Versicherungstag: Warnung vor einer Rentenreform in Einzelteilen
Erst Einsparungen beschließen und die Aussicht auf höhere Renten auf später verschieben? Für Pascal Reddig wäre das der falsche Weg. Auf dem GDV-Versicherungstag im September in Berlin sprach sich der CDU-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der Rentenkommission dafür aus, die Empfehlungen der Alterssicherungskommission gemeinsam umzusetzen. Im Gespräch mit dem stellvertretenden GDV-Hauptgeschäftsführer Moritz Schumann erläuterte er, warum der Aufbau der Kapitaldeckung und die dafür notwendigen Einsparungen innerhalb des Rentensystems gemeinsam beschlossen werden sollten.
Pascal Reddig, CDU-Bundestagsabgeordneter und stellvertretender Vorsitzender der Rentenkommission, im Gespräch mit Moritz Schumann, stellvertretender GDV-Hauptgeschäftsführer, auf dem Versicherungstag 2026.
Ob die Rentenreform im Dezember oder im Januar beschlossen werde, sei letztlich weniger entscheidend als die Frage, was gemeinsam verabschiedet werde, erklärte Reddig. Der Vorsitzende der Jungen Gruppe in der Unionsfraktion sprach sich dagegen aus, zunächst die vermeintlich leichter umsetzbaren Einsparungen zu beschließen und den Aufbau einer kapitalgedeckten Rente auf einen späteren Zeitpunkt zu vertagen.
Dahinter steht für ihn auch eine Frage der politischen Glaubwürdigkeit. Veränderungen bei der Rente berühren persönliche Lebensplanungen. Wer den Menschen Belastungen zumute, müsse deshalb zugleich zeigen, welche Verbesserungen damit möglich würden. Die Aussicht auf höhere Alterseinkommen durch Kapitaldeckung müsse Teil derselben Entscheidung sein.
Warum die Empfehlungen zusammengehören
Schumann hatte im Gespräch die Frage aufgeworfen, ob angesichts noch offener Umsetzungsfragen ein schrittweises Vorgehen realistischer wäre. Reddig hielt dagegen, dass die Empfehlungen der Alterssicherungskommission gerade wegen ihrer Wechselwirkungen als Gesamtpaket angelegt seien.
Eine kapitalgedeckte Ergänzung der gesetzlichen Rente könne langfristig ein höheres Rentenniveau ermöglichen. Ihr Aufbau erfordere aber zunächst zusätzliche Beiträge. Damit diese die Menschen nicht überforderten, müssten zugleich finanzielle Spielräume geschaffen werden. Dazu zählten die vorgeschlagene Einbeziehung neuer Selbstständiger, eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters und Änderungen bei der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren.
Auch die Debatte darüber, ob fast alle Empfehlungen bereits eine gute Reform ergäben, greife deshalb zu kurz. Entscheidend sei, welche Maßnahmen umgesetzt würden und ob das Zusammenspiel erhalten bleibe. Ohne Reformen drohten hingegen steigende Beiträge bei sinkendem Rentenniveau. Das belaste Beitragszahler und Rentner gleichermaßen.
Ein früher Start entscheidet über die Wirkung
Bei der konkreten Organisation der Kapitaldeckung sieht Reddig noch Klärungsbedarf. Dazu gehört die staatliche Verwaltung des Kapitals und die Einbindung privater Anbieter. Diese Fragen seien jedoch kein Grund, die grundlegende Entscheidung aufzuschieben. Auch nach einem Gesetzesbeschluss werde die Umsetzung Zeit benötigen.
Je später der Aufbau beginne, desto später könne die Kapitaldeckung zur Finanzierung der Renten beitragen. Reddig verwies dabei auch auf den Bundeshaushalt. Wachsende Ausgaben zur Stabilisierung der Alterssicherung könnten die Spielräume für Schulen, Infrastruktur und andere öffentliche Aufgaben zunehmend einengen.
Für ihn bietet die Reform deshalb die Chance, über die Rentenpolitik hinaus Vertrauen zurückzugewinnen. Die politischen Debatten nach den Landtagswahlen dürften nicht zum Anlass werden, Veränderungen erneut zu vertagen. Viele Menschen erwarteten, dass die Politik Probleme löse und Entlastungen ermögliche.
Bei der Betriebsrente zählt das Ergebnis
Zum Abschluss richtete Schumann den Blick auf die betriebliche Altersversorgung und den anstehenden Sozialpartnerdialog. Reddigs Erwartung ist, dass daraus eine Lösung hervorgeht, die mehr Beschäftigten Zugang zu einer Betriebsrente eröffnet. Die bisherigen Verbesserungen hätten den Verbreitungsgrad noch nicht ausreichend erhöht.
Eine verpflichtende zweite Säule hält Reddig dafür derzeit nicht für notwendig. Er setzt auf neue Zugangsmöglichkeiten und eine weitere Öffnung des Sozialpartnermodells. In den Gesprächen erkennt er inzwischen Bewegung und die Chance auf eine Verständigung.
Der Dialog dürfe allerdings nicht dazu führen, Entscheidungen immer weiter auszulagern. Sollten die Sozialpartner keine tragfähige Lösung finden, müsse sich der Bundestag erneut damit befassen, wie die Betriebsrente mehr Menschen erreichen könne.