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Rente & Vorsorge

Umfrage: Nur 29 Prozent halten die gesetzliche Rente für generationengerecht

Eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag des GDV zeigt: Viele Menschen zweifeln an der Ausgewogenheit des Rentensystems und erwarten strukturelle Reformen. Kapitaldeckung und Verlässlichkeit spielen dabei eine zentrale Rolle.

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© gettyimages

Die Stabilität eines Rentensystems bemisst sich nicht allein an Beitragssätzen, Rücklagen oder Bundeszuschüssen. Sie hängt ebenso davon ab, ob die Menschen es als gerecht empfinden. Genau hier zeigt sich ein deutliches Spannungsfeld: Nur 29 Prozent der Deutschen haben den Eindruck, dass die gesetzliche Rente die Interessen jüngerer und älterer Generationen gleichermaßen berücksichtigt. Das ergibt eine repräsentative Umfrage von YouGov im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

„Ein Rentensystem kann nur dauerhaft stabil sein, wenn es als fair wahrgenommen wird. Dass derzeit nur weniger als ein Drittel die gesetzliche Rente als generationengerecht empfindet, ist ein klares Signal für Reformbedarf“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV. „Die rentenpolitischen Beratungen bieten jetzt die Chance, tragfähige Lösungen zu entwickeln, die den Interessen aller Generationen gerecht werden.“

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Rentenkommission: Skepsis gegenüber der Reformfähigkeit

Vor diesem Hintergrund fällt auch der Blick auf die neu eingesetzte Rentenkommission nüchtern aus. Sie soll bis Juni 2026 Vorschläge für eine langfristig tragfähige und generationengerechte Ausgestaltung der Alterssicherung vorlegen. Doch 68 Prozent der Befragten sind gar nicht oder nur wenig zuversichtlich, dass daraus Reformvorschläge hervorgehen, die das Rentensystem langfristig stabilisieren. 

„Diese Skepsis zeigt, wie wichtig es ist, Vertrauen zu schaffen und Reformen zu erklären“, so Asmussen. „Es geht nicht um ein Gegeneinander von gesetzlicher Rente und kapitalgedeckter privater Vorsorge, sondern um ihr vernünftiges Zusammenspiel, wir brauchen alle drei Säulen der Altersvorsorge.“

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Größere Beitragsbasis und mehr Kapitaldeckung

Gefragt nach möglichen Ansatzpunkten für mehr Generationengerechtigkeit befürworten 62 Prozent der Befragten eine Ausweitung des Kreises der Beitragszahlenden. Dieser Vorschlag adressiert unmittelbar die Finanzierungsseite des Umlagesystems. Gleichzeitig rangiert eine stärkere Förderung der betrieblichen und privaten Altersvorsorge mit 47 Prozent Befürwortung auf Platz zwei der abgefragten Maßnahmen. „Mehr Beitragszahler können kurzfristig entlasten. Dauerhaft lösen sie das demografische Problem jedoch nicht, weil zusätzliche Einzahler auch eigene Ansprüche erwerben“, sagt Asmussen. „Strukturell zukunftsfähig ist ein System, das stärker auf Kapitaldeckung setzt. Hier liegt Deutschland mit rund 14 Prozent im OECD-Vergleich weit unter dem Durchschnitt.“

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Vorsorge braucht Verlässlichkeit

Auch bei der privaten Altersvorsorge steht weniger das Versprechen hoher Renditen im Vordergrund als die Erwartung von Sicherheit. 31 Prozent der erwerbstätigen Befragten wählten einen besseren Schutz ihrer Ersparnisse als stärksten potenziellen Anreiz für zusätzliche private Vorsorge; bei Frauen ist dieser Wert mit 34 Prozent noch höher als bei Männern (28 Prozent). Höhere Gewinne (27 Prozent) und eine stärkere staatliche Förderung (24 Prozent) folgen dahinter. 

„Die Ergebnisse zeigen, dass für viele Menschen vor allem der Schutz des angesparten Kapitals ausschlaggebend ist. Altersvorsorge muss verlässlich sein, langfristig tragen und darf nicht zu früh enden. Schon heute sind 3 Millionen Menschen in Deutschland älter als 85 Jahre.“ so Asmussen.

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Betriebsrente als Brücke

Vor diesem Hintergrund gewinnt auch die betriebliche Altersversorgung an Bedeutung. Die jüngste Reform des Betriebsrentenstärkungsgesetzes ermöglicht es Unternehmen ohne Tarifbindung, Beschäftigte automatisch in eine Betriebsrente einzubeziehen, sofern sie nicht widersprechen. 52 Prozent der berufstätigen Befragten würden ein solches Angebot annehmen; 27 Prozent sind noch unentschlossen, lediglich 12 Prozent würden aktiv widersprechen. Die Akzeptanz deutet darauf hin, dass niedrigschwellige Zugänge zu kapitalgedeckter Vorsorge auf Offenheit stoßen.

“Die betriebliche Altersversorgung hat aus unserer Sicht noch längst nicht ihr Potenzial ausgeschöpft. Sie muss breiter aufgestellt werden und insbesondere Beschäftigte in kleineren und mittleren Unternehmen und im Dienstleistungssektor erreichen. Das könnte man dadurch tun, so unser Vorschlag, dass den Beschäftigten arbeitgeberseitig eine Betriebsrente angeboten wird und nur wer ausdrücklich widerspricht, wird nicht in die Betriebsrente einbezogen.“ sagt Jörg Asmussen.

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Generationengerechtigkeit braucht Strukturreformen

Die Umfrage macht deutlich, dass die Diskussion über Generationengerechtigkeit längst keine abstrakte Debatte mehr ist. Sie berührt die zentrale Frage, wie das deutsche Alterssicherungssystem langfristig stabil und ausgewogen ausgestaltet werden kann.

Für den GDV ist klar: Die gesetzliche Rente bleibt das Fundament der Alterssicherung. Ihre langfristige Stabilität setzt jedoch voraus, dass umlagefinanzierte Leistungen durch eine stärkere kapitalgedeckte Vorsorge ergänzt werden. Nur im Zusammenspiel aller drei Säulen lässt sich das System so weiterentwickeln, dass es finanzierbar bleibt und von den Menschen als gerecht wahrgenommen wird.

 

Zur Datenbasis

Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 23. und 26.01.2026 insgesamt 2.234 Personen befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region, Wohnumfeld, Wahlverhalten und politisches Interesse quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.

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