Digitaler Versicherungsnachweis in der EUDI-Wallet: Die Verkehrskontrolle 2.0
Künftig lässt sich der Versicherungsnachweis mithilfe der EUDI-Wallet digital und fälschungssicher vorzeigen. Die Versicherungswirtschaft schafft dafür aktuell die technischen Voraussetzungen.
Die EUDI-Wallet ist eine von der EU vorgegebene digitale Brieftasche für amtliche Ausweise, Zertifikate und Nachweise. Bürgerinnen und Bürger verwalten darin Dokumente auf ihrem Smartphone und legen sie bei Bedarf digital vor, etwa bei Behörden, Banken oder eben bei einer Polizeikontrolle.
Für die Versicherungswirtschaft ist die Wallet vor allem relevant, da sich der Versicherungsnachweis sich damit erstmals vollständig digital und rechtssicher übermitteln lässt.
Die Verkehrskontrolle im Detail
Ein Fahrer wird angehalten. Er öffnet die EUDI-Wallet auf seinem Smartphone und zeigt die digitale Versicherungsbestätigung. Die Polizei scannt den QR-Code und sieht sofort, ob eine gültige Versicherung besteht. Die Bestätigung ist kryptografisch signiert und lässt sich nicht fälschen.
Der Vorteil gegenüber dem heutigen Verfahren liegt in der Geschwindigkeit. Eine Rückfrage bei der Versicherung entfällt, ebenso das Mitführen von Papierdokumenten. Die Prüfung dauert wenige Sekunden.
So entsteht der digitale Nachweis
Der Nachweis wird nicht erst während der Kontrolle erzeugt. Er liegt bereits vorher digital signiert in der Wallet des Versicherten. Möglich macht das ein Verfahren namens Issuing. Versicherer stellen kryptografische Nachweise zu einer bestehenden Police aus. Die Echtheit lässt sich später ohne Rückfrage bei Dritten prüfen.
Versicherte erhalten den Nachweis direkt von ihrer Versicherung und verwalten ihn selbst in der Wallet. Vorlegen können sie ihn nicht nur bei Verkehrskontrollen, sondern auch bei der Kfz-Zulassungsstelle oder in anderen Situationen, in denen ein Versicherungsschutz belegt werden muss.
Warum die Versicherungswirtschaft hier aktiv mitgestaltet
Rund 3,3 Millionen Fahrzeuge mit Versicherungskennzeichen sind in Deutschland registriert. Sie gehören zur Kfz-Versicherung, die zu den volumenstärksten Sparten zählt. Diese Größenordnung macht den Versicherungsnachweis zu einem naheliegenden Startpunkt für die EUDI-Wallet.
Die Versicherungswirtschaft versteht sich dabei nicht nur als Nutzerin der Wallet, sondern als Mitgestalterin. Das bedeutet: eigene technische Standards entwickeln, an Governance-Regeln für das Wallet-Ökosystem mitarbeiten und Nachweise anbieten, die EU-weit einheitlich ausgestellt, übertragen und geprüft werden können. Nur so funktioniert die Wallet auch über Landesgrenzen hinweg zuverlässig.
Häufige Fragen zur EUDI-Wallet
Ist der digitale Versicherungsnachweis in der ganzen EU gültig? Das ist das Ziel. Die Versicherungswirtschaft arbeitet aktiv an technischen Standards, damit Nachweise EU-weit einheitlich ausgestellt, übertragen und geprüft werden können.
Wird die Nutzung der Wallet kompliziert für Versicherte? Nein. Ein zentrales Ziel ist die Vermeidung von Overengineering. Barrierefreiheit und Nutzerfreundlichkeit haben bei der Entwicklung Priorität.
Gibt es neben dem Versicherungsnachweis auch weitere Nutzungsmöglichkeiten? Ja. Mit der EUDI-Wallet können Nutzerinnen und Nutzer ihre Identität künftig sicher digital nachweisen, Dokumente zentral verwalten und selbst entscheiden, welche Daten sie teilen. Beispielsweise für den Vertragsabschluss eines Vorsorgeprodukts.
Ab wann können die Vorteile der EUDI-Wallet genutzt werden? Deutschland plant die Bereitstellung der ersten Stufe der staatlichen EUDI-Wallet für den 2. Januar 2027. Im Laufe des Jahres 2027 sollen privatwirtschaftliche Funktionen integriert werden.