Zwischen Klimakrise und Cyberangriff: Europas Wohlstand muss neu abgesichert werden
Europas Risikolandschaft verändert sich rasant: Klimawandel, Cyberbedrohungen und demografischer Wandel erhöhen den Druck auf Politik und Wirtschaft. Die deutsche Versicherungswirtschaft fordert deshalb, Resilienz zum zentralen Leitprinzip der EU zu machen.
Wenn Stürme ganze Landstriche verwüsten oder Hacker Produktionsketten lahmlegen, sichern Versicherer mehr als nur Schäden ab. Sie stabilisieren Europas Wohlstand. Allein im Jahr 2024 zahlte die Branche in der Sach- und Unfallversicherung über 68 Milliarden Euro aus. „Das sind rund 130 000 Euro pro Minute“ so Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Gleichzeitig flossen über 100 Milliarden Euro aus Lebens- und Rentenversicherungen an Bürgerinnen und Bürger. Hinter diesen Summen steht ein wichtiges Rückgrat der europäischen Wirtschaft.
Mit ihrer neuen Broschüre „Prepare. Protect. Prosper.“ zeichnet die deutsche Versicherungswirtschaft ein klares Bild: Europas Risikolandschaft verändert sich rasant. „Vom Klimawandel über Cyberbedrohungen bis hin zum demografischen Wandel: Resilienz muss zu einem zentralen Prinzip der EU-Politik werden“, so Asmussen. Und er warnt: „Einfach nur auf Krisen zu reagieren, reicht nicht mehr aus.“
Europa muss vorausschauender handeln
Zwischen Risikoerkenntnis und politischem Handeln klafft eine gefährliche Lücke. Zwar gibt es auf EU-Ebene zahlreiche Strategien, doch häufig bleiben sie in der Umsetzung stecken. Die Schäden durch Extremwetter haben sich in den vergangenen Jahrzehnten vervielfacht. Sie stiegen von rund 8,6 Milliarden Euro jährlich in den 1980er Jahren auf mehr als 40 Milliarden Euro heute.
Die Versicherer fordern daher, Resilienz neu zu denken: nicht als Reaktion, sondern als Prinzip vorausschauender Politik. „Resilienz heißt, Prävention endlich zur Regel zu machen“, betont Asmussen.
Versicherer als wichtige Akteure
Versicherer verstehen sich nicht nur als Schadenszahler, sondern als Gestalter von Widerstandskraft. Ihr Wissen über Risiken, ihre Finanzkraft und ihre langfristigen Investitionen machen sie zu systemrelevanten Partnern in der europäischen Resilienzpolitik.
Beim Klimaschutz etwa liefern hochauflösende Gefahrenkarten die Grundlage, um Baugebiete sicherer zu planen und Schäden zu vermeiden. Im digitalen Raum helfen Versicherer Unternehmen, Cyberrisiken zu analysieren, Prävention aufzubauen und Angriffe abzuwehren. Gerade für kleine und mittlere Betriebe ist das ein entscheidender Schutzschirm.
Strukturelles Risiko durch alternde Bevölkerung
Neben akuten Bedrohungen wächst ein schleichendes Risiko: der demografische Wandel. Immer weniger Erwerbstätige müssen immer mehr Rentner finanzieren. Das ist eine Belastung, die Europas soziale Stabilität langfristig gefährden kann.
Kapitalmarktorientierte Altersvorsorgeprodukte können Versorgungslücken schließen und Generationengerechtigkeit sichern. „Versicherer geben Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, finanzielle und persönliche Risiken besser zu steuern und das über ein ganzes Leben hinweg“, so Asmussen.
Milliarden für Stabilität und Zukunft
Mit rund 1,9 Billionen Euro Kapitalanlagen und jährlichen Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe, unter anderem in Infrastruktur und erneuerbare Energien, wirkt die Branche als Stabilitätsanker. Diese langfristigen Engagements schaffen Wachstum und stärken Europas ökonomische Widerstandskraft.
Resilienz als politischer Auftrag
Der Appell der Versicherungswirtschaft ist deutlich: Resilienz darf kein Schlagwort bleiben. Sie muss zu einer Leitlinie europäischer Politik werden, mit klaren Regeln, verbindlichen Maßnahmen und einer stärkeren Einbindung privater Akteure.
Denn Europas Wohlstand wird sich künftig nicht daran messen lassen, wie schnell Schäden behoben werden, sondern daran, wie klug sie vermieden werden.