Zur Suche
Versicherungswirtschaft

Partner der Transformation: Versicherer und Nachhaltigkeit

Der Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft ist eines der größten Projekte unserer Zeit. Dieser Wandel braucht vor allem eines: Zeit, Stabilität und Planungssicherheit. Dazu braucht es die Versicherungswirtschaft.

Lesedauer
© Aleksandar Nakic

Versicherer brauchen Langfristigkeit. Ihr Geschäftsmodell basiert darauf, Risiken über viele Jahre und Jahrzehnte abzusichern und zu kalkulieren. Sie geben Menschen und Unternehmen die Sicherheit, dass zugesagte Leistungen auch in Zukunft erbracht werden können – unabhängig von konjunkturellen Schwankungen, einem aktuellen Zeitgeist oder kurzfristigen Marktbewegungen. Diese Langfristigkeit prägt nicht nur das Versicherungsgeschäft selbst, sondern auch die Rolle der Versicherer als Investoren.

Mit Kapitalanlagen von rund 1,9 Billionen Euro gehören die Versicherer zu den größten institutionellen Investoren in Deutschland. Sie legen dieses Kapital breit gestreut und sicherheitsorientiert an, um langfristige Verpflichtungen gegenüber ihren Kundinnen und Kunden erfüllen zu können. Wer so investiert, muss auch darauf achten, ob und inwiefern Geschäftsmodelle, neue Produktionsstandorte oder Unternehmenszweige wirtschaftlich, ökologisch oder gesellschaftlich tragfähig sind. Nachhaltigkeit ist für Versicherer kein Zusatz und kein kurzfristiger Trend, sondern eine ökonomische Notwendigkeit. Es geht um Risikomanagement – die Kernkompetenz von Versicherern.

Investor und Partner

Diese Perspektive macht Versicherer zu zentralen Partnern der Transformation. Sie finanzieren den Ausbau erneuerbarer Energien, investieren in nachhaltige Infrastruktur, Netze, Gebäude und neue Technologien. Zugleich übernehmen sie die Risiken dieser Projekte. Denn Investitionen werden erst möglich, wenn Risiken abgesichert sind. Kein Windrad dreht sich, keine Solaranlage speist Strom ein, kein Infrastrukturprojekt wird realisiert, wenn Planung, Bau und Betrieb nicht versicherbar sind. Nachhaltigkeit braucht daher nicht nur Kapital, sondern auch Risikoschutz.

Nachhaltigkeit gegen systemische Risiken

Auch im eigentlichen Versicherungsgeschäft spielt Nachhaltigkeit eine wachsende Rolle. Der Klimawandel gehört zu den größten systemischen Risiken unserer Zeit. Versicherer analysieren sowohl physische Risiken wie Extremwetterereignisse als auch transitorische Risiken, die sich aus dem wirtschaftlichen Strukturwandel ergeben. Diese Erkenntnisse fließen in die Zeichnung von Risiken ein. Immer mehr Versicherer berücksichtigen Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien und definieren klar, welche Aktivitäten nicht mit einer nachhaltigen Entwicklung vereinbar sind. Gleichzeitig begleiten sie Unternehmen auf dem Weg der Transformation – durch Dialog, Anpassung und schrittweise Veränderungen.

Prävention und Anpassung

Ein weiterer zentraler Hebel nachhaltigen Handelns ist die Prävention. Schäden zu vermeiden ist nachhaltiger, als sie im Nachhinein zu reparieren. Versicherer investieren daher seit jeher in Risikoforschung, Aufklärung und Präventionsmaßnahmen – etwa im Naturgefahrenschutz, in der Verkehrssicherheit oder in der Cybersicherheit. Wo Schäden dennoch eintreten, gewinnt das Prinzip „Build Back Better“ an Bedeutung: Beim Wiederaufbau sollen Gebäude und Infrastruktur widerstandsfähiger und klimaresilienter werden als zuvor.

Die Versicherungswirtschaft wirkt oft im Hintergrund, ist aber ein entscheidender Stabilitätsanker der nachhaltigen Transformation. Sie verbindet langfristiges Kapital mit Risikoexpertise und Verantwortung über Generationen hinweg. Wer über nachhaltiges Wirtschaften spricht, muss die Versicherungswirtschaft mitdenken – als Investor, als Risikomanager und als verlässlicher Partner auf dem Weg in eine zukunftsfähige Wirtschaft.