Tierkrankenversicherung wächst rasant: Mehr als zwei Millionen Hunde, Katzen und Co. abgesichert
Haustiere sind für viele Menschen Familienmitglieder und ihre medizinische Versorgung wird immer leistungsfähiger. Entsprechend gewinnt die Tierkrankenversicherung an Bedeutung.
Der Markt für Tierkrankenversicherungen wächst deutlich und wandelt sich von einem Nischenprodukt zu einer eigenständigen Versicherungssparte mit viel Bewegung. Die Vertragszahlen der vergangenen Jahre zeigen, dass sowohl die Zahl der versicherten Tiere als auch das Beitragsvolumen stark gestiegen sind.
So hat sich die Zahl der versicherten Tiere in fünf Jahren mehr als verdoppelt. Im Jahr 2019 waren rund 845.000 Tiere krankenversichert. Im Jahr 2024 lag ihre Zahl schon bei mehr als zwei Millionen. Zwischen 2020 und 2022 wuchs die Zahl besonders stark. Seitdem setzt sich diese Entwicklung auf hohem Niveau fort.
Das Beitragsvolumen entwickelte sich im selben Zeitraum noch dynamischer. Zwischen 2019 und 2024 stiegen die Bruttobeiträge von 173 Millionen auf 720 Millionen Euro.
Die Zahlen verdeutlichen, dass sich die Tierkrankenversicherung in kurzer Zeit grundlegend verändert hat. Neben der wachsenden Zahl versicherter Tiere nimmt auch die wirtschaftliche Bedeutung des Versicherungszweigs deutlich zu. Entscheidend dafür sind mehrere Entwicklungen sowohl aufseiten der Versorgung als auch auf Seiten der Tierhalter.
Die Tiermedizin verändert den Versicherungsmarkt
Ein wichtiger Einflussfaktor ist der medizinische Fortschritt. Die Veterinärmedizin bietet heute vielfältige Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten. Vor einigen Jahren gab es viele dieser Möglichkeiten noch nicht. Gleichzeitig nutzen viele Tierhalter diese Angebote, wenn ihre Tiere erkranken.
Hinzu kommt die Novellierung der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), die Ende 2022 in Kraft getreten ist. Mit ihr wurden die Gebühren an die wirtschaftlichen und medizinischen Entwicklungen angepasst, wodurch die Kosten vieler Behandlungen gestiegen sind. Die Folgen sind auch in den Versicherungsstatistiken ablesbar: In den Jahren 2023 und 2024 stiegen die Beitragseinnahmen der Tierkrankenversicherer jeweils um etwa 40 Prozent.
„Die Tiermedizin kann heute weit mehr leisten als noch vor wenigen Jahren“, sagt Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des GDV. „Das ist eine gute Nachricht für Tier und Halter. Das macht Behandlungen allerdings auch teurer. Eine Tierkrankenversicherung stellt sicher, dass die Entscheidung für eine Behandlung nicht am Geldbeutel scheitert.“
Vom Operationsschutz zur umfassenden Gesundheitsabsicherung
Auch innerhalb des Marktes verändert sich die Nachfrage. Während in den Anfangsjahren vor allem Operationskostenversicherungen abgeschlossen wurden, gewinnen umfassende Tierkrankenversicherungen zunehmend an Bedeutung.
Eine Operationskostenversicherung deckt medizinisch notwendige chirurgische Eingriffe einschließlich der Vor- und Nachbehandlung ab. Eine Tierkrankenversicherung umfasst hingegen zusätzlich ambulante und stationäre Behandlungen, Diagnostik sowie Medikamente. Der konkrete Leistungsumfang richtet sich nach dem jeweiligen Tarif und kann zusätzliche Leistungen einschließen.
Im Jahr 2020 hatten fast 22 Prozent der versicherten Tiere eine umfassende Tierkrankenversicherung. Bis 2024 stieg dieser Anteil auf fast 40 Prozent. Der Markt bewegt sich damit immer mehr weg von der Absicherung einzelner Kostenrisiken hin zu einer breiteren Gesundheitsabsicherung für Haustiere.
Ein Versicherungszweig mit wachsender Bedeutung
Die Tierkrankenversicherung zahlt heute nicht nur die Behandlungskosten zurück. Sie hilft Tierhaltern, besser zu planen, und unterstützt die Entwicklung der modernen Tiermedizin. Viele Versicherungsunternehmen bieten inzwischen auch Vorsorgeleistungen, telemedizinische Beratung und weitere digitale Services an. Sie sorgen außerdem durch die Überprüfung tierärztlicher Rechnungen für mehr Transparenz im Versorgungssystem.
„Wir beobachten, dass Halterinnen und Halter immer öfter eine umfassende Absicherung wählen und nicht mehr nur einzelne Risiken abdecken“, so Käfer-Rohrbach. „Das zeigt, dass die Gesundheