Wie Versicherer Kapital anlegen – und warum Nachhaltigkeit dabei entscheidend ist
Nahezu alle Menschen in Deutschland zahlen über viele Jahre Versicherungsbeiträge. Doch was geschieht eigentlich mit diesem Geld? Die Antwort ist zentral für das Verständnis der Versicherungswirtschaft – und sie erklärt zugleich, warum Nachhaltigkeit für Versicherer keine Option, sondern eine Notwendigkeit ist.
Kunden zahlen ihre Beiträge heute. Die Versicherungsleistung erhalten sie jedoch vielleicht erst Jahrzehnte später. Egal ob in der Altersvorsorge oder beim Schaden am Auto – zwischen Einzahlung und Auszahlung kann sehr viel Zeit vergehen. Damit Versicherer ihre Zusagen zuverlässig erfüllen können, werden die Beiträge nicht einfach verwahrt, sondern angelegt. Kapitalanlage ist kein Nebenaspekt des Versicherungsgeschäfts, sie ist seine Voraussetzung.
Dabei unterscheidet sich die Kapitalanlage der Versicherer grundlegend von der vieler anderer Marktteilnehmer. Der vielleicht größte Unterschied: Versicherer investieren (sehr) langfristig. Ihre Verpflichtungen gegenüber den Versicherten reichen oft über mehrere Jahrzehnte. Das spiegelt sich auch in ihrer Anlagestrategie. Kurzfristige Renditemaximierung spielt eine untergeordnete Rolle, im Mittelpunkt stehen Sicherheit, Stabilität und Werthaltigkeit. Das angelegte Kapital kann über 20, 30 oder 40 Jahre angelegt werden und anwachsen, um Leistungen verlässlich auszahlen zu können.
Verlässlichkeit statt schneller Trends
Diese Langfristigkeit bedeutet zwangsläufig: Nachhaltigkeit. Wer so weit in die Zukunft blickt, kann es sich schlicht nicht leisten, ökologische und gesellschaftliche Risiken auszublenden. Klimawandel, Extremwetterereignisse oder der Verlust der Biodiversität sind keine abstrakten Zukunftsfragen, sondern reale finanzielle Risiken, die sich über Zeiträume hinweg verstärken. Geschäftsmodelle, Produktionsvoraussetzungen oder Entwicklungen, die kurzfristig Gewinne versprechen, aber langfristig nicht zukunftsfähig sind, gefährden die Stabilität von Kapitalanlagen – und damit letztlich auch die Ansprüche der Versicherten.
Nachhaltige Kapitalanlage ist für Versicherer daher kein Imageprojekt, sondern ein ökonomischer Imperativ. Sie analysieren die Risiken ihrer Investments, messen den CO₂-Fußabdruck ihrer Portfolios und verfolgen langfristige Dekarbonisierungspfade. Mehr als 90 Prozent der Versicherer haben sich für ihre Kapitalanlagen bis 2050 ein Netto-Null-Ziel gesetzt. Dabei geht es nicht um schnelle Effekte, sondern um einen verlässlichen Trend über viele Jahre hinweg.
Nachhaltigkeit schützt das Leistungsversprechen
Wohin fließen also die Beiträge der Versicherten? Das Geld wird breit angelegt: etwa in Anleihen, Immobilien, Infrastruktur und neue Technologien. Versicherer finanzieren so den Ausbau erneuerbarer Energien, investieren in Netze, Gebäude und Verkehrswege. Diese langfristigen Projekte liefern stabile Erträge und unterstützen zugleich den Umbau der Wirtschaft. Die Beiträge der Versicherten „arbeiten“ damit doppelt: Sie sichern individuelle Ansprüche ab und tragen zur Finanzierung einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung bei.
Dabei tragen Versicherer eine besondere Verantwortung. Sie investieren nicht eigenes Kapital, sondern das Geld ihrer Kundinnen und Kunden. Diese treuhänderische Rolle verpflichtet zu einem besonders sorgfältigen Umgang mit Risiken. Nachhaltigkeit dient dabei nicht nur dem Klima oder der Umwelt, sondern schützt ganz konkret die Leistungsversprechen gegenüber den Versicherten.
Wer also fragt, was mit seinen Beiträgen passiert, bekommt eine klare Antwort: Sie werden langfristig, sicherheitsorientiert und zunehmend nachhaltig angelegt. Nachhaltige Kapitalanlage ist kein Zusatz zum Versicherungsgeschäft, sondern ein zentraler Bestandteil des Versicherungsversprechens