Vom Risiko zur Resilienz: Stärkung der Klimavorsorge in Europa
Da Klimarisiken immer häufiger auftreten, schwerwiegender werden und sich zunehmend nicht mehr ignorieren lassen, organisierte GDV Brüssel ein Frühstücksgespräch zur Stärkung der Klimaresilienz und des Schutzes vor Naturkatastrophen in Europa. Für die deutsche Versicherungswirtschaft ist Klimaresilienz eine zentrale Priorität. Die Veranstaltung brachte politische Entscheidungsträger und Branchenvertreter zusammen, um zu erörtern, wie ein zukünftiger europäischer Rahmen Klimaanpassung und Klimaschutz in Einklang bringen kann.
Sprecher, von links nach rechts: Florian Wimber (GDV), Kurt Vandenberghe (Europäische Kommission), und Sibylle Steimen (Allianz Re)
Die Diskussion konzentrierte sich auf die wachsende Dringlichkeit von Prävention und Anpassung. Die Redner betonten, dass der Klimawandel an sich kein neues Phänomen ist und auch der Klimaschutz als politisches Ziel nicht neu ist. Verändert hat sich jedoch die Beweislage, die sichtbaren Auswirkungen in ganz Europa sowie die zunehmende Erkenntnis, dass die bestehenden Systeme auf die kommenden Herausforderungen nicht ausreichend vorbereitet sind.
Von der Anpassung zur Vorsorge
Ein zentrales Thema der Diskussion war der Wandel in der Denkweise, der in den vergangenen Jahren stattgefunden hat. Lange Zeit konzentrierten sich Klimadebatten vor allem auf den Klimaschutz. Heute wird zwar weiterhin anerkannt, dass Klimaschutz unverzichtbar ist, zugleich wächst jedoch die Einsicht, dass Anpassung nicht länger als nachrangig betrachtet werden kann. Europa muss sich nicht nur auf das Klima vorbereiten, das es zu vermeiden versucht, sondern auch auf das Klima, das bereits Realität wird. Dürren, Überschwemmungen und andere Extremereignisse werden zunehmend zur neuen Normalität in Europa – mit Folgen für die öffentliche Gesundheit, die Infrastruktur, Unternehmen und private Haushalte gleichermaßen.
Vor diesem Hintergrund wurde der bevorstehende europäische Rahmen für Klimaresilienz als wichtige Chance dargestellt, die Vorsorge zu stärken und das Risikomanagement zu verbessern. Unsere Redner betonten, dass Resilienz nicht nur als Reaktion auf Katastrophen verstanden werden sollte, sondern als Fähigkeit, Risiken frühzeitig zu erkennen, Verwundbarkeiten zu verringern und langfristiges Denken in aktuelle Entscheidungen zu integrieren.
Versicherungen als aktiver Partner der Resilienz
Die Diskussion hob auch die sich wandelnde Rolle des Versicherungssektors hervor. Versicherer und Rückversicherer stehen bereits an vorderster Front bei der Erhebung von Klimadaten und haben ihre Expertise in den letzten Jahren erheblich ausgebaut. Indem sie dazu beitragen, Risiken zu identifizieren, zu bewerten und zu bepreisen, kann der Sektor eine Schlüsselrolle dabei spielen, das Bewusstsein zu stärken, die Vorsorge zu verbessern und fundiertere Entscheidungen zu ermöglichen. Digitale Instrumente, verbesserte Risikomodelle und stärker maßgeschneiderte Versicherungslösungen wurden als Möglichkeiten genannt, um Haushalte, Unternehmen und öffentliche Stellen bei der Anpassung an ein sich wandelndes Klima zu unterstützen.
Gleichzeitig machten die Teilnehmer deutlich, dass Versicherungen die Herausforderungen nicht allein bewältigen können. Um die Schutzlücke zu schließen, bedarf es einer engeren Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Akteuren. Während Versicherer zur Sensibilisierung für Risiken beitragen und Anreize für Anpassungsmaßnahmen setzen können, sind staatliche Stellen insbesondere bei Infrastruktur, Hochwasserschutz, Bauvorschriften und langfristiger Planung unverzichtbar. Verantwortung für Risiken und entsprechende Rechenschaftspflichten müssen daher auf allen Ebenen gestärkt werden – lokal, regional, national und europäisch.
Vom Bewusstsein zum Handeln
Eine wiederkehrende Botschaft der Diskussion war, dass Resilienz nicht nur von technischen Lösungen abhängt, sondern auch von Bewusstsein und guter Steuerung. Allzu oft unterschätzen Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen weiterhin ihre Anfälligkeit gegenüber Klimarisiken oder verschieben präventive Maßnahmen. Daher wird es entscheidend sein, Daten und Risikoinformationen zugänglicher zu machen und stärker auf alltägliche Entscheidungen auszurichten.
Die Teilnehmenden betonten zudem, dass Klimaresilienz nicht nur als Schutzmaßnahme verstanden werden sollte, sondern als Investition in die Zukunft Europas. Ein stärkerer Rahmen für Vorsorge kann dazu beitragen, künftige Schäden zu reduzieren, Innovationen zu fördern und Investitionen in Lösungen zu mobilisieren, die unsere Gesellschaften widerstandsfähiger machen. Richtig umgesetzt würde dies nicht nur den Schutz vor Naturkatastrophen verbessern, sondern auch die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Europas in einem sich wandelnden Klima stärken.