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Dossier Wetterextreme (© gettyimages / Darren Bennett)

Dossier: Wetterextreme

Im Verlauf des Sommers 2026 wurde Europa von extremen Wetterereignissen getroffen. Große Teile des Kontinents litten unter anhaltender Hitze und Dürre, die vor allem im Süden des Kontinents zu zahlreichen Waldbränden führten. Das Extremwetter hat Menschenleben gekostet und enorme Sachschäden verursacht. Wie stellt sich die Lage in Europa dar und wie blickt die Versicherungswirtschaft auf extreme Hitze?

01.09.2026
Lage und Entwicklungen

Extremsommer: Rekordhitze und Flammen Link kopieren

In den Sommermonaten war Europa bereits in den vergangenen Jahren immer wieder von Hitze- und Dürreperioden sowie von Waldbränden betroffen. Doch im Sommer 2026 zeigt sich das Extremwetter mit einer besonderen Intensität. Laut Copernicus dem Klimabeobachtungsprogramm der Europäischen Union (EU), war der Juni 2026 der heißeste jemals aufgezeichnete Juni in Westeuropa und der zweitwärmste weltweit. Die Durchschnittstemperatur in der Region, zu der auch Deutschland gehört, lag in dem Zeitraum bei 21,62 Grad Celsius – und damit 2,79 Grad über dem langjährigen Referenzwert von 1991 bis 2020. Hinzu kam in den Monaten Juni und Juli eine extreme Trockenheit in vielen Regionen Europas.   

Besonders betroffen von der Hitze und Dürre war der Südwesten des Kontinents. Auf der iberischen Halbinsel sowie in Frankreich kam es in mehreren Regionen zu großflächigen Waldbränden. Auch in Griechenland und Italien entwickelten sich intensive Vegetationsbrände. Daten des European Forest Fires Information System (EFFIS) zufolge verbrannten in der Europäischen Union (EU) zwischen Anfang Januar und dem 11. August 2026 insgesamt 552.437 Hektar. Damit liegt die Fläche weit über dem langjährigen Durchschnitt von 197.347 Hektar. In vielen Teilen West- und Südeuropas besteht darüber hinaus auch im August und September weiterhin ein hohes Waldbrandrisiko. 

Die durch dieses Extremwetter entstandenen Schäden sind immens. In ganz Europa mussten Hunderttausende Menschen aufgrund der Waldbrände evakuiert werden, es gab mehrere Tote und zahlreiche Verletzte unter den Einsatzkräften. Auch die Bilanz der Sachschäden ist verheerend: Privathäuser, Wirtschafts- und Agrarbetriebe sowie Infrastruktur wurden durch die Flammen vernichtet. Eine belastbare EU-weite Schätzung der Schadenssumme liegt noch nicht vor. 

Auch abseits der Waldbrände geht die Hitze in Europa mit Risiken einher. Besonders gefährdet sind Menschen mit bereits bestehenden Vorerkrankungen wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungen- oder Nierenerkrankungen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) schätzt, dass es in Deutschland bis Mitte August 2026 rund 15.800 hitzebedingte Sterbefälle gegeben hat – mehr als in jedem einzelnen Gesamtjahr seit 2016. Allein für die hitzeintensive Woche zwischen dem 22. und 28. Juni geht das RKI von 9.600 Hitzetoten aus.

Faktencheck aus der Wissenschaft

Klimawandel als Brandbeschleuniger Link kopieren

Wissenschaftlich ist belegt, dass der Klimawandel Entwicklungen wie Dürre und eine erhöhte Waldbrandgefahr begünstigt. Eine Studie internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Sarah Kew vom niederländischen Koninklijk Nederlands Meteorologisch Instituut (KNMI) kommt zu dem Ergebnis, dass der menschengemachte Klimawandel deutlich zur Wahrscheinlichkeit und Intensität der europäischen Dürre 2026 beigetragen hat. Entscheidend sei hier vor allem eine höhere Verdunstung infolge steigender Temperaturen. 

Eine weitere Analyse der wissenschaftlichen Initiative World Weather Attribution (WWA) zeigt, dass der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit des Zusammentreffens mehrerer Faktoren erhöht, die wiederum schwere Waldbrände in Frankreich und Spanien bedingen können. Dazu gehört eine Kombination aus nassen, milden Wintern, die das Pflanzenwachstum begünstigen sowie langanhaltenden Trockenperioden im Frühjahr, in denen die Vegetation austrocknet und sich zu Zunder für Brände in heißen Sommern entwickelt. 

