Poli­ti­sche Posi­tio­nen 2021 – Demo­gra­fie

Alters­vor­sorge neu den­ken

Damit die Lasten für die Jungen im Rahmen bleiben und die Älteren einen lebenswerten Ruhestand genießen können.

Die Corona-Pandemie wird, nach allem was wir wissen, den Trend zu einem längeren Leben nicht brechen können. Das ist ein Glück. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie setzen aber das deutsche Alterssicherungssystem weiter unter Druck und die Frage nach einer fairen Verteilung der Lasten stellt sich damit immer dringlicher. Das sieht auch der Sachverständigenrat: Die fünf Wirtschaftsweisen kommen in ihrem Jahresgutachten 2020/21 zu dem Schluss, dass der Wirtschaftseinbruch zu Mehrbelastungen für Beitrags- und Steuerzahler führen wird – das Absinken der Renten hingegen ist gesetzlich ausgeschlossen. Damit verstärkt sich der langfristige Trend: Demografische Lasten werden einseitig auf die junge Generation verlagert – in der gesetzlichen Renten­versicherung genauso wie in der Kranken- und Pflegeversicherung. 

 Eine Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung durch noch höhere Bundeszuschüsse als heute schon ist keine tragfähige Option, erst recht nicht nach Corona. Ohne Änderungen an der Rentenformel und bei unveränderten Beitragssätzen würde die Staatsverschuldung bis 2080 auf 200 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung ansteigen – trotz historisch niedriger Zinsen. 

An einer Reform, die die erste Säule entlastet,  führt daher kein Weg vorbei: Wenn wir länger leben, müssen wir länger arbeiten und generationen­gerechter vorsorgen. Nur so lässt sich die Funktionsfähigkeit unserer Sicherungssysteme auch in Zukunft gewährleisten. Richtig eingesetzt, ist mehr Kapitaldeckung Teil der Lösung. Dazu gehört auch, mehr Risiken in der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge und der betrieblichen Altersversorgung zuzulassen. Dabei muss die Mischung aus Sicherheit und Rendite stimmen.

These 1: Chancen nutzen, Risiken begrenzen

Die Stärkung der privaten Altersvorsorge ist im Niedrigzinsumfeld wichtiger denn je. Die Riester-Rente muss einfacher, effektiver und stärker verbreitet werden. Notwendig ist eine Lockerung der Beitragsgarantie, um Chancen auf höhere Renditen und Renten nutzen zu können. Außerdem sollte die Förderung einfacher werden: Jeder selbst gezahlte Euro wird mit mindestens 50 Cent gefördert. Um Rückforderungen zu vermeiden, sollte künftig der Grundsatz gelten: Erst prüfen, dann zahlen. Und schließlich sollte die Förderung allen offenstehen – insbesondere auch Selbstständigen.

These 2: Staatsfonds sind keine Lösung 

Zur Reform der privaten Vorsorge braucht es keinen Staatsfonds. Denn in der Alterssicherung ist die Aufgabenteilung klar: hier die staatliche Versorgung, dort betriebliche und private Ergänzungssysteme. Nur für die erste Säule trägt der Staat die Verantwortung unmittelbar. Für die anderen setzt er den Rechtsrahmen und überlässt die Gestaltung den Sozialpartnern oder den privaten Anbietern. Auch in der Sozialen Marktwirtschaft gilt: Der Gesetzgeber, der die Regeln setzt, darf sich nicht selbst als Spieler einwechseln. 

These 3: Lebensarbeitszeit muss der Lebenserwartung folgen

Die Lebenserwartung der Deutschen ist allein seit der Jahrtausendwende um drei Jahre gestiegen. Natürlich profitiert nicht jeder gleichermaßen von diesem Trend. Sicher aber ist: In die Altersklassen „65plus“, vor allem in die der Hochbetagten „85plus“, wachsen immer mehr Menschen hinein – häufig in körperlich und geistig viel besserer Verfassung als die Generation ihrer Väter und Mütter im selben Alter. Wir müssen eine Debatte darüber führen, wie eine akzeptable Balance zwischen Lebensarbeitszeit und Ruhestand aussehen kann, um damit einen Beitrag zur Tragfähigkeit der gesetzlichen Rente zu leisten.

These 4: Selbstständige brauchen passende Lösungen 

Eine Einheitslösung wird den Bedürfnissen Selbstständiger nicht gerecht: zu unterschiedlich sind ihre Lebensentwürfe und zu wandelbar ihre Geschäftsmodelle. Die geplante Sicherungspflicht muss darauf Rücksicht nehmen. Sie muss Raum für individuelle Lösungen der Altersvorsorge lassen, indem sie Wahlmöglichkeiten bietet. Und sie muss Mindestkriterien definieren, die für diese Zielgruppe besonders wichtig sind. Die Basisrente erfüllt solche Anforderungen – und noch mehr: Sie bietet Pfändungsschutz, ist auch beim Bezug von Arbeitslosengeld II gesichert und bietet darüber hinaus ein lebenslanges Alterseinkommen. Die Basisrente sollte eine Schlüsselrolle bei der Sicherungspflicht Selbstständiger spielen.

These 5: Digitale Rentenübersicht zügig umsetzen

Meilenstein für mehr Transparenz: Nach langer Vorarbeit haben Bundestag und Bundesrat das Gesetz zur Einführung einer Digitalen Rentenübersicht verabschiedet. Ab Januar 2021 wird die Zentrale Stelle für Digitale Rentenübersicht aufgebaut, das Feinkonzept soll bis Mitte 2022 stehen, der Vollbetrieb 2023 starten. Die Versicherer werden im Schulterschluss mit den wichtigen Stakeholdern daran arbeiten, dass sich die Rentenübersicht an den Bedürfnissen der Nutzer wie auch an den technischen Möglichkeiten der vielgestaltigen Vorsorgeeinrichtungen orientiert. Denn für diese Einrichtungen wird die Anbindung mit erheblichem Aufwand verbunden sein.

These 6: Die starke Säule im dualen System ist die PKV 

Unser Gesundheitssystem gehört zu den besten der Welt. Als Wettbewerber zur Gesetzlichen ist die Private Krankenversicherung dabei wichtiger Innovationsmotor. Die höheren Honorare der Privatversicherten ermöglichen zudem Investitionen in moderne Geräte und Methoden. Diese kommen auch gesetzlich Versicherten zugute. Und: Nur die PKV trifft Vorsorge für die im Alter steigenden Gesundheitsausgaben und ist damit generationengerecht. Bis jetzt hat sie über 274 Mrd. Euro Alterungsrückstellungen aufgebaut. Diese tragen maßgeblich zum Investitionsvolumen und damit zum Wohlstand in Deutschland bei.

These 7: Private Vorsorge stärkt die Pflege von morgen 

Die Ausgaben für die Pflege werden auch in Zukunft stark steigen. In 20 Jahren wird es rund 4,4 Mio. Pflegebedürftige geben – fast ein Drittel mehr als heute. Deswegen ist individuelle Vorsorge so wichtig: mit einer privaten Pflegezusatzversicherung zu überschaubaren Preisen. Sie bildet Rücklagen, aus denen die drohende Finanzierungslücke in der Pflege geschlossen werden kann. Diese nachhaltige Lösung sollte als Grundlage eines „neuen Generationenvertrags“ dienen. Damit mehr Menschen eine eigene Vorsorge aufbauen und so die Pflegeversicherung langfristig stabilisieren.

Zur Startseite