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Schaden & Unfall

Klimarisiken im Griff behalten: Elementarschutz zwischen Anpassung, Prävention und Risikotransfer

Beim Elementarpanel des GDV Insurance Summit 2026 stand eine Frage im Mittelpunkt, die immer drängender wird: Wie lässt sich verhindern, dass Klimarisiken perspektivisch an die Grenzen der Versicherbarkeit stoßen?

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© GDV

Von links: Dr. Mathias Kleuker, Tobias Grimm, Prof. Dr. Holger Schüttrumpf, Carsten Müller, Dr. Manfred Sternberg & Daniela Will

Wie lässt sich verhindern, dass Klimarisiken an die Grenzen der Versicherbarkeit stoßen? Diese Frage stand im Zentrum des Panels „Elementar und Naturgefahren – Unversicherbar durch den Klimawandel? Elementarschutz zwischen Anpassung, Prävention und Risikotransfer“ beim GDV Insurance Summit 2026 im Futurium in Berlin. Vertreter aus Versicherungswirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kommunalpolitik diskutierten, wie Deutschland Naturgefahren künftig wirksamer begegnen kann. 

Ein ruhiges Schadenjahr ist keine Entwarnung 

In einem Punkt waren sich die Panelisten schnell einig. Klimarisiken sind schon lange keine abstrakte Zukunftsfrage mehr, sondern längst Teil des gesellschaftlichen Lebens. Tobias Grimm, Chief Climate Scientist bei Munich Re, ordnete 2025 als moderates Naturgefahrenjahr ein. Daraus lasse sich aber kein Trend ableiten. Der Klimawandel bleibe ein Verstärker von Extremereignissen. Starkregen, Hochwasser, Hitze und Waldbrände würden häufiger und intensiver. Entscheidend sei deshalb, Risiken geordnet zu teilen, statt Schäden erst nach der Katastrophe kurzfristig zu finanzieren. 

Auch Holger Schüttrumpf, Professor am Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft der RWTH Aachen, warnte davor, aus einem ruhigeren Jahr falsche Schlüsse zu ziehen. Entscheidend sei zugleich ein genauer Blick auf die unterschiedlichen Gefahrenlagen. Ein Starkregenereignis im Flachland, eine Sturzflut in einem engen Mittelgebirgstal oder eine Sturmflut an der Küste verlangten jeweils andere Schutzkonzepte. Eigenvorsorge könne viel bewirken, etwa bei Kellerzugängen oder Lichtschächten. Bei Wasserständen wie im Ahrtal brauche es jedoch öffentliche Schutzinfrastruktur, Retentionsräume und langfristige Investitionen. 

Riskantes Bauen bleibt ein zentraler Konfliktpunkt 

Besonders deutlich wurde der Handlungsdruck beim Blick auf das Bauen in Risikogebieten. Mathias Kleuker, Vorstandsvorsitzender der LVM Versicherung und Vorsitzender des Präsidialausschusses Risikoschutz für Gesellschaft und Wirtschaft des GDV, machte klar, dass Prävention die erste Säule jeder tragfähigen Lösung sein müsse. Wer in Hochrisikozonen weiterbaue, erhöhe das Schadenpotenzial sehenden Auges und gefährde Menschenleben. Neben klareren Regeln für Neubauten brauche es bessere Vorsorge im Bestand und mehr Transparenz über die tatsächliche Gefährdung einzelner Gebäude. Ein bundesweites Naturgefahrenportal und ein Naturgefahrenausweis könnten dafür wichtige Grundlagen schaffen. 

Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Müller sprach sich für strengere Regeln aus. Der Zuwachs an Gebäuden in gefährdeten Bereichen müsse gestoppt werden. Gleichzeitig betonte er, Risiken müssten sichtbar bleiben, Vorsorge müsse sich lohnen und Preissignale dürften nicht ausgeschaltet werden. 

Eine pauschale Pflichtversicherung nach französischem Vorbild wurde in der Runde kritisch bewertet, weil sie Präventionsanreize schwächen und die Finanzierungsfrage nicht dauerhaft lösen könne. 

Einigkeit beim Ziel, offene Fragen bei der Umsetzung 

Reibung entstand bei der Frage, wer das Bauen in Risikogebieten verhindern muss. Müller nahm dabei auch Kommunen und kommunale Spitzenverbände in die Pflicht. Manfred Sternberg, Geschäftsführer der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik in der Bundesrepublik Deutschland, widersprach einer einseitigen Verantwortung der Kommunen. Das Wasserhaushaltsgesetz enthalte bereits grundsätzliche Bauverbote in Überschwemmungsgebieten. Entscheidend seien deshalb vor allem die Ausnahmen, der Wiederaufbau nach Schäden und die schwierige Abwägung zwischen Eigentumsschutz und Entschädigungsfragen. 

Damit wurde ein zentraler Konflikt sichtbar. Über das Ziel bestand Einigkeit. Das Bauen in Hochrisikogebieten muss unterbunden werden, zumal weiterhin neue Gebäude in gefährdeten Bereichen entstehen. Schwieriger ist die Umsetzung. Wie streng können Regeln gefasst werden, wer setzt sie durch und wie geht Deutschland mit Bestandsgebäuden sowie dem Wiederaufbau nach Katastrophen um? 

Elementar Re als integrierter Ansatz 

Der GDV setzt mit Elementar Re auf einen ganzheitlichen Ansatz aus Prävention, Versicherungslösung und staatlicher Stop-Loss-Regelung für extreme Ereignisse. Risiken sollen breiter abgesichert, Beiträge bezahlbar gehalten und Anreize zur Prävention erhalten bleiben. 

Die Diskussion machte deutlich, dass Naturgefahren längst kein Randthema einzelner Regionen mehr sind. Deutschland braucht keine kurzfristige Teillösung, sondern ein tragfähiges Gesamtkonzept aus Anpassung, Prävention und Risikotransfer, um Klimarisiken auch künftig versicherbar zu halten. 

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