Makro und Märkte kompakt
Makro & Märkte kom­pakt Nr. 34

Nor­ma­li­tät kehrt erst 2021 wie­der zurück

Trotz schrittweiser Lockerungen der Corona-Beschränkungen wird die deutsche Wirtschaft erst im nächsten Jahr ihre volle Kraft wieder ausschöpfen können. Abgehakt ist die Pandemie aber selbst dann nicht: Denn sie hinterlässt langfristige Spuren.

Die deutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung der Assekuranz erst im kommenden Jahr wieder auf vollen Touren laufen. Zwar deuteten die Infektionszahlen darauf hin, dass die sozialen und wirtschaftlichen Einschränkungen wirken. Ein rasches „Hochfahren“ der Wirtschaft berge jedoch die Gefahr, dass sich das Virus erneut ausbreitet, urteilt Klaus Wiener, Chefvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Die Wirtschaft wird sich nur langsam beleben. Eine Normalisierung dürfte sich erst 2021 einstellen.“

Wirtschaft schrumpft wohl stärker als 2009

In diesem Jahr schlittert Deutschland unweigerlich in eine tiefe Rezession. Das genaue Ausmaß sei wegen des unklaren Verlaufs der Pandemie schwer abzuschätzen, so Wiener. Es scheine aber sehr wahrscheinlich, dass der Einbruch größer ausfallen werde als 2009, als die Wirtschaftsleistung infolge der Finanzkrise um knapp sechs Prozent gesunken war. Der Internationale Währungsfonds IWF erwartet für Deutschland einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um sieben Prozent in diesem Jahr.

Pandemie schiebt strukturelle Änderungen an

Auch wenn die Folgen der Krise noch nicht vollständig absehbar sind, zeichnen sich nach Ansicht von Wiener erste strukturelle Änderungen bereits ab. „Teile der Produktionskapazitäten könnten trotz staatlicher Hilfe unwiederbringlich verloren gehen“, vermutet er. Die Corona-Krise werde zudem die Digitalisierung beschleunigen. „Die Vorteile des digitalen Wandels sind in der Krise klar zu Tage getreten. Sie deckt aber auch die noch bestehenden Schwächen auf, etwa in der Netzinfrastruktur oder den Unterschriftserfordernissen.“ Bundesregierung und EU-Kommission sollten daher ihre digitale Agenda schneller vorantreiben, so Wiener. 

 

Protektionismus könnte aufkeimen und Wachstum schmälern

Der GDV-Chefvolkswirt befürchtet als Folge der Pandemie aber auch mehr Protektionismus, der über die Versorgung mit Medikamenten oder medizinischer Schutzausrüstung hinausgehen könnte. „Für die Weltwirtschaft insgesamt würde dies eine Phase geringeren Wachstums bedeuten“, so Wiener. Dafür spreche zudem, dass der in Teilen erforderliche wirtschaftliche Neustart stärker mit dem ökologischen Umbau verknüpft werden soll – wie es die Europäische Kommission bereits signalisiert hat. „Mit Blick auf den Klimawandel ist das zu begrüßen. Die Anpassungen hin zu einer kohlenstoffärmeren Produktion werden aber zumindest zeitweise Wachstum kosten“, so Wiener. 


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