Elementarschadenversicherung: Justizministerium kündigt Eckpunkte an
Das Bundesjustizministerium will in Kürze Eckpunkte für eine flächendeckende Elementarschadenversicherung vorlegen. Das machte Staatssekretärin Eva Schmierer beim GDV Insurance Summit in Berlin deutlich.
Eva Schmierer, Staatssekretärin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, beim Insurance Summit 2026
Der Summit, ausgerichtet im Futurium – Haus der Zukünfte, brachte Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Sicherheit, Resilienz und Verantwortung angesichts von Klimawandel und demografischem Wandel neu gedacht werden müssen.
Schmierer sagte zum Thema Sicherheit: „Sie ist ein Grundversprechen des Staates an seine Bürgerinnen und Bürger. Und dieses Grundversprechen muss eingelöst werden. Für Sie als Versicherungswirtschaft ist Sicherheit das, was Sie Ihren Kundinnen und Kunden anbieten. Und damit treffen sich unsere Aufgaben."
Beim Stichwort Resilienz erinnerte sie an die Krisen der vergangenen Jahre: „Die Pandemie, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, die geschlossene Straße von Hormus – diese Krisen lehren uns ein ums andere Mal erneut: In einer globalisierten Welt kennen Krisen keine Grenzen. Gestörte Lieferketten machen uns alle verwundbar."
Gleichzeitig sei Deutschland aber auch resilienter geworden, so Schmierer: "Wir haben aus den Krisen der vergangenen Jahre gelernt – und dazu hat auch die Versicherungswirtschaft ganz wesentlich beigetragen. Durch neue Instrumente, neue Kollektive und neue Wege der Risikoverteilung." Konkret nannte sie Betriebsunterbrechungs- und Cyberversicherungen als Belege dafür, dass die Branche am Puls der Zeit sei. Zugleich mahnte sie: „Es ist nicht die Zeit, sich zurückzulehnen. Wir brauchen neue Regeln, schneller und flexibler auf aktuelle politische, wirtschaftliche und technologische Herausforderungen zu reagieren."
Elementar: sicher, bezahlbar, akzeptiert
Dass Staat und Wirtschaft auch in Krisen wie dem Klimawandel standhielten, bringe sie schließlich zum Thema Verantwortung für Elementargefahren. In der Diskussion um eine flächendeckende Elementarschadenversicherung formulierte Schmierer die Anforderungen an ein tragfähiges Konzept klar: „Es muss erstens Sicherheit bieten, zweitens bezahlbar bleiben und drittens breit akzeptiert und aktiv unterstützt werden." Gleichzeitig appellierte sie an die Eigenverantwortung jeder und jedes einzelnen. Der Staat könne nicht allumfänglich Sicherheit für alle versprechen. Das solle er auch nicht. „Wer das vergisst, denkt nicht in Resilienz, sondern in Abhängigkeit." Derzeit sind rund 60 Prozent der Wohngebäude in Deutschland gegen Elementarschäden versichert – aus Sicht des Ministeriums eindeutig zu wenig.
Die Koalition hat sich laut Schmierer auf eine klare Linie verständigt: Im Neugeschäft sollen Wohngebäudeversicherungen künftig nur noch mit Elementarschutz angeboten werden können. Im Bestandsgeschäft geht es um die Erweiterung bestehender Verträge zu einem Stichtag, verbunden mit der Prüfung einer Opt-out-Möglichkeit. Die Position des GDV – ein ganzheitliches Konzept, wie es der Verband mit seinem Modell „Elementar Re" vorgelegt hat – lobte Schmierer ausdrücklich als klar und konstruktiv.
Mit einem klaren Bekenntnis schloss die Staatssekretärin ihre Rede: „Wie wollen wir leben? Meine knappe Antwort wäre: in einem Land, das den Bürgerinnen und Bürgern Sicherheit bietet und sie gleichzeitig nicht aus der Mitverantwortung entlässt. Und in einer Gesellschaft, die resilient ist."