Iran-Krieg: Was die Eskalation für Unternehmen und Versicherte bedeutet
Der Iran-Konflikt hat die geopolitische Lage noch einmal verschärft. Für die Versicherungswirtschaft bedeutet das vor allem, dass Risiken heute seltener isoliert auftreten, sondern sich zu einer komplexen Risikolandschaft verdichten.
Der Krieg im Iran und die Sperrung der Straße von Hormus zeigen, wie schnell geopolitische Konflikte Unternehmen und private Reiseplanungen treffen können. Gleichzeitig verschärft der Konflikt Entwicklungen, die Unternehmen schon länger beschäftigen: steigende Unsicherheit, volatile und vor allem hohe Energiepreise, unter Druck geratene Lieferketten und ein fragiler Welthandel. Die Krise ist zur wirtschaftlichen Realität geworden, auf die sich die Versicherungswirtschaft längerfristig einstellen muss.
Vom Konflikt zur Kostenfrage
Neben dem großen menschlichen Leid vor Ort hat der aktuelle Krieg auch konkrete Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Seit dem Ausbruch des Konflikts Ende Februar sind etwa die Rohstoffpreise, insbesondere für Gas und Öl, aber auch die Preise für Dünger und Helium stark gestiegen – was sich für Unternehmen in höheren Energiekosten und für Verbraucherinnen und Verbraucher unter anderem an der Tankstelle bemerkbar macht.
Zudem sind viele Lieferketten durch den Krieg beeinträchtigt. Tanker und Containerschiffe müssen umgeleitet werden und der Flugverkehr über die wichtigen Drehkreuze am Persischen Golf ist gestört. Wie auch der Internationale Währungsfonds mahnt, erhöht das sowohl Fracht- als auch Versicherungskosten.
„Für viele Unternehmen verschärft sich damit eine Entwicklung, die schon länger zu beobachten ist: Risiken treten nicht mehr isoliert auf, sondern verdichten sich zu einer komplexen Risikolandschaft“, resümiert die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Anja Käfer-Rohrbach.
Wirtschaftliches Umfeld bereits vor Iran-Krieg angespannt
Der Iran-Krieg trifft auf eine Wirtschaftslage, die bereits zuvor unter Druck stand. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Befragung im Auftrag des GDV aus dem Jahr 2025. Demnach erwarten Unternehmen im laufenden sowie im nächsten Jahr vor allem hohe strukturelle Belastungen:
77 Prozent gehen von einer weiteren Verschärfung des Fachkräftemangels aus
72 Prozent befürchten steigende Risiken durch Regulierung und Bürokratie
Knapp zwei Drittel der Unternehmen erwarten darüber hinaus, dass das Risiko für Cyberangriffe weiter steigt.
Welche Risiken Unternehmen jetzt neu bewerten sollten
Unsicherheit wird selbst zu einem Risikofaktor, denn sie erhöht nicht nur die Wahrscheinlichkeit einzelner Störungen, sondern erschwert auch unternehmerische Entscheidungen insgesamt. Wo Risiken schwerer kalkulierbar werden, werden Investitionen verschoben, größere Vorhaben aufgeschoben und Ressourcen defensiver eingesetzt. „Gerade in unsicheren Zeiten braucht die Wirtschaft verlässliche Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und wettbewerbsfähige Standortbedingungen“, betont Käfer-Rohrbach. Hier benötige es Unterstützung aus der Politik. Aber auch Unternehmen selbst könnten gegensteuern, etwa durch bessere Ausbildung, attraktive Arbeitsbedingungen oder konsequente Digitalisierung.
Was Versicherer zur Stabilität beitragen können
Versicherer sind in einer solchen Lage mehr als reine Kostenträger. Sie können Unternehmen konkret dabei helfen:
Risiken systematisch zu erkennen, zu analysieren und zu bewerten,
Schwachstellen frühzeitig zu erkennen,
geeignete Vorsorge – und Kompensationsmaßnahmen zu treffen.
Gerade dort, wo sich geopolitische Spannungen indirekt in Lieferengpässen, Betriebsunterbrechungen oder Zahlungsausfälle niederschlagen, können Prävention, klare Krisenstrukturen und passgenaue Absicherung die Folgen abmildern. Wie sich etwa Betriebsunterbrechungen bewältigen lassen, legen die Versicherer in einem Leitfaden zum Business Continuity Management dar.
Je nach Geschäftsmodell und Risikolage kommen dabei unterschiedliche Versicherungslösungen in Betracht. Gegen Forderungsausfälle kann etwa eine Warenkreditversicherung helfen; sie sichert Lieferantenkredite ab, wenn Abnehmer offene Rechnungen nicht oder nicht fristgerecht begleichen. Welche Absicherung sinnvoll ist, hängt vom jeweiligen Risikoprofil des Unternehmens ab.
Aus Sicht der Versicherungswirtschaft geht es nicht nur darum, Schäden zu regulieren, sondern auch darum, Unternehmen in ihrer Handlungsfähigkeit zu stärken. Versicherer können zwar geopolitische Krisen wie den Iran-Krieg nicht beeinflussen, wohl aber einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Unternehmen auch in volatilen Zeiten selbstbewusst handeln können.
Was Reisende jetzt wissen sollten
Die Folgen der Eskalation sind jedoch nicht nur für Unternehmen wahrnehmbar. Auch Verbraucherinnen und Verbraucher bekommen geopolitische Krisen unmittelbar zu spüren – etwa bei Energiepreisen, Reiseplanungen und der Frage, wann eine Versicherung tatsächlich leistet.
Gerade bei Reisen in die betroffene Region gilt: Wer gebucht hat, sollte die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts aufmerksam verfolgen und die eigene Police prüfen. Denn eine Reiserücktrittsversicherung zahlt in der Regel nicht, wenn eine Reise aufgrund von Krieg oder einer verschlechterten Sicherheitslage abgesagt wird. Bei Pauschalreisen können aber möglicherweise reiserechtliche Ansprüche greifen, wenn außergewöhnliche Umstände die Reise erheblich beeinträchtigen. Ausführliche Hinweise zum Versicherungsschutz bei Reisen in Krisenzeiten hat der GDV in einem Artikel zusammengestellt.
Handlungsfähig in unsicheren Zeiten
Der Iran-Krieg unterstreicht, wie wichtig ein vorausschauender Umgang mit Risiken geworden ist. Gerade in einem Umfeld wachsender Unsicherheit kommt es darauf an, operative Widerstandsfähigkeit zu stärken und Vorsorge gezielt weiterzuentwickeln. So kann die Versicherungswirtschaft dazu beitragen, dass Unternehmen und Versicherte auch in angespannten Zeiten handlungsfähig bleiben.