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Digitalisierung

KI in der Versicherungswirtschaft: Chancen nutzen, Verantwortung behalten

Beim GDV-Versicherungstag in Berlin diskutierten Politik, Wissenschaft und Versicherungswirtschaft über Chancen, Risiken und Regeln für Künstliche Intelligenz.

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© Christian Kruppa / GDV

Auf dem Panel zu Digitalisierung und Sicherheit diskutieren Jeanne Dillschneider, MdB, Jürgen A. Junker,  Prof. Dagmar Schuller, Dr. Konrad Körner, MdB, und Holger Mann, MdB (v.l.n.r.) über „Künstliche Intelligenz – was bringt die digitale (R)Evolution?" Links im Bild die Moderatorin Janna Linke.

Künstliche Intelligenz gehört auch in der Versicherungswirtschaft längst zum Alltag. Wie sie verantwortungsvoll eingesetzt wird und welcher Rahmenbedingungen es dafür bedarf, war Thema einer Podiumsdiskussion beim GDV-Versicherungstag in Berlin. Ein roter Faden zog sich durch die Debatte: Entscheidend ist, wie transparent und kontrolliert KI eingesetzt wird. Sie kann Prozesse verbessern, Prävention stärken und so das Vertrauen der Kundinnen und Kunden festigen. 

Zwischen Sorge und Faszination

Auf dem Podium diskutierten Prof. Dagmar Schuller (Hochschule Landshut, audEERING), Dr. Konrad Körner (CDU/CSU), Holger Mann (SPD), Jürgen A. Junker (Vorstandsvorsitzender der Wüstenrot & Württembergische AG) und Jeanne Dillschneider (Bündnis 90/Die Grünen). Moderiert wurde die Runde von Janna Linke. 

Zum Auftakt fiel die Antwort auf die Frage nach Sorge oder Faszination mehrheitlich zugunsten der Faszination aus. Junker sieht in KI für die Branche eine „Riesenchance“. Schuller beschäftigt sich seit 35 Jahren mit der Technologie und ist überzeugt, dass die Chancen die Risiken überwiegen. Körner verwies darauf, dass die Menschheit schon vieles erfunden habe, das zugleich wunderbar und furchtbar sei. Für ihn überwiege die Faszination. Dillschneider beschrieb gemischte Gefühle. Die jüngsten Schlagzeilen nährten Sorgen. Zugleich lasse sich viel Gutes bewirken, wenn die Gestaltung selbst in die Hand genommen werde. Mann bezeichnete sich als großen Technologie-Optimisten, mahnte aber, die wachsenden Risiken ernst zu nehmen, zumal inzwischen auch Entwickler der großen Modelle selbst davor warnten. 

Regulierung: Klare Regeln, die Innovation ermöglichen

Schuller plädierte für ein solides technisches Grundverständnis und sieht im Umgang mit KI vor allem eine gesellschaftliche Verantwortung. Mann mahnte, die wachsenden Risiken ernst zu nehmen. Junker wiederum erinnerte daran, dass die Versicherungswirtschaft seit Jahrhunderten verantwortungsvoll mit Kundendaten umgeht, und riet zu Gelassenheit: KI solle Menschen stärken, nicht ersetzen. Körner nannte den AI Act im Grundsatz gelungen, weil er auf abstrakte Risikokategorien setzt. Nun komme es auf einen unbürokratischen, wirtschaftsnahen Vollzug an. Einen Stopp der Entwicklung hielt er für unrealistisch: Besser sei es, die Welle in die richtige Richtung zu lenken. 

Souveränität: Eigene Stärken ausbauen

Mehrere Panelisten betonten, dass Europa nicht alles nachbauen müsse, was in den USA und China entsteht. Dillschneider warb für Spezialisierung, Datenqualität und ressourcenschonende Lösungen. Für Schuller ergeben sich Potenziale vor allem in Edge Computing, also der Datenverarbeitung direkt an der Maschine statt in der Cloud, und industriellen Daten. Sie forderte, neue Ansätze aus der Forschung schneller in die Anwendung zu bringen. Körner sprach sich dafür aus, den Staat als Ankerkunden zu stärken und die Datenbestände von Industrie und Versicherungswirtschaft zu schützen. Mann sprach sich für faire Regeln aus, damit europäische Daten und Wertschöpfung nicht abgeschöpft werden. In verantwortungsvoller KI wiederum sah Junker die Chance auf einen neuen Industriezweig. 

Mensch und Maschine: Verantwortung bleibt menschlich

Im Mittelpunkt der Diskussion stand der Grundsatz „Human in the Loop“. Junker machte deutlich, dass KI vorbereiten und Menschen unterstützen könne, gerade in existenziellen Lebenssituationen, aber nicht die letzte Entscheidungsinstanz sein könne. Es müsse immer Menschen geben, die wissen, wie ein Algorithmus gebaut ist und wie eine Entscheidung zustande kommt. Einfache Vorgänge könnten dagegen vollautomatisiert ablaufen. Dillschneider betonte, dass Unternehmen für den KI-Einsatz verantwortlich bleiben und die menschliche Interaktion verbessern sollten.  

Ausblick: Was in fünf Jahren erreicht sein soll

Für die kommenden fünf Jahre wünschten sich mehrere Podiumsgäste eigene europäische Modelle, gezielte Investitionen und gut verzahnte Regulierung, die auch den Mittelstand nicht überfordert. Schuller sieht die Versicherungswirtschaft mit ihren hochwertigen Daten als möglichen Leuchtturm. Junker erwartet Wachstum durch intelligentere Entscheidungen im Sinne der Kundinnen und Kunden statt durch mehr Daten. Dillschneider plädierte für menschenzentrierte KI und Souveränität im Verbund mit Partnern, die dieselben Werte teilen. 

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