Schutz gegen die Fol­gen von Corona

Was wir heute gegen die Pan­de­mie von mor­gen tun kön­nen

Brauchen wir öffentlich-private Partnerschaften, um Risiken von Pandemien besser absichern zu können? Diese Frage diskutierten Experten auf einer Veranstaltung des International Centre for Insurance Regulation der Frankfurter Goethe-Universität. Mit dabei: GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Seine Antwort: „Ja – und Versicherer können Teil einer Lösung sein.“

Eine Versicherung basiert grundsätzlich auf dem Risikoausgleich: Alle Versicherten sind geschützt und tragen gemeinsam die Schäden derer, bei denen sich eine Gefahr zufällig realisiert. Dieses Versicherungsprinzip aber funktioniert nicht, wenn alle gleichzeitig Hilfe brauchen. Die ökonomischen Folgen der Corona-Pandemie seien allein privatwirtschaftlich deshalb nicht versicherbar, so der Konsens aller Experten des Digital Insurance Forum. „Niemand auf der Welt erwartet, dass Versicherer alle wirtschaftlichen Folgen einer Pandemie abdecken könnten“, sagte der Experte für die Regulierung von Versicherungen, Karel van Hulle, der als Professor an der Goethe-Universität die Veranstaltung moderierte.

Klar wurde aber auch: Versicherer könnten im Rahmen von Public-Private-Partnerships eine wichtige Rolle spielen - wenn die Rahmenbedingungen stimmen. „Eine Expertengruppe der deutschen Versicherer hat Vorschläge erarbeitet, wie von Pandemien betroffene Wirtschaftszweige künftig durch ein Public Private Partnership zwischen Versicherungswirtschaft und Staat unterstützt werden könnten“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherer (GDV), Jörg Asmussen. „Das Papier liegt auf dem Tisch.“

Er verwies auf das bereits im vergangenen Jahr von einer Verbandsarbeitsgruppe vorgelegte Konzept einer mehrstufigen Pandemieabsicherung mit Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen. Auf den ersten drei Stufen würde der Versicherungsschutz über Prämien, Rückversicherungen und Kapitalmarktinstrumente wie beispielsweise Katastrophenbonds bereitgestellt, der Staat käme erst auf der vierten Stufe als weiterer Kapitalgeber hinzu. „Zunächst soll der Ansatz weiter ausgearbeitet und dann auf nationaler Ebene umgesetzt werden, die notwendige europäische Dimension könnte dann in einem zweiten Schritt folgen.“

Der Chefökonom und Leiter der Grundsatzabteilung im Bundesfinanzministerium, Jakob von Weizsäcker, zeigte sich grundsätzlich offen: „Public-Private-Partnership ist nicht per se gut oder schlecht. Es kommt auf den Einzelfall an.“ Als Positivbeispiel führte von Weizsäcker die Kooperation zwischen Staat und Warenkreditversicherern in der Corona-Krise an. Der Versicherungsschutz habe dadurch aufrechterhalten werden können, dass der Staat das Restrisiko gegen eine Beteiligung an den gezahlten Versicherungsprämien übernommen habe.

Wie belastbar das von der Versicherungswirtschaft vorgelegte Modell für eine staatlich-private Pandemieabsicherung sei, werde aktuell in einem Forschungsauftrag analysiert. Dabei müsse auch geklärt werden, unter welchen Bedingungen eine Versicherungslösung sinnvoller sein könne als die Krisenbewältigung allein durch öffentliche Mittel, die ex-post, also nach Eintritt des Schadenfalls bereitgestellt werden.

Auch Helmut Gründl, Professor an der Frankfurter Goethe-Universität und Leiter des International Centre for Insurance Regulation (ICIR), sieht die Notwendigkeit und auch das Potenzial für eine öffentlich-private Partnerschaft unter Einbeziehung des Kapitalmarkts. „Bei einer Pandemieversicherung trifft eine niedrige Eintrittswahrscheinlichkeit auf eine sehr hohe Schadenbelastung“, sagte Gründel. Auswertungen von US-Datensätzen hätten ergeben, dass die Assekuranz für eine reine Versicherungslösung prohibitiv hohe Prämien ansetzen müssten. Daher sei es erforderlich, den Staat ins Boot zu holen und auch den Kapitalmarkt einzubinden, beispielsweise über Pandemie-Bonds.

GDV-Hauptgeschäftsführer Asmussen geht davon aus, dass derartige Katastrophenanleihen auf Interesse stoßen könnten – erst recht im herrschenden Niedrigzinsumfeld. Eine Absicherung über Public-Private-Partnerships solle aber auf Terror- und Pandemierisiken beschränkt bleiben. „Cyber-Risiken und Naturkatastrophen sind auch ohne den Staat versicherbar“, so Asmussen.

Es ist nicht die Frage ob, sondern wann die nächste Pandemie nach Corona kommt

Einig waren sich die vier Teilnehmer darin, dass zügig Entscheidungen zum Schutz vor der nächsten Pandemie getroffen werden müssen. Denn es ist nicht die Frage ob, sondern wann die nächste Pandemie nach Corona kommt. Die Erfahrung zeige, dass die Bereitschaft zur Veränderung nach einer scheinbar überstanden Krise stark nachlasse, sagte van Hulle: „Das Problem ist: die Menschen vergessen sehr schnell“.

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