbanker gezwungen, Geld billiger zu machen. Sichtbares Zeichen ist die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank.

Das Ergebnis: Die Zinsen sind im Keller. Das ist gut für Häuslebauer, nicht aber für Anleger, die für ihr Alter sparen. Wie also privat vorsorgen? Auf Aktien setzen, sagen die einen. Das Geld in Immobilien stecken, sagen die anderen. Richtig, Aktienindizes wie Dax oder Dow Jones notieren auf historischen Höchstständen und in Städten wie Berlin oder Frankfurt am Main steigen die Immobilienpreise im zweistelligen Prozentbereich.

Aktien ja – aber mit Augenmaß

Gemessen daran mögen Zinserträge von 3,5 Prozent – das entspricht der aktuellen Gesamtverzinsung in der privaten Rentenversicherung – bescheiden anmuten. Ein Leitzins nahe null Prozent lässt den Anlageerfolg der Versicherer aber in einem ganz anderen Licht erscheinen. Dennoch muss GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener festhalten: „Die private Vorsorge leidet in der Tat darunter, dass die Zinsen niedrig sind.“ Deshalb setzen auch Versicherer durchaus auf Aktien, allerdings mit Augenmaß. Mehr als 1,5 Billionen Euro haben Versicherer für ihre Kunden aktuell auf der Hohen Kante, 5,1 Prozent davon in Aktien. Im Jahr 2005 waren es mal knapp neun Prozent, im Jahr 2011 – auch in Folge der Finanzkrise – lediglich 2,9 Prozent.  

Als Allheilmittel taugen die Wertpapiere jedoch nicht. Wer in den Ruhestand geht, muss einigermaßen genau wissen, über welche Mittel er dann verfügen kann. Eine volatile Anlage kann das nicht leisten, wie die Finanzkrise erschreckend eindrucksvoll belegt. Die geplatzte Immobilienblase in den USA lässt Aktienkurse weltweit implodieren. Der Deutsche Aktienindex – vor der Finanzkrise mit über 8.000 Punkten auf Rekordniveau – stürzt bis auf 3.200 Punkte.

 

 

Marathonsparer haben einen starken Verbündeten 

Private Altersvorsorge ist ein Marathonlauf. Das gilt zum einen für die Versicherer. Denn sie haben  ihren Kunden beim Eintritt in den Ruhestand und für die  folgenden Jahrzehnte ein gutes Auskommen zugesagt. Hier ist neben Weitblick auch Flexibilität gefordert. Jahr für Jahr zahlen Versicherer 70 bis 80 Milliarden Euro für die Altersversorgung der Bürger aus kapitalgedeckten Lebens- und Rentenversicherungen aus. Das entspricht etwa 200 Millionen Euro pro Tag und etwa 30 Prozent der Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung.

Zum anderen heißt es auch für Kunden: Zeitig anfangen und durchhalten, dann zahlt sich die private Altersvorsorge richtig aus. Wer früh losläuft, dem genügen schon kleine Schritte im Vermögensaufbau. Und wer zu früh aufgibt, bringt sich um den Lohn seiner Mühen. Denn der stärkste Verbündete des Marathonsparers ist der Zinseszinseffekt. Wer über 30 Jahre lang monatlich 100 Euro beiseitelegt, erhält bei einem durchschnittlichen Zins von jährlich drei Prozent knapp 59.000 Euro. Der Ertrag aus Zins und Zinseszins liegt dann bei fast 23.000 Euro. Zum Vergleich: Nach zehn Jahren haben sich bei gleichen Konditionen gerade einmal 2.200 Euro an Zinsen angesammelt.

Und wer bis zum Schluss durchhält, wird noch zusätzlich belohnt. „Die private Rentenversicherung ist die einzige kapitalgedeckte Altersvorsorge, die eine lebenslange Rentenzahlung garantieren kann“, erläutert GDV-Altersvorsorgeexperte Peter Schwark. „Erfreulich ist, dass immer mehr Menschen diesen Vorteil erkennen und die Rentenzahlungen zur Lebensstandardsicherung im Alter steigen.“

 

Zur Startseite
Auch inter­essant