Starkregen nach Gewittern: 41 Prozent der Wohngebäude ohne Elementarschutz
Nach den schweren Gewittern und örtlichen Böenwalzen in den vergangenen Tagen bleibt die Wetterlage in Teilen Deutschlands angespannt. Der Deutsche Wetterdienst rechnet weiterhin mit Schauern und teils kräftigen Gewittern, örtlich sind Starkregen, Hagel und Sturmböen möglich. Für Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer ist dabei eine Unterscheidung wichtig: Schäden durch Sturm und Hagel sind in der Wohngebäudeversicherung in der Regel enthalten. Schäden durch Starkregen, Überschwemmung oder Rückstau sind dagegen nur mit einer zusätzlichen Elementarschadenversicherung abgesichert.
„Zwar steigt die Versicherungsdichte, dennoch haben rund 41 Prozent der Wohngebäude weiterhin keinen Elementarschutz. Diese Schutzlücke ist zu groß, denn Starkregen kann grundsätzlich überall auftreten“, sagt Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft.
Naturgefahren verursachten 2025 in der Sachversicherung rund 1,4 Milliarden Euro Schaden. Davon entfielen rund eine Milliarde Euro auf Sturm und Hagel und rund 400 Millionen Euro auf Elementargefahren. Seit Beginn der GDV-Messungen 2002 verursachen allein Elementarschäden durchschnittlich rund 2 Milliarden Euro pro Jahr.
Starkregen kann jedes Gebäude treffen
Viele Eigentümerinnen und Eigentümer unterschätzen ihr Risiko, wenn sie nicht direkt an einem Fluss wohnen. Doch Starkregen kann jeden treffen. Wenn innerhalb kurzer Zeit große Wassermengen fallen, können Kanalisationen überlastet werden und Wasser über Lichtschächte, Türen und Rückstau ins Gebäude eindringen.
Elementarschäden sind im Einzelfall häufig besonders teuer. 2025 lag der durchschnittliche versicherte Elementarschaden bundesweit bei rund 4.700 Euro. Bei Sturm und Hagel waren es etwa 2.100 Euro.
Versicherungsschutz prüfen
Der GDV empfiehlt Eigentümerinnen und Eigentümern, ihre Police zu prüfen und gegebenenfalls zu erweitern. Auch Mieterinnen und Mieter sollten schauen, ob ihre Hausratversicherung Elementarschäden einschließt. Die Wohngebäudeversicherung schützt das Gebäude selbst, die Hausratversicherung schützt bewegliche Sachen im Haushalt, etwa Möbel, Kleidung oder Elektrogeräte.
Hochwassercheck zeigt das eigene Risiko
Wer sein Risiko besser einschätzen will, kann den Hochwassercheck des GDV nutzen. Das digitale Angebot zeigt, wie stark ein Standort durch Flusshochwasser und Starkregen gefährdet ist. Das bietet Verbraucherinnen und Verbraucher eine erste Orientierung für Versicherungsschutz und Vorsorge.
Eigenständige Präventionsmaßnahmen können Schäden deutlich reduzieren. Dazu gehören Rückstausicherungen, gesicherte Kellerfenster und Lichtschächte, wasserdichte Türen in gefährdeten Bereichen und der Verzicht darauf, wertvolle Gegenstände direkt auf dem Kellerboden zu lagern.
Elementar Re soll Schutzlücke schließen
Aus Sicht der Versicherungswirtschaft braucht Deutschland eine Lösung, die deutlich mehr Menschen gegen Naturgefahren absichert und gleichzeitig langfristig bezahlbar bleibt. Dafür hat der GDV mit Elementar Re einen konkreten Vorschlag vorgelegt.
Durch das Modell Elementar Re würde Elementarschutz zum Regelfall. Wer eine Wohngebäudeversicherung abschließt, erhält automatisch auch Schutz gegen Naturgefahren, kann diesen aber aktiv abwählen. Die Schäden werden zunächst von Versicherern und Rückversicherern getragen, erst bei außergewöhnlichen Extremkatastrophen mit mehr als 30 Milliarden Euro Schadensumme greift ein staatlicher Stop-Loss-Mechanismus.
Frankreich ist keine Blaupause
Eine reine Versicherungspflicht löst das Problem aus Sicht des GDV nicht. Sie erhöht zwar die Zahl der versicherten Gebäude, verhindert aber keine Schäden und setzt ohne wirksame Prävention sowie risikobezogene Anreize keine ausreichenden Signale zur Schadenvermeidung.
Der Blick nach Frankreich zeigt: Eine hohe Versicherungsdichte allein reicht nicht aus. Das französische CatNat-System erreicht zwar eine sehr breite Absicherung, beruht aber auf einem stark staatlich geprägten System mit einheitlichen Zuschlägen und Rückversicherung über die Caisse Centrale de Réassurance. Zugleich steht das System wegen steigender Klimarisiken in der Kritik und unter erheblichem Finanzierungsdruck. Ein Untersuchungsbericht der französischen Regierung („Rapport de mission Langreney“) beziffert allein den zusätzlichen Finanzierungsbedarf auf rund 1,3 Milliarden Euro.
Entscheidend ist deshalb ein System, das Versicherungsschutz, Prävention und Risikoreduzierung verbindet. Je besser Schäden durch Vorsorge begrenzt werden, desto eher bleibt Elementarschutz langfristig bezahlbar.