Vereinfachung mit Wirkung: Europas globale Führungsrolle stärken
In einer Zeit zunehmender geopolitischer Unsicherheiten und wirtschaftlichen Drucks organisierte das Brüsseler Büro des GDV eine Veranstaltung, um zu diskutieren, wie die EU ihre Wettbewerbsfähigkeit und globale Position stärken kann, und wie europäische Versicherer weltweit führend und innovativ bleiben können.
Von links nach rechts: Florian Wimber (Leiter Europa und Internationales, GDV), Irina Buchmann (Vorständin Ressort Finanzen, AXA Deutschland), Markus Ferber (Mitglied des Europäischen Parlaments)
Im Austausch waren sich die Teilnehmenden einig, dass die EU weiterhin eine bedeutende Wirtschaftsmacht ist, nicht zuletzt dank ihres Binnenmarkts. Gleichzeitig gerät diese Position durch globale Instabilität und schwaches Wachstum zunehmend unter Druck. Vor diesem Hintergrund wurden die Stärkung des Binnenmarkts und der Abbau interner Barrieren als zentrale Prioritäten identifiziert, um Europas Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.
Die Versicherung als strategische Säule der Wirtschaft
Zudem wurde hervorgehoben, dass der Versicherungssektor eine zentrale Rolle für die europäische Wirtschaft spielt. Durch Risikoabsicherung, Investitionen und die Ermöglichung langfristiger Planung wirken Versicherer stabilisierend über Konjunkturzyklen hinweg. Diese langfristige Perspektive wird jedoch zunehmend durch eine stetig wachsende Anzahl von Vorschriften eingeschränkt.
Ein wiederkehrendes Thema der Diskussion war die kumulative Wirkung komplexer und sich überlagernder Regulierung. Auch wenn einzelne Vorschriften für sich genommen gerechtfertigt sein mögen, führt ihr Zusammenspiel zu erheblichen Belastungen – ohne klaren Mehrwert für Verbraucherinnen und Verbraucher. Besonders hervorgehoben wurden steigende Berichtspflichten und administrative Anforderungen, die Ressourcen von den Kerngeschäftsaktivitäten abziehen und letztlich die Kosten für Versicherungsnehmer erhöhen.
Im internationalen Vergleich wurde der europäische Regulierungsansatz als vergleichsweise belastend wahrgenommen. In anderen Ländern legen Aufsichtsbehörden häufig größeren Wert auf das Verständnis der zugrunde liegenden Risiken, anstatt sich stark auf umfangreiche Berichtssysteme zu stützen. Dieser Unterschied hat Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit Europas, insbesondere in einem globalen Markt, in dem Kapital und Geschäftsentscheidungen zunehmend mobil sind.
Von Vereinfachung zu echter Wirkung
Die laufenden Bemühungen zur Vereinfachung, einschließlich der Omnibus-Initiativen der Europäischen Kommission, wurden grundsätzlich begrüßt. Gleichzeitig betonten die Teilnehmenden, dass die Fortschritte bislang begrenzt sind, und Vereinfachungen in manchen Bereichen durch neue Anforderungen an anderer Stelle ersetzt wurden.
Hinsichtlich der nächsten Schritte betonten unsere Gäste die Notwendigkeit, sich auf das zu konzentrieren, was wirklich notwendig und wirksam ist. Dazu gehört, auf neue Regulierungsvorhaben ohne klaren Problemlösungsbezug zu verzichten, bestehende Regelwerke zu verschlanken und eine konsistente Aufsicht in den EU-Mitgliedstaaten sicherzustellen. Ebenso wichtig wie die Reduzierung von Vorschriften ist es, deren einheitliche Anwendung zu gewährleisten und die Zusammenarbeit der Behörden zu verbessern.
Abschließend wurde betont, dass Europas Wettbewerbsfähigkeit nicht nur von der Stärke seiner Industrien abhängt, sondern auch von den Regeln, die sie gestalten. Richtig umgesetzt kann Vereinfachung Kapazitäten für Investitionen, Innovation und Wachstum freisetzen, und Europa dabei helfen, aktuelle Herausforderungen in eine Chance für erneute globale Führungsstärke zu verwandeln.