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Regulierung

Versicherungsregulierungskonferenz: Finanzstabilitätsexperten loben Resilienz der Branche

Auf der GDV-Versicherungsregulierungskonferenz diskutierten zwei führende Vertreter der europäischen Finanzaufsicht die Finanzstabilität Europas. Ihre Botschaft: Die Resilienz ist hoch, die Risiken aber auch.

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© Christian Kruppa / GDV

(v.l.) Francesco Mazzaferro, Leiter des Sekretariats des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken und Dr. Jörg Stephan, Generaldirektor Finanzstabilität der Deutschen Bundesbank, auf dem Panel Macroprudential Supervision: Impact on Insurers

Hoch sind derzeit sowohl die Risiken als auch die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems. Das war die klare Einschätzung von Francesco Mazzaferro, Leiter des Sekretariats des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken. Wer nur auf eines von beiden schaue, so Mazzaferro, bekomme kein vollständiges Bild

Was ihn jedoch beunruhigt, ist die politische Richtung. Das regulatorische Fundament, das nach der Finanzkrise 2008 mühsam errichtet wurde, habe maßgeblich dazu beigetragen, dass Europa in einem turbulenten globalen Umfeld stabil geblieben sei. Nun aber beobachte er eine gesellschaftliche Präferenzverschiebung: Weil Krisen lange ausgeblieben sind, sei das Bewusstsein für ihre Möglichkeit geschwunden. „Natürlich gibt es in der Gesellschaft viel weniger Verlangen nach Stabilität, weil wir in der Tat keine Krise gehabt haben", sagte Mazzaferro. Ob Europa in einer so gefährlichen Welt stabil bleiben könne, wenn das Erreichte leichtfertig in Frage gestellt werde, ließ er bewusst offen.

Versicherer als Stabilitätsanker

Aus Sicht der Deutschen Bundesbank ist das Bild insgesamt beruhigend. Sowohl das Bankensystem als auch die Versicherungsbranche verfügen über erhebliche Kapitalpuffer; die Solvenzquoten der Versicherer sind hoch. Das sei kein Zufall, betonte Dr. Jörg Stephan, Generaldirektor Finanzstabilität der Deutschen Bundesbank, sondern das Ergebnis der Regulierungsarbeit der vergangenen Jahre.

Besonders hervorzuheben ist dabei die Rolle, die Versicherer in der zurückliegenden Energiekrise gespielt haben. Während viele Marktteilnehmer Vermögenswerte abstießen, kauften Versicherer gegen den Trend zu. Dieses antizyklische Verhalten wirkte stabilisierend auf die Märkte. Doch Stephan gab zu bedenken, dass diese Rolle nicht selbstverständlich ist. Unrealisierte Verluste in den Bilanzen vieler Versicherer, sogenannte Hidden Losses, könnten dazu führen, dass der Anreiz zu antizyklischem Handeln in einer künftigen Krise nachlässt. Wer Verluste im Portfolio hat, verkauft anders als jemand, der freie Hand hat. Hinzu komme ein zweites Szenario: Wenn Lebensversicherungskunden in wirtschaftlich angespannten Zeiten oder bei steigenden Zinsen ihre Verträge in großer Zahl zurückgeben wollten, stelle sich die Frage nach ausreichender Liquidität.

Geopolitik, Künstliche Intelligenz und das Rätsel Private Credit

Die größten Risikotreiber sehen beide Aufseher übereinstimmend in drei Bereichen. An erster Stelle steht die geopolitische Lage, die auf einen bereits strukturell geschwächten Unternehmenssektor trifft. Dann ist da die Digitalisierung der Finanzmärkte: Stablecoins, Kryptowährungen und der Aufstieg der Künstlichen Intelligenz verändern die Struktur der Märkte auf eine Weise, die sich kaum modellieren lässt. Mazzaferro verwies auf die Börsengänge von Anthropic, OpenAI und SpaceX mit einem Gesamtvolumen von mindestens 200 Milliarden Dollar – das entspreche in etwa dem jährlichen Bruttoinlandsprodukt Italiens. Wie die Märkte auf solche Größenordnungen reagieren, sei schlicht unbekannt.

Als dritten Faktor nannte Stephan den rasant wachsenden Markt für Private Credit und Hedgefonds, der in Europa noch überschaubar ist, dessen Verflechtungen mit dem deutschen Finanzsystem aber wächst. Das eigentliche Problem dabei sei weniger die Größe als die Intransparenz: Belastbare Daten fehlen oft, weil grenzüberschreitende Informationsaustausche rechtlich und politisch schwierig sind.

Systemaufsicht neu gedacht

Ein konzeptueller Wandel deutete sich in dem Panel ebenfalls an. Der Begriff NBFI, kurz für Non-Bank Financial Intermediaries, also alle Finanzakteure, die keine Banken sind, sei überholt, so Mazzaferro. Der ESRB werde künftig keine gesonderten NBFI-Berichte mehr veröffentlichen, sondern das Finanzsystem als Ganzes in den Blick nehmen. Risiken machten an institutionellen Grenzen nicht halt, sondern wirkten horizontal durch das gesamte System. Versicherer, Banken und Investmentfonds müssten deshalb gemeinsam analysiert werden. Ein gesamtsystemischer Top-Down-Stresstest, an dem ESRB und Bundesbank gemeinsam arbeiten, soll diesen Ansatz methodisch untermauern.

Gleichzeitig mahnte Stephan zur Geduld. Solche Instrumente entstehen nicht über Nacht. Was aber bereits heute gelte: Stabilität ist kein regulatorischer Selbstzweck, sondern ein Wettbewerbsvorteil. Der Aufbau der vergangenen Jahrzehnte habe Europa in einer fragilen Welt handlungsfähig gehalten. Daran leichtfertig zu rütteln, wäre aus Sicht beider Aufseher ein schwerwiegender Fehler.

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