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Regulierung

TransVer Day: Beim Klimaschutz Kurs halten

Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, hat auf dem TransVer Day des GDV die Versicherer ermutigt, an ihrem Nachhaltigkeitskurs festzuhalten. GDV-Präsident Norbert Rollinger bekräftigte das Bekenntnis der Branche zu den Klimazielen.

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© Christian Kruppa / GDV

Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium: Bei der Klimaanpassung müsse Prävention die oberste Maxime sein. 

Der TransVer Day, der Nachhaltigkeitstag der Versicherer, fand am 15. Oktober im Berliner Futurium, dem Haus der Zukünfte, statt. Dort hatte die Veranstaltungsreihe 2020 auch ihre Premiere.

Rita Schwarzelühr-Sutter sieht die Versicherer als Partner auf dem Weg zu mehr Klimaschutz. Die Branche habe früh erkannt, worauf es ankomme, und sich bereits vor fünf Jahren eine eigene Roadmap für mehr Nachhaltigkeit gegeben. Dass der TransVer Day nun auf diese Roadmap zurückblicke, sei wichtig. Denn ein Rückblick zeige auch, wo man auf dem Weg zu den Zielen noch besser und schneller werden könne. Wie dringend das ist, habe der vergangene Hitzesommer gezeigt: Der Klimawandel habe konkrete Folgen für Menschen, Unternehmen und Kommunen. Eine Stärke der Versicherer sieht die Staatssekretärin darin, Zukunftsprognosen mit kühlem Kopf und spitzem Bleistift in konkrete Zahlen zu übersetzen. Genau das brauche auch ein wirksamer Klimaschutz. Wer die Lage wirklich gut verstehen wolle, müsse die Folgekosten nüchtern kalkulieren. Das bringe mehr, als abstrakte Meldungen über steigende Durchschnittstemperaturen hinzunehmen, ohne die Folgen wirklich abschätzen zu können. Der Klimawandel sei deshalb keine Ideologie, sondern ein Risiko, mit dem Gesellschaft und Wirtschaft umgehen müssten. Ihr Appell an die Branche: „Halten Sie Kurs.“

Klimaschutz als Wachstumschance

Nachhaltigkeit stehe derzeit in der Kritik und gelte vielen als Belastung, sogar als Gegenspieler für Wettbewerbsfähigkeit. Schwarzelühr-Sutter hielt dagegen: Die Green Economy sei in den vergangenen zehn Jahren ein zentraler Wachstumstreiber gewesen und beschäftige in Deutschland inzwischen mehr Menschen als die Automobilindustrie. Dieses Potenzial müsse gehoben werden, ob bei erneuerbaren Energien, beim Wasserstoffhochlauf oder in der Kreislaufwirtschaft. Die Konkurrenz aus China schlafe nicht.

Klimaziele jetzt aufzuweichen, gefährde zudem bereits getätigte Investitionen. Als Beispiel führte sie die erfolgreiche Dekarbonisierung der Stahlindustrie an. Auch die Bundesregierung halte am Green Deal als verlässlichem Rahmen fest. Zugleich räumte sie aber auch ein, dass in kurzer Zeit viel Regulierung entstanden sei. Gemeinsam mit der EU-Kommission arbeite man daran, Inkohärenzen zu beseitigen und unnötige Bürokratie abzubauen. Auch den europäischen Binnenmarkt sieht sie als Chance: Europas wirtschaftliche Größe könne stärker genutzt werden, um Risiken gemeinsam tragbar zu machen und Vorsorge zu belohnen.

Prävention vor Absicherung

Bei der Klimaanpassung müsse Prävention die oberste Maxime sein. Schäden zu versichern sei wichtig, sie gar nicht erst entstehen zu lassen aber noch wichtiger. Prävention müsse zur Standardlösung werden, in der Stadtplanung, beim Bauen, bei Infrastrukturinvestitionen und in der Versicherung. Den Leitfaden der Versicherer zum klimaangepassten Wiederaufbau („Build Back Better“) nannte sie eine gute Grundlage, die die Branche weiter vertiefen solle. Nur im Doppelpack aus Klimaschutz und Klimaanpassung bleibe die Volkswirtschaft versicherbar.

Langfristiges Kapital für die Transformation

Als Investoren mit langem Anlagehorizont seien Versicherer prädestiniert, in Generationenaufgaben wie die Modernisierung der Infrastruktur zu investieren. Dazu zählt die Staatssekretärin auch natürliche Infrastruktur, etwa wiedervernässte Moore. Das Kapital sei vorhanden, es fehlten Projekte und Rahmenbedingungen, damit sich Investitionen in die Transformation auszahlen. Darüber will das Ministerium noch in diesem Jahr gemeinsam mit dem Bundesfinanzministerium im Praxisbeirat Sustainable Finance beraten. Den GDV lud sie ausdrücklich ein, sich daran zu beteiligen.

Rollinger: „Wir brauchen mehr Wirkung“

GDV-Präsident Norbert Rollinger stellte zur Eröffnung klar, dass die Versicherer an den Klimazielen festhalten. Die vergleichsweise niedrigen versicherten Naturgefahrenschäden von rund 2 Milliarden Euro im Jahr 2025 seien „nur eine Atempause, keine Entwarnung“. Klimaschutz und Klimaanpassung seien keine Alternativen. 

Bewährt habe sich der Emissionshandel, ein verlässlicher CO₂-Preis gebe Unternehmen Planungssicherheit. Den Nachhaltigkeits-Omnibus der EU begrüßte Rollinger: Berichtspflichten seien kein Selbstzweck, sondern müssten fokussiert und aussagekräftig sein. Kritisch sieht er die Umsetzung der EmpCo, der EU-Richtlinie gegen Greenwashing. Die neuen Regeln dürften nicht dazu führen, dass Unternehmen aus Sorge vor rechtlichen Risiken gar nicht mehr über ihre Klimaziele sprechen. „Wir brauchen nicht weniger Ambition, wir brauchen mehr Wirkung“, sagte Rollinger.

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