Wohnim­mo­bi­li­en­fi­nan­zie­rung

Lebens­ver­si­che­rer ver­ge­ben deut­lich mehr Bau­dar­le­hen

Die rekordniedrigen Zinsen beflügeln die Nachfrage nach Wohnimmobilien. Die Zahl der Baugenehmigungen ist aktuell so hoch wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Das spüren auch die Lebensversicherer, die im Finanzierungsgeschäft aktiv sind. Im vergangenen Jahr zahlten sie ein Drittel mehr Baudarlehen aus als 2014. Von Karsten Röbisch

Die starke Nachfrage nach Immobilien in Deutschland kurbelt das Hypothekengeschäft der Lebensversicherer kräftig an. Im vergangenen Jahr erteilten sie Finanzierungszusagen für Wohnimmobilien im Volumen von rund 8,9 Mrd. Euro, wie aus Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervorgeht. Das entspricht einem Zuwachs von 41 Prozent gegenüber 2014. Das Volumen der tatsächlich ausgezahlten Kredite stieg um ein Drittel auf 7,6 Mrd. Euro.

 

Die Lebensversicherer verbuchten damit ein stärkeres Wachstum als der Gesamtmarkt. Nach Berechnungen des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken (vdp) summierten sich die ausgezahlten Darlehen für den Kauf von Wohnungen und Gebäuden in Deutschland 2015 auf insgesamt 208,6 Mrd. Euro – knapp 18 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Darin erfasst sind die Kredite aller Immobilienfinanzierer – neben Lebensversicherern auch Geschäftsbanken, Sparkassen, Kreditgenossenschaften oder Bausparkassen.

Lebensversicherer besetzen eine wichtige Nische

Lebensversicherer finanzieren mit rund 90 Prozent vorwiegend Eigenheime und Eigentumswohnungen, nur ein kleiner Teil entfällt auf den Geschosswohnungsbau. Mehr als 20 Gesellschaften bieten entsprechende Baukredite an – zum Teil auch als geförderte Wohnriester-Variante. „Wegen der ausgedehnten Laufzeiten und der regelmäßigen Zinszahlungen passen Hypotheken besonders gut zum langfristigen Geschäftsmodell der Lebensversicherer“, sagt Tim Ockenga, Leiter Kapitalanlagen beim GDV. Mit den Immobilien als Sicherheit sei zugleich das Risiko begrenzt. „Das Geschäft ist jedoch sehr kleinteilig und mit einem höheren Verwaltungsaufwand verbunden“, so Ockenga.

Mit einem Marktanteil von 3,6 Prozent spielen Lebensversicherer zwar nur eine kleine Rolle. Sie besetzen aber eine sehr wichtige Nische. Anders als Banken sind sie auch in der Lage, Kredite mit sehr langen Laufzeiten von 25, 30 und mehr Jahren anzubieten. Der Grund: Während Kreditinstitute sich über kurzfristige Einlagen wie Girokonten und Termingelder refinanzieren, können Lebensversicherer die Beiträge ihrer Kunden langfristig investieren.

Lange Kreditlaufzeiten sind gerade jetzt sehr sinnvoll

Angesichts der rekordniedrigen Zinsen raten einige Verbraucherschützer gerade jetzt zu längeren Laufzeiten. So können sich Kreditnehmer die aktuell günstigen Konditionen dauerhaft sichern und meiden das Risiko steigender Zinsen bei der Anschlussfinanzierung, die bei kürzeren Laufzeiten sehr oft nötig ist.

Wie wertvoll die langfristige Planungssicherheit bei der Baufinanzierung ist, belegt eine Auswertung der Postbank aus dem Jahr 2015. Demnach dauert es in Deutschland im Schnitt knapp 26 Jahre, ehe ein Durchschnittsverdiener einen Kredit für eine 110 Quadratmeter große Eigentumswohnung abgezahlt hat. In Großstädten, in denen die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren sehr stark gestiegen sind, ist die Tilgungszeit mit 30 bis 40 Jahren sogar noch deutlich länger.

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