Klimaziele laut Expertenrat unter Druck – ohne Prävention wird Versicherungsschutz teuer
Der Prüfbericht des Expertenrats für Klimafragen setzt die Bundesregierung unter Druck. Nach Einschätzung des Gremiums reichen die bisherigen Maßnahmen nicht aus, um die deutschen Klimaziele sicher zu erreichen. Damit rückt auch die Frage in den Vordergrund, wie Deutschland mit den Folgen eines wärmer werdenden Klimas umgeht.
Der Expertenrat sieht in seinem Bericht vor allem in den Bereichen Gebäude und Verkehr erhebliche Herausforderungen beim Erreichen der Klimaziele. Für die Versicherungswirtschaft ergibt sich daraus eine weitergehende Schlussfolgerung. Wenn Klimaschutz und Anpassung nicht verlässlich vorankommen, steigt der Druck auf Prävention, Risikoreduktion und dauerhaft bezahlbaren Versicherungsschutz.
Gerade die Prävention gegen Naturgefahren ist lückenhaft und wird vielerorts noch nicht konsequent genug umgesetzt. Risiken sind bekannt, schlagen sich aber nicht ausreichend in Bauplanung, Flächennutzung, Hochwasserschutz und Gebäudeschutz nieder.
Die Dimension zeigt sich im Langfristvergleich. Seit Beginn der GDV-Messungen 2002 verursachen Elementarschäden in der Sachversicherung durchschnittlich Kosten von rund 2 Milliarden Euro pro Jahr. Hinter solchen Summen stehen Menschen, die ihr Zuhause, ihr Eigentum und im schlimmsten Fall ihr Leben verlieren.
Besonders deutlich wurde das im Juli 2021. Die Flutkatastrophe durch Tief „Bernd“ war mit rund 206.000 versicherten Schäden und einem versicherten Gesamtschaden von 8,75 Milliarden Euro die bislang folgenschwerste Naturkatastrophe für die Versicherungswirtschaft in Deutschland.
Versicherbar heißt nicht automatisch bezahlbar
In der Debatte über Klimarisiken geht es selten darum, ob ein Risiko technisch überhaupt versicherbar ist. Entscheidend ist, ob Versicherungsschutz für die Menschen bezahlbar bleibt. Steigen Schäden immer weiter, steigt auch der Druck auf Prämien, Rückversicherung und staatliche Unterstützung.
Genau deshalb ist Prävention kein Randthema, sondern essenziell. Wer Schäden begrenzt, schützt nicht nur Gebäude, Menschenleben und Infrastruktur, sondern auch die langfristige Bezahlbarkeit von Versicherungsschutz. Elementarschutz funktioniert nur, wenn Risiken nicht einfach hingenommen, sondern aktiv reduziert werden.
Prävention entscheidet über künftige Schäden
Versicherung kann finanzielle Folgen abfedern, sie verhindert aber keinen Schaden. Dazu braucht es widerstandsfähigere Gebäude, Rückstausicherungen, mehr Entsiegelung, Rückhalteflächen, besseren kommunalen Hochwasserschutz und eine Planung, die bekannte Risikogebiete nicht weiter verschärft.
Der Punkt ist konkret. Wer in hochgefährdeten Lagen weiter baut oder bestehende Gebäude nicht anpasst, erhöht künftige Schäden. Bundesweit sind derzeit rund 59 Prozent der Wohngebäude gegen Elementarschäden wie Überschwemmung und Starkregen abgesichert. Damit fehlt bei vielen Gebäuden weiterhin Schutz gegen genau die Risiken, die mit zunehmenden Wetterextremen relevanter werden.
Klimaanpassung braucht ein System
Einzelne Maßnahmen reichen nicht aus. Deutschland braucht einen Ansatz, der Prävention, Risikotransparenz, Versicherungsschutz und staatliche Verantwortung verbindet. Genau hier setzt der Vorschlag der Versicherungswirtschaft für „Elementar Re“ an. Das Modell soll die Absicherung gegen Naturgefahren verbreitern und Extremrisiken langfristig tragfähig absichern.
Dafür braucht es aber mehr als ein Versicherungsmodell. Prävention muss verbindlicher werden. Risiken müssen für Eigentümerinnen, Eigentümer, Kommunen und Politik besser sichtbar sein. Der Hochwassercheck des GDV kann dabei helfen, die Gefährdung eines Standorts durch Flusshochwasser und Starkregen besser einzuschätzen.