Makro und Märkte kompakt
Makro und Märkte kom­pakt Nr. 26

Makro­pru­den­zi­elle Auf­sicht mit Maß

Neue Initiativen beim Ausbau der makroprudenziellen Aufsicht zielen darauf ab, den bestehenden Rahmen erheblich zu ergänzen. Das bestehende Regelwerk Solvency II beinhaltet aber bereits vielfältige Elemente, die potenziellen Stabilitätsrisiken effektiv entgegenwirken. Daher ist es wichtig, eine Überfrachtung der makroprudenziellen Aufsicht zu vermeiden und die dauerhafte Sicherung der Stabilität des Finanzsystems als übergreifende Aufgabe zu begreifen. Neben einer stabilitätsorientierten Fiskal- und Wirtschaftspolitik kommt hier insbesondere der Geldpolitik eine wichtige Rolle zu.

Der starke Ausbau der makroprudenziellen Aufsicht in den Jahren nach der globalen Finanzkrise war darauf angelegt, das Finanzsystem stabiler und widerstandsfähiger zu machen. Mithilfe solcher Maßnahmen soll verhindert werden, dass Risiken sich negativ auf weite Teile des Finanzsystems auswirken oder systemisch werden. Als wichtige Säule des Finanzsystems war hier auch die Versicherungswirtschaft von Beginn an einbezogen. Neueste Initiativen der Aufsichtsbehörden zielen nun darauf ab, den bestehenden makroprudenziellen Aufsichtsrahmen durch die Einführung weiterer Instrumente zu ergänzen. Nach einer Analyse der aktuellen Vorschläge kommt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zu folgenden Schlussfolgerungen:

  • Der bestehende Aufsichtsrahmen wirkt potenziellen Stabilitätsrisiken bereits effektiv entgegen. Eine systematische Überprüfung im Hinblick auf eventuelle Verbesserungspotenziale kann dennoch hilfreich sein.
  • Dabei sollte ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt werden, der das Zusammenwirken mit anderen Aufsichts- und Politikbereichen sowie die Rolle und die Grenzen der makroprudenziellen Aufsicht beachtet.
  • Den im Vergleich zum Bankensektor viel geringeren systemischen Risiken im Versicherungsbereich ist unter anderem durch einen aktivitätsbasierten Ansatz und die konsequente Anwendung des Proportionalitätsprinzips Rechnung zu tragen.

„Ein effektives mikroprudenzielles Aufsichtssystem ist ein zentraler Baustein auch aus makroprudenzieller Perspektive. Alle potenziellen systemischen Risiken durch die Versicherungswirtschaft werden damit bereits stark gemindert – von Ansteckungsgefahren durch ‚Fire Sales‘ über den plötzlichen Rückzug vom Angebot bestimmter Versicherungsprodukte aufgrund eines vorherigen ‚Underpricing‘ bis hin zu Cyberrisiken“, sagt GDV-Geschäftsführer und -Chefvolkswirt Klaus Wiener. Zudem könnten potenzielle systemische Risiken durch fundamentale gesellschaftliche Herausforderungen wie den demografischen Wandel, die Digitalisierung und den drohenden Klimawandel nur sehr begrenzt durch eine strengere makroprudenzielle Aufsicht bewältigt werden. Sie verlangen in erster Linie nach einer vorausschauenden und stabilitätsorientierten Geld-, Fiskal- und Wirtschaftspolitik, so Wiener.

Zur Stärkung der Finanzstabilität stünden der Politik viele Möglichkeiten offen. „Einen Beitrag würde beispielsweise die konsequente Vollendung der Europäischen Kapitalmarktunion leisten. Damit würden unter anderem die Investitionsbedingungen für institutionelle Anleger wie Versicherer grenzüberschreitend in den EU-Mitgliedstaaten verbessert, verbunden mit einer stärkeren Diversifizierung der Kapitalanlagen und einer Reduzierung von Konzentrationsrisiken“, sagt Wiener. Wichtig sei es daher, eine Überfrachtung der makroprudenziellen Aufsicht zu vermeiden und stattdessen die dauerhafte Sicherung der Stabilität des Finanzsystems als übergreifende Aufgabe und Herausforderung zu begreifen.

Eine detaillierte Analyse bietet die neue Ausgabe der GDV-Publikation „Makro und Märkte kompakt“, die hier im Download verfügbar ist.

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