EU-Kommission arbeitet an Rahmen für Klimaresilienz
Wirtschaft und Gesellschaft müssen sich besser und schneller an den fortschreitenden Klimawandel anpassen. Die EU-Kommission arbeitet daher aktuell an einem europäischen Rahmen für Klimaresilienz und -risikomanagement, um die Mitgliedstaaten bei einer systematischen und effektiven Klimaanpassung zu unterstützen. Bei der Stärkung der Klimaresilienz spielen Versicherer als umfassende Risikopartner eine Schlüsselrolle.
Die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits heute sichtbar und spürbar. Die Überschwemmungen, Dürren und Waldbrände der vergangenen Jahre waren jedoch erst der Beginn eines langfristigen Trends. Denn im Zuge des fortschreitenden Klimawandels werden Naturgefahren noch häufiger und intensiver auftreten. Wetter- und klimabedingte Extremereignisse verursachen bereits jetzt schwere Schäden in ganz Europa. Allein die extreme Hitze hat in den letzten Jahren zu Zehntausenden vorzeitigen Todesfällen in der EU geführt, darunter schätzungsweise 24.000 im Sommer 2025. Die wirtschaftlichen Schäden an Infrastruktur und Sachwerten belaufen sich in der EU im Zeitraum von 2020 bis 2024 auf durchschnittlich rund 45 Mrd. EUR pro Jahr (Quelle: European Scientific Advisory Board on Climate Change).
Naturkatastrophen belasten große Volkswirtschaften immer stärker
Eine Analyse des Rückversicherer Munich Re kommt zu dem Ergebnis, dass Schäden von Naturkatastrophen große Volkswirtschaften immer stärker belasten. Beispielsweise ist der Anteil von Schäden am Bruttoinlandsprodukt in Deutschland von ca. 0,1 Prozent (2010 bis 2019) auf knapp 0,3 Prozent (2020 bis 2024) gestiegen. In den USA liegt der Anteil von Schäden durch Naturkatastrophen am Bruttoinlandsprodukt sogar bei 0,54 Prozent (2020 bis 2024). Der Anteil hat sich seit den 80er Jahren (0,1 Prozent für den Zeitraum von 1980 bis 1989) damit mehr als verfünffacht. Tobias Grimm, Chief Climate Scientist der Munich Re, kommt zu dem Schluss: „Es wäre sinnvoller, viel mehr Geld in Prävention zu investieren, als nach Katastrophen Milliarden in den Wiederaufbau stecken zu müssen.“
EU-Kommission entwickelt EU-Rahmen für Klimaresilienz
Prävention spielt auch eine herausragende Rolle in dem neuen EU-Rahmenwerk für Klimaresilienz, das die EU-Kommission aktuell entwickelt. Das Rahmenwerk hat das Ziel, das Risikomanagement in Europa zu stärken und die Mitgliedstaaten zu unterstützen, den zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels vorzubeugen. Die EU-Kommission hat Anfang des Jahres eine Konsultation durchgeführt und plant im nächsten Schritt eine Folgenabschätzung. Im zweiten Halbjahr 2026 soll das neue Rahmenwerk präsentiert werden.
EU-Klimabeirat macht umfassende Vorschläge für eine Stärkung der Klimaresilienz
In einem umfangreichen Bericht erklärt der wissenschaftliche EU-Klimabeirat, dass steigende Klimarisiken die Wettbewerbsfähigkeit Europas zunehmend schwächen und die öffentlichen Haushalte belasten könnten. Das wäre insbesondere der Fall, wenn es nicht gelingt den Klimawandel zu bremsen und weitreichende Anpassungsmaßnahmen ausbleiben. Der EU-Klimabeirat gibt mehrere Empfehlungen ab, um den EU-Rahmen für Klimaresilienz zu stärken:
- Verpflichtende und harmonisierte Klimarisikobewertungen in allen EU-Politikbereichen und in allen Mitgliedstaaten.
- Einführung einer gemeinsamen Referenz für die Anpassungsplanung, die mit einer globalen Erwärmung um 2,8 bis 3,3 °C bis zum Jahr 2100 vereinbar ist (Hintergrund: Europa erwärmt sich stärker als der globale Durchschnitt).
- Festlegung eines klaren Zielsystems für eine klimaresiliente EU bis 2050 und darüber hinaus.
- Mobilisierung öffentlicher und privater Investitionen in Anpassungsmaßnahmen sowie Festlegung eines kohärenten Ansatzes für die Bewältigung der Kosten der Klimaauswirkungen.
Versicherer als strategischer Partner für Klimaresilienz und -risikomanagement
Der GDV unterstützt die Entwicklung des EU-Rahmens für Klimaresilienz und -risikomanagement. Ein wichtiges Ziel der Versicherer ist es, dass Versicherungsschutz gegen Elementargefahren, wie beispielsweise Überschwemmungen infolge von Starkregen oder Hochwasser, auch in Zukunft flächendeckend verfügbar und bezahlbar bleibt. Um die Transparenz über Klimarisiken und die Anreize für Prävention zu stärken, hat der GDV mehrere konkrete Vorschläge für die Entwicklung des EU-Rahmens für Klimaresilienz eingebracht. Zu den wichtigsten Vorschlägen zählen:
- Ein EU-weiter Rechtsrahmen für die verpflichtende Offenlegung von Naturgefahrenrisiken über nationale öffentliche Gefahrenportale
- Verpflichtende Klima- und Naturgefahrengefährdungsbeurteilung bei Neubauten sowie umfassende Sanierungen und standardisierte Naturgefahrenausweise für alle Gebäude
- Förderung gesetzlicher Bauverbote in Überschwemmungsgebieten in den Mitgliedsstaaten
- Stärkung nationaler öffentlich-privater Partnerschaftsmechanismen zur Förderung von Prävention, Klimaresilienz und langfristiger Versicherbarkeit von Naturgefahrenrisiken
Um dem anhaltenden Trend steigender Klimarisiken und wirtschaftlicher Belastungen zu begegnen, ist neben umfangreicher und systematischer Klimafolgenanpassung auch weiterhin effizienter Klimaschutz notwendig, da die Möglichkeiten der Anpassung begrenzt sind.