Solch intensive Waldbrände wie in Südwesteuropa treten in Deutschland aktuell nicht auf. „Allerdings kann mit fortschreitender Klimaerwärmung und damit einhergehenden noch stärkeren Hitze- und Dürrephasen für die Zukunft auch nicht ausgeschlossen werden, dass es auch in Deutschland zu derartig heftigen Waldbränden kommt“, sagt Klimaforscher Robert Wagner vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS). 

Europäische Reaktion

Katastrophenschutz über Grenzen hinweg Link kopieren

Die Waldbrände im Sommer 2026 sind gemeinschaftlich von der Europäischen Union bekämpft worden. Die französische Regierung hat den EU-Katastrophenschutzmechanismus CPM (Civil Protection Mechanism) aktiviert und Unterstützung aus anderen europäischen Staaten angefordert. Mit ihrem Emergency Response Coordination Centre (ERCC) in Brüssel koordiniert die EU rund um die Uhr Hilfegesuche und Unterstützungsangebote der Mitgliedsstaaten und organisiert Notfallmaßnahmen. Auch zehn Länder außerhalb der Staatengemeinschaft, darunter Norwegen, die Türkei und mehrere Balkanstaaten, beteiligen sich an dem Katastrophenschutzmechanismus. 

So schickte das ERCC im Juni und Juli beispielsweise Löschflugzeuge und Hubschrauber aus Deutschland, Portugal, Kroatien, Tschechien, Schweden, Slowakei und der Türkei nach Frankreich. Die Brandbekämpfung in Spanien unterstützten derweil Löschflugzeuge aus Griechenland, Italien und der Türkei.  

Darüber hinaus verfügt die EU mit dem Programm rescEU über eine gemeinsame strategische Reserve zur Katastrophenbewältigung. Für den Sommer 2026 hatte das Programm bereits vorab 777 Feuerwehrleute aus 14 Ländern in waldbrandgefährdeten Regionen in Südeuropa stationiert. Zudem stehen 22 Flugzeuge und fünf Hubschrauber für Löscharbeiten in den Mitgliedsstaaten zur Verfügung. Das EU-Klimabeobachtungsprogramm Copernicus unterstützt die Bemühungen zusätzlich durch hochauflösende Satellitenaufnahmen.  

Die heutige europäische Luftreserve zur Waldbrandbekämpfung besteht überwiegend aus Maschinen der Mitgliedsstaaten, die für einen bestimmten Zeitraum der EU zur Verfügung gestellt werden. Derzeit baut der Verbund eine eigene dauerhaft verfügbare Flotte aus EU-Mitteln auf.

Was die europäischen Versicherer fordern

Vorbeugen statt löschen

Aus Sicht der europäischen Versicherungsbranche sollten EU-Mittel stärker in die Vorsorge gegen Extremwetter und Waldbrände fließen, anstatt nahezu vollständig in deren Bekämpfung. Der GDV unterstützt eine Stellungnahme des europäischen Versicherungsdachverbandes Insurance Europe, in der eine stärkere Ausrichtung der EU-Mittel auf Prävention und Vorsorge gefordert wird.

Angesichts der Waldbrände im Sommer 2026 organisieren die nationalen Versicherungsverbände das akute Krisenmanagement. So werden in Frankreich beispielsweise die Unterbringungskosten für Evakuierte gegen Nachweis für bis zu drei Wochen erstattet, unabhängig davon, ob die Wohnung beschädigt wurde – eine freiwillige Zusage über die Vertragspflichten hinaus.  

Diskutiert wird innerhalb der europäischen Versicherungsbranche noch die richtige Ebene gemeinsamer Katastrophenvorsorge. Während die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (European Insurance and Occupational Pensions Authority; EIOPA) gemeinsam mit dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) auf ein europäisches Pooling mit öffentlichem Backstop drängt, hält Insurance Europe dagegen. Zwar lehnen die europäischen Verbände Pooling nicht grundsätzlich ab. Anstatt auf der europäischen Zentralisierung sollte eine EU-Initiative jedoch auf bestehenden nationalen Systemen basieren. „Jeder europäische Ansatz sollte auf dem aufbauen, was auf nationaler Ebene bereits funktioniert, die zugrunde liegenden Risiken verringern und bestehende Marktlösungen ergänzen, statt sie zu duplizieren“, sagt Nicolas Jeanmart von Insurance Europe. Das entspricht auch der Position des GDV.

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