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Regulierung

Savings and Investments Union: Wie Versicherer zum Erfolg beitragen können

Europa verfügt über ausreichend Ersparnisse. Die Herausforderung besteht darin, dieses Kapital so zu mobilisieren, dass es den Bürgerinnen und Bürgern dient, die Wirtschaft stärkt und Europas strategische Prioritäten unterstützt, darunter Infrastruktur, die grüne Transformation und die Digitalisierung. Als langfristige Investoren mit umfassender Erfahrung können Versicherer einen entscheidenden Beitrag zu diesen Zielen leisten. Auf EU-Ebene braucht es dafür gezielte Regulierung, Vereinfachung und eine stärkere Finanzbildung. Diese Themen standen im Mittelpunkt der Diskussion auf unserer Veranstaltung zur Savings and Investments Union (SIU).

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© Geoffrey Fritsch

Ein neues Verständnis für Europas Ersparnisse

Bei der SIU geht es weniger um die Einführung eines weiteren Aktionsplans als vielmehr um einen Perspektivwechsel. In Europa sind bereits erhebliche private Ersparnisse vorhanden. Die zentrale Frage ist, wie dieses Kapital eingesetzt werden kann, um Bürgerinnen und Bürgern beim Vermögensaufbau zu unterstützen und gleichzeitig Investitionen in Infrastruktur, die grüne Transformation und die Digitalisierung zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang ist der Binnenmarkt nicht nur ein wirtschaftliches Projekt, sondern auch von strategischer und geopolitischer Bedeutung. Europäische Ersparnisse sollten auch künftig in Europa investiert werden.

Statt ausschließlich auf Gesetzgebung zu setzen, verfolgt die SIU einen Ansatz aus gezielter Regulierung, Empfehlungen und praktischer Umsetzung. Vereinfachung spielt dabei eine Schlüsselrolle: unnötige Komplexität abbauen, ohne zu deregulieren, und den Fokus stärker auf Ergebnisse statt auf formale Compliance legen.

Die Rolle der Versicherer als langfristige Investoren

Versicherer sind in besonderer Weise geeignet, die Ziele der SIU zu unterstützen. Mit langfristigen Verpflichtungen, breiten Vertriebsstrukturen und umfassender Erfahrung im langfristigen Risikomanagement können sie eine Brücke zwischen den Ersparnissen der Bürgerinnen und Bürger und langfristigen Investitionen schlagen. Europas Versicherer verwalten bereits Vermögenswerte in Billionenhöhe, ein klarer Hinweis darauf, dass nicht ein Mangel an Kapital das Problem ist, sondern dessen gezielte Lenkung.

Infrastruktur, verteidigungsbezogene Fähigkeiten und die grüne Transformation wurden mehrmals als Bereiche genannt, in denen langfristige Investitionen sowohl wirtschaftlich notwendig als auch für Sparerinnen und Sparer attraktiv sind, vorausgesetzt, der regulatorische Rahmen ermöglicht geeignete Produkte.

Bürgerinnen und Bürger und Finanzbildung

Ein zentrales Merkmal der SIU ist ihr Fokus auf die Bürgerinnen und Bürger. Damit Ersparnisse verstärkt in die Kapitalmärkte fließen, braucht es Vertrauen, Verständnis und passende Instrumente. Finanzbildung spielt daher eine entscheidende Rolle – nicht nur bei der Vermittlung von Wissen über Finanzmärkte, sondern auch dabei, Menschen zu befähigen, dieses Wissen praktisch anzuwenden.

Unterschiedliche Lebensphasen erfordern unterschiedliche Lösungen. Jüngere Menschen investieren häufig kleine Beträge über lange Zeiträume, Personen mittleren Alters beginnen, Vermögen aufzubauen, während Menschen im Ruhestand vor allem an Entnahme und Einkommensstabilität denken. Kulturelle Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten prägen zusätzlich Einstellungen zu Risiko und Investitionen. Die SIU trägt dieser Vielfalt Rechnung und verzichtet auf ein Einheitsmodell zugunsten nationaler Ansätze, die lokale Präferenzen und Traditionen berücksichtigen.

Produkte, Altersvorsorge und öffentlich-private Zusammenarbeit

Spar- und Investitionskonten sollten nicht als abstrakte Konzepte verstanden werden, sondern als konkrete Produkte, die den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger entsprechen. Die Altersvorsorge ist ein zentraler Bestandteil dieser Debatte und bietet einen natürlichen Einstieg in langfristige Investitionen und Risikoteilung über die Zeit. Instrumente wie Renten-Dashboards und Tracking-Systeme können das Bewusstsein stärken und die Beteiligung erhöhen, insbesondere bei jüngeren Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Vereinfachung ohne Fragmentierung

Vereinfachung wurde als gemeinsame Priorität, aber auch als gemeinsame Verantwortung identifiziert. Ihr Erfolg erfordert nicht nur regulatorische Zurückhaltung, sondern auch Veränderungen bei Umsetzung, Aufsicht und Marktpraktiken. Gleichzeitig besteht ein klares Bekenntnis dazu, die Integrität des Binnenmarkts zu wahren und regulatorische Fragmentierung zu vermeiden, die grenzüberschreitende Aktivitäten erschweren würde.

Fazit

Die Diskussion machte deutlich: Ein starkes Europa braucht einen starken Finanzsektor, der den Bürgerinnen und Bürgern dient und zugleich strategische Investitionen unterstützt. Die Savings and Investments Union bietet einen Rahmen, um diese Ziele miteinander zu verbinden, vorausgesetzt, sie bleibt auf Vertrauen, Vereinfachung und die tatsächlichen Bedürfnisse der europäischen Verbraucherinnen und Verbraucher ausgerichtet. 

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