Kli­ma­wan­del

Extrem­wet­ter wird laut Kli­ma­for­schern Nor­ma­li­tät

Wochenlange Hitze gefolgt von heftigen Niederschlägen: So skizzieren Klimaforscher den deutschen Sommer in einer zwei Grad wärmeren Welt. Was heute noch außergewöhnlich erscheint, wird völlig normal.

Wer nach Wetterrekorden sucht, muss in der Statistik nicht weit zurückgehen. Schon die Bilanz für 2018 hält etliche parat. Es war laut Deutschem Wetterdienst nicht nur das sonnenreichste und wärmste Jahr seit Beginn der Messungen, sondern zugleich eines der trockensten. Doch trotz Dürre war es auch ein Starkregen-Rekordjahr. Fast 900 extreme Niederschläge – dreimal so viele wie im langjährigen Mittel – gab es bundesweit. Nur eine Ausnahme? Oder wird solch sprunghaftes Wetter künftig eher die Regel?

Hitzewellen und Starkregen nehmen zu

Klimaforscher aus Berlin und Potsdam geben eine eindeutige Antwort: „Hitzewellen und extreme Regenfälle werden seit Jahrzehnten immer häufiger. Dieser Trend wird sich in Zukunft durch den Klimawandel fortsetzen.“ Das ist das zentrale Ergebnis ihrer Studie, die sie jüngst in der Wissenschaftszeitschrift „Nature“ veröffentlich haben. „Wenn die globale Temperatur um zwei Grad zunimmt, wird jeder Sommer so wie 2018“, erläutert Carl-Friedrich Schleußner von der Berliner Humboldt Universität, einer der an der Studie beteiligten Forscher.

Allein der Temperaturanstieg sorge dafür, dass jeder einzelne Sommertag künftig heißer sein wird als früher. Das ist aber nicht das größte Problem: Längere Perioden mit heißen Tagen würden in Zukunft außerdem häufiger, so die Forscher. Hitzewellen oder Dürren werden um gut vier Prozent wahrscheinlicher. Noch viel stärker werden in Mitteleuropa allerdings die feuchten Tage zunehmen. „Die Wahrscheinlichkeit für Starkregen in unseren Breiten steigt im Vergleich zu heute um 26 Prozent“, so Schleußner.

Extreme Wetterperioden dauern länger an

Extremes Wetter tritt also in einer zwei Grad wärmeren Welt nicht nur öfter auf, es hält außerdem länger an. „Insgesamt erleben wir in Zukunft weniger einen schnellen Wechsel von Wetterlagen, sondern länger andauernde Phasen extremen Wetters“, erklärt der Klimaforscher. 

Eine der wichtigsten Ursachen dafür ist demnach der sich verlangsamende Jetstream auf der Nordhalbkugel. Dieser Wind wird angetrieben vom Temperaturunterschied zwischen Arktis und Äquator. Er weht das ganze Jahr mit hoher Geschwindigkeit in großen Höhen zwischen dem 40. und 60. Breitengrad  einmal um den Globus.

Da es in der Arktis aber besonders schnell wärmer wird und der Temperaturunterschied zwischen Polarregion und Tropen dadurch immer geringer wird, verliert der Jetstream an Fahrt. In der Folge werden bestimmte Wetterlagen stabiler.

Gefahr von Hochwasser und Überflutungen steigt

Für uns in Deutschland bedeutet das: Auf Hitze folgen in der Regel nicht bloß abkühlende Schauer, sondern das Wetter schlägt häufiger gänzlich um. Es folgen Tage mit erheblichen Niederschlägen – das könnten bis zu zwei Wochen sein. „Damit steigt natürlich die Gefahr von Hochwasser und Überflutungen“, warnt Schleußner. 

Vieles von den Prognosen der Forscher merken wir bereits heute: Unwetter haben im ersten Halbjahr 2019 Versicherungsschäden an Wohngebäuden und Autos von insgesamt 1,3 Milliarden Euro angerichtet – wie schon im ersten Halbjahr 2018. Was einst mal ein Rekord war, könnte also bald Normalität werden.

Text: Markus Fischer

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