Positionen-Magazin
Regiot­rend: Star­kre­gen in Deutsch­land

Land unter aus hei­te­rem Him­mel

Die Republik hat blaue Flecken: Besonders viele im Süden und Westen, doch kein Landstrich bleibt verschont. Die Flecken stehen für Gebäudeschäden durch extreme Niederschläge, betrachtet über 15 Jahre. Sie zeigen: Es kann jeden treffen.

Wassermassen, die Keller fluten, Bäche, die zu reißenden Flüssen werden: Starkregen tritt meistens eher lokal auf – dafür umso heftiger. Oft sind Kommunen betroffen, die nicht damit rechneten.



Sybille Benning 
Bundestagsabgeordnete (CDU)
Wahlkreis Münster 

„Sicherheit vor Unwetter und Überschwemmung hat man nirgendwo mehr in Deutschland“


An die Nacht, als Münster unterging, erinnert sich Sybille Benning noch genau. Am 28. Juli 2014 saß sie bei Freunden im Wintergarten, der Regen prasselte auf das Glasdach, immer heftiger und heftiger. Dann lief das Wasser in den Keller. Eines der schwersten Unwetter, die je in Deutschland verzeichnet wurden, ging über der Stadt nieder: 292 Liter Regen pro Quadratmeter binnen weniger Stunden. „Die Schäden waren immens, die Aufräumarbeiten dauerten Wochen“, sagt die CDU-Bundestagsabgeordnete.


Starkregen und Hochwasser richten enorme Schäden an – auch in Regionen, die zuvor nie von Überschwemmungen heimgesucht wurden. Eine Langzeitstudie von GDV und Deutschem Wetterdienst zeigt, dass das Risiko vor allem von kurzen, intensiven Niederschlägen ausgeht und regional gleich verteilt ist.



Andreas Becker
Deutscher Wetterdienst 

„Gegenden, die nur wenig Schäden durch Starkregen erlebten, haben schlicht Glück gehabt“



„Es kann jeden treffen“, sagt Florian Pronold. Im Wahlkreis des SPD-Politikers liegt die Stadt Simbach, die 2016 nach heftigen Regenfällen von einer Flutwelle überrollt wurde. Zahlreiche Häuser wurden völlig zerstört, es gab Tote. „Mit einem solchen Ausmaß hatte niemand gerechnet, das ist bis heute traumatisch für alle Betroffenen.“ Als Umweltstaatssekretär will Pronold die Vorhersage von Unwettern verbessern und setzt sich für weniger Flächenversiegelung und die Renaturierung von Flüssen ein. Die Chancen für eine nachhaltigere Städteplanung stünden gut, glaubt auch Benning: „Die Sensibilität in der Bevölkerung ist jetzt auf jeden Fall gegeben.“



Florian Pronold
Bundestagsabgeordneter (SPD)
Wahlkreis Rottal-Inn

„Wir arbeiten daran, die Vorhersage solcher Extremwetterereignisse zu verbessern“



Text: Claus Gorgs

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