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Konjunktur & Märkte

Europa zwischen Optimismus und strukturellen Problemen

Die neue Ausgabe der Economics & Finance Perspectives zeigt die Herausforderungen einer globalen Wirtschaft, die zu Jahresbeginn 2026 in moderatem Tempo expandiert.

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© unsplash / Michael Schreiber

Die globale Wirtschaft expandiert zu Jahresbeginn 2026 in moderatem Tempo. Der IWF prognostiziert ein weltweites Wachstum von 3,3 Prozent, getragen von fiskalischen und geldpolitischen Impulsen in den wichtigsten Volkswirtschaften.

Solides Wachstum in den USA, aber fragile Stimmung. Nach einem starken dritten Quartal 2025 (+4,4 Prozent annualisiert) kühlte die US-Wirtschaft im Schlussquartal 2025 auf 1,4 Prozent ab, belastet durch den historisch langen Regierungs-Shutdown und schwächere Exporte. Für 2025 ergibt sich ein solides Jahreswachstum von 2,2 Prozent. Die Investitionsdynamik bleibt dank der KI-getriebenen Ausgabenoffensive der großen Technologiekonzerne robust. Die Inflation ging im Januar zwar zurück (CPI: 2,4 Prozent), liegt mit dem PCE-Index (2,9 Prozent) aber noch über dem Fed-Ziel. Der Arbeitsmarkt überraschte im Januar positiv, wobei das Wachstum stark auf den Gesundheitssektor konzentriert bleibt. Die Konsumentenstimmung bleibt trotz guter „harter“ Daten gedrückt.

Euroraum zeigt sich Widerstandsfähiger als erwartet. Das BIP wuchs 2025 um 1,5 Prozent und übertraf damit die Prognosen deutlich. Spanien (+0,8 Prozent im Q4) bleibt der Wachstumsmotor, Deutschland (+0,3 Prozent) überraschte positiv nach zwei Rezessionsjahren, Frankreich (+0,2 Prozent) bleibt Schlusslicht. Die Inflation fiel im Januar auf 1,7 Prozent und liegt damit unter dem EZB-Ziel. Die EZB hat ihren Zinssenkungszyklus vorerst pausiert- der Einlagenzins verbleibt bei 2,0 Prozent. Eine weitere Senkung bis Jahresende ist aktuell nicht zu erwarten.

Deutschland zeigt Zeichen der Erholung mit strukturellen Grenzen. Nach zwei Rezessionsjahren wuchs die deutsche Wirtschaft 2025 um 0,2 Prozent. Erste Signale einer konjunkturellen Belebung in der Industrie sind bei den Aufträgen sichtbar und der ifo-Geschäftsklimaindex für Februar zeigt eine verbesserte Stimmung. Die strukturellen Herausforderungen bleiben jedoch bestehen. Der fiskalische Impuls aus Sondervermögen und Verteidigungsausgaben dürfte laut ifo-Institut im Jahr 2026 rund 0,3 Prozentpunkte zum BIP-Wachstum beitragen. Wir rechnen für 2026 mit einem moderaten BIP-Wachstum von 0,9 Prozent (kalenderbereinigt).

Finanzmärkte: Divergenz prägt das Bild. Die Fed pausiert ihren Zinssenkungszyklus bei 3,50-3,75 Prozent, während die Märkte ab Sommer 2026 mit zwei weiteren Senkungen rechnen. Die EZB hat ihren Zinssenkungszyklus beendet und es werden keine weiteren Zinssenkungen in diesem Jahr erwartet. Wobei datenabhängige Zinsreaktionen in beide Richtungen möglich sind, falls dies erforderlich ist. Europäische Staatsanleihespreads haben sich im Jahr 2025 deutlich eingeengt, zeigen am aktuellen Rand allerdings wieder leichte Differenzierungen. Europäische Aktien übertreffen ihre US-Pendants seit Jahresbeginn, getragen von günstigen Bewertungen, fiskalischen Impulsen im Rüstungs- und Infrastrukturbereich und abschwächender Euphorie im KI-Sektor der USA.

Der Dollar bleibt trotz Stabilisierung schwach gegenüber dem Euro. Der Euro erreichte Ende Januar mit 1,20 ein Vierjahreshoch, hat seitdem auf rund 1,18 korrigiert. Die Korrektur dürfte auf auch auf revidierte Fed-Erwartungen zurückzuführen sein. Stärker als erwartete US-Arbeitsmarktdaten haben die Zinssenkungserwartungen gedämpft; Marktteilnehmer rechnen nun erst im Sommer mit einem ersten Schritt, gefolgt von nur einer weiteren Senkung im Jahr 2026. Der mittelfristige Aufwärtstrend bleibt aber intakt, sollten handelspolitische Unsicherheit, Zweifel an der Fed-Unabhängigkeit oder eine stärker als erwartete Erholung im Euroraum anhalten, könnte sich die Euro-Aufwertung sogar weiter verstärken.

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