Positionen-Magazin
EU-Kom­mis­sion I

Nach­hal­tige Inves­ti­tio­nen mög­lich machen

Die Überarbeitung des Regulierungsregimes Solvency II geht in die entscheidende Phase. Im September hat die EU-Kommission ihren Richtlinienentwurf veröffentlicht.

Viele der vorgeschlagenen Änderungen am Regelwerk hätten direkte Auswirkungen auf die Kapitalanforderungen an die Versicherer. „Die genaue Ausgestaltung dieser Kapitalanforderungen ist entscheidend für lang laufende Produkte wie Lebensversicherungen“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Sollte der Gesetzgeber die Anforderungen hier überziehen, sinken die Renditechancen, Altersvorsorge würde für Kunden teurer.“ Auch warnt der GDV davor, dass dadurch Investitionen für mehr Nachhaltigkeit ausgebremst werden könnten. Zwar hat die Kommission für solche Langfristinvestitionen Erleichterungen angekündigt, diese jedoch bisher nicht konkretisiert. 

Es wird von der Ausgestaltung der Richtlinie und der weiteren Rechtstexte abhängen, ob sie auch praktikabel sind. Die Kommissionspläne sehen zudem eine stärkere Verankerung  klimabezogener Faktoren in der Risikoeinschätzung (ORSA) der Versicherer vor. „Der Entwurf öffnet die Tür für mehr Klimaschutz, mehr Nachhaltigkeit und den Beitrag der Versicherer für den Green Deal“, so Asmussen. „Eine Vorzugsbehandlung für grüne Investments ist aber aus Sicht der Finanzstabilität nicht zielführend. Grüne Investitionen sind nicht automatisch risikolos.“ Die angestrebte Vereinfachung des Regelwerks für kleinere und weniger risikoexponierte Versicherer schlägt sich im Entwurf aus Sicht des GDV noch nicht ausreichend nieder. Zwar sei es positiv, dass die Anforderungen bei Risikomanagement und Reporting automatisch überprüft und gegebenenfalls angepasst werden sollen. Die Unternehmensgröße bleibe aber das maßgebliche Kriterium, statt auf tatsächliche Risiken im Geschäftsmodell abzustellen.

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