Nachhaltigkeitsbericht 2026: CO₂-Fußabdruck der Kapitalanlagen sinkt weiter
Der CO₂-Fußabdruck der Kapitalanlagen deutscher Versicherer ist erneut zurückgegangen. Das zeigt der Nachhaltigkeitsbericht 2026 des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), den der Verband heute auf dem TransVer Day in Berlin vorstellt. Im Jahr 2025 lag der Wert bei 44 Tonnen CO₂ je investierter Million Euro, nach 47 Tonnen im Vorjahr und 61 Tonnen im Jahr 2023.
Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV, sagt: „Der CO₂-Fußabdruck unserer Kapitalanlagen ist innerhalb von zwei Jahren um fast 28 Prozent gesunken. Das zeigt, dass die Portfolios sich verändern. Insgesamt haben Nachhaltigkeit und Klimaschutz leider politisch an Bedeutung verloren, obwohl die Fakten eine klare Sprache sprechen. Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels wird vielerorts schneller zur dringenden Aufgabe, als lange angenommen wurde. Eine zögerliche Klimapolitik können wir uns nicht mehr leisten.“
Grundlage der Erhebung des GDVs zum CO₂-Fußabdruck sind Kapitalanlagen in Höhe von 363,3 Milliarden Euro. An der Umfrage zum Nachhaltigkeitsbericht haben Erstversicherer teilgenommen, die zusammen 72 Prozent der Bruttobeitragseinnahmen abdecken.
Gleichzeitig investieren Versicherer verstärkt in Wind- und Solaranlagen. Die Zahl der finanzierten Projekte ist auf 1.691 gestiegen (Vorjahr: 1.391). Der daraus anteilig erzeugte Strom stieg auf rund 24,3 Milliarden Kilowattstunden. Das entspricht etwa 18 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs der deutschen Privathaushalte. Mit Kapitalanlagen von rund 1,9 Billionen Euro ist die Versicherungswirtschaft der größte institutionelle Investor in Deutschland.
TransVer-Preis geht an Wasser 3.0
Auf dem TransVer Day, dem jährlichen Nachhaltigkeitstag der Versicherer, wird auch der TransVer-Preis verliehen. Er geht 2026 an die Wasser 3.0 gGmbH für das Projekt „Donau 2850“. Die Initiative entwickelt innovative Methoden, um Mikroplastik in Flüssen zu messen und zu beseitigen. Sie zeigt damit ganz praktisch, wie Innovationsbereitschaft und persönlicher Einsatz zu Fortschritten beim Umweltschutz führen. „Mikroplastik ist eine ernste Herausforderung für Mensch und Umwelt. Das Team von Wasser 3.0 macht ein Problem sichtbar, das man mit bloßem Auge kaum erkennt, und arbeitet zugleich daran, es zu beseitigen. Genau diese Verbindung aus Innovation und persönlichem Engagement zeichnen wir aus“, sagt Asmussen.
Auswirkungen des Klimawandels werden immer deutlicher sichtbar
Der diesjährige Nachhaltigkeitsbericht des GDV erscheint in einem Jahr, in dem Hitze und Dürre zu schweren Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft geführt haben.
Nach Auswertungen des EU-Erdbeobachtungssystems Copernicus erlebten im Jahr 2026 rund 900 Millionen Menschen in 33 Ländern den heißesten Juli seit Beginn der Aufzeichnungen. Viele Regionen Europas litten unter Dürre, Waldbränden und Niedrigwasser, noch im Oktober führt der Rhein so wenig Wasser, dass der Transport stark eingeschränkt ist. Für Deutschland schätzen Institutionen wie EZB, KfW und IfW, dass Hitze und niedrige Flusspegel das Wirtschaftswachstum 2026 um 0,1 bis 0,4 Prozentpunkte schmälern.
Gleichzeitig sieht der GDV auch ermutigende Entwicklungen: Die EU-Mitgliedstaaten haben sich auf ein Klimaziel für das Jahr 2040 verständigt. Der weltweite Anstieg des Energiebedarfs wurde 2025 vollständig durch den Ausbau erneuerbarer Energien gedeckt. Und auch die Versicherer halten weit überwiegend an ihrer Strategie fest: Bei etwa 80 Prozent sind Nachhaltigkeitsambitionen und Prioritäten unverändert. Das hat eine Umfrage des GDV unter Erstversicherern, die zusammen 72 Prozent der Bruttobeitragseinnahmen abdecken, ergeben.