GDV-Ver­si­che­rungs-Regu­lie­rungs­kon­fe­renz

Sol­vency-2-Review: Eine Chance für den nach­hal­ti­gen Umbau der Wirt­schaft

Die Reform der Spielregeln für die europäischen Versicherer geht auf die Zielgerade: Der Solvency-II-Review hat das Potenzial, das Kapital der Branche für den grünen Umbau der Wirtschaft noch stärker zu mobilisieren – wenn wichtige Voraussetzungen erfüllt sind.

Es gibt aktuell wohl kein wichtigeres regulatorisches Projekt für unsere Branche als den zeitgemäßen Umbau der Regelwerks Solvency 2. Es geht darum, die Stabilität unserer Branche zu gewährleisten und die Folgen der andauernden Niedrigzins-Phase einzupreisen. Es geht darum, Ressourcen und Freiraum für Innovationen und Wachstum zu schaffen. Vor allem geht es aber darum, das Potenzial einer der größten kapitalanlegenden Sektoren zu mobilisieren, um den nachhaltigen Umbau der Wirtschaft zu unterstützen.

Im September hat die EU-Kommission ihren Richtlinienentwurf veröffentlicht. Aktuell läuft der Gesetzgebungsprozess unter Beteiligung von EU-Parlament und EU-Rat. Die veränderten Regeln könnten ab 2024/2025 greifen. Das Timing passt, der nachhaltige Umbau der Wirtschaft läuft bereits auf Hochtouren und das Tempo wird zunehmen. Versicherer agieren schon heute als starker Partner für den Green-Deal.

Viele der vorgeschlagenen Änderungen am Regelwerk hätten direkte Auswirkungen auf die Kapitalanforderungen unserer Branche.

Machen wir uns klar: Die Solvenzlage der deutschen Versicherer ist sogar während der Corona-Krise stabil geblieben. Corona belastet zwar die Wirtschaft, hat bei den Eigenmitteln der Versicherer aber für keine größere Delle gesorgt.

Die von der europäischen Versicherungsaufsicht EIOPA im Rahmen des Solvency II-Review vorgeschlagene Änderung der Zinsextrapolation hätte die Lage jedoch deutlich verändert.

Der Entwurf der EU-Kommission jedoch öffnet die Tür für mehr Klimaschutz, mehr Nachhaltigkeit und den Beitrag der Versicherer für den Green Deal. Es wird von der Ausgestaltung der Richtlinie und der weiteren Rechtstexte abhängen, ob sie auch praktikabel sind.

Das gilt auch für die notwendige Vereinfachung des Regelwerks für Unternehmen, die weniger Risiken ausgesetzt sind als andere. Die erforderliche Vereinfachung für diese Versicherer schlägt sich im Entwurf nicht ausreichend nieder. Ja - die Anforderungen bei Risikomanagement und Reporting sollen jeweils automatisch überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Dabei bleibt aber die Unternehmensgröße das maßgebliche Kriterium, statt auf tatsächliche Risiken im Geschäftsmodell abzustellen. Hier sind weitergehende Schritte zu mehr Proportionalität nötig.

Fazit: Die Reform von Solvency 2 ist eine Chance für unseren Sektor, für die Politik, für die Gesellschaft. Nutzen wir sie!

Alle diese Fragen wollen wir heute auf der GDV Versicherungs-Regulierungskonferenz diskutieren, mit Expert*innen aus dem Europäischen Parlament, der EU-Kommission, dem Deutschen Bundestag, Praktikern aus Unternehmen, und hoffentlich auch mit Ihnen!

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