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Rente & Vorsorge

Zukunftsforscher setzt bei Altersvorsorge auf Sicherheit und Flexibilität

Bei der Gestaltung der Alterssicherung sollte auf zentrale Megatrends der Gesellschaft reagiert werden, sagte Daniel Dettling vom Frankfurter Zukunftsinstitut beim Insurance Summit des GDV in Berlin. Entscheidend sei eine Balance aus Flexibilität und Sicherheit.

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© Christian Kruppa / GDV

Zukunftsforscher Daniel Dettling beim Insurance Summit des GDV. 

Der demografische Wandel setzt das Rentensystem zunehmend unter Druck. Bis 2039 erreichen rund 13,4 Millionen Erwerbstätige das gesetzliche Renteneintrittsalter von 67 Jahren. Knapp ein Drittel der heutigen Erwerbstätigen wird aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden. Eine von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission soll bis Juni 2026 Vorschläge liefern, wie das Rentensystem angesichts dieser Herausforderungen zukunftsfest aufgestellt werden kann. Auch der GDV bringt sich in die Debatte ein.  

Zukunftsforschung: Krisen können zu Chancen werden  

Aus Perspektive des Zukunftsforschers Dettling kommt es darauf an, Krisen, wie die der Alterssicherung in Chancen umzuwandeln. Grundsätzlich sei unsere Gegenwart von Omnikrisen geprägt. Das sind viele Krisen, die miteinander vernetzt sind und in Wechselwirkung zueinanderstehen. Beispielsweise Kriege oder Pandemien. Diese Entwicklungen würden die Menschen verunsichern und sich auf das Vertrauen in Politik und Demokratie auswirken. Für zwei Drittel der 16–24-Jährigen ist Altersarmut die größte materielle Sorge. Bei den jungen Frauen sind es sogar drei Viertel.  

Drei Megatrends für eine gute Zukunft der Altersvorsorge  

Damit für die Krise der Alterssicherung produktive Antworten und Lösungen gefunden werden können, müssten laut Dettling drei Megatrends berücksichtigt werden. Als Erstes nennt er die Individualisierung der Gesellschaft. Gemeint ist ein umfassender Wertewandel. Die Gesellschaft werde bunter, breiter, heterogener und sei zunehmend geprägt von verschiedenen Biografien. Die Arbeitsgesellschaft werde robuster, komplexer und produktiver. Werte, wie Sinn, Selbstverwirklichung, Gemeinsamkeit und Zusammenhalt werden zunehmend wichtiger als Geld. Auch der Megatrend Gesundheit mit seiner wachsenden Bedeutung an Themen, wie Vitalität, Authentizität, Longevity, Lebensbalance und Selbstwirksamkeit müsse beachtet werden. Genauso wie der dritte Megatrend, den Dettling unter dem Begriff “Silver Society” zusammenfasst. Gemeint ist eine wachsende Anzahl älterer Menschen, die länger fit sind.  

Altersvorsorge der Zukunft baut auf mindestens drei Säulen  

Aus den drei Megatrends leitet Dettling zwei Aspekte ab, die aus seiner Sicht zentral für die Sozialsysteme der Zukunft sind: Flexibilität und Sicherheit in Balance. Dettling führt hier den Begriff Flexicurity ein, bestehend aus den englischen Wörtern Flexibility (Flexibilität) und Security (Sicherheit). Es handelt sich dabei um ein arbeitsmarktpolitisches Konzept aus den Niederlanden und Dänemark, das Dettling auf die Altersvorsorge überträgt. Für Flexicurity in der Alterssicherung brauche es weiterhin mindestens drei Säulen: Eine generöse Basissicherung, die Gleichheit und Gerechtigkeit schaffe. Ein Obligatorium, in der betrieblichen und privaten Altersvorsorge sowie eine breite Palette an zusätzlichen Absicherungsoptionen.  

Die Perspektive des GDV: Alterssicherung braucht starke Zusatzvorsorge  

Auch der GDV setzt sich für den Erhalt des Drei-Säulen-Systems ein, bestehend aus gesetzlicher Rente, betrieblicher Altersversorgung und privater Altersvorsorge. Jede Säule des Rentensystems hat individuelle Stärken, die aus Sicht des GDV in den Blick genommen und weiterentwickelt werden müssen. Einen wichtigen Hebel sieht der GDV insbesondere in der betrieblichen Altersversorgung. Hier kommt es auf eine bessere Verbreitung an. Betriebsrenten sind an den Arbeitsplatz gebunden, werden in der Regel vom Arbeitgeber mitfinanziert und profitieren von steuerlicher Förderung. Für eine bessere Verbreitung braucht es aus GDV-Sicht mehr Verbindlichkeit. Die private Altersvorsorge hingegen sollte weiterhin auf Freiwilligkeit bauen. Ihre Stärke ist es, individuelle Vorsorgelücken zu schließen.  

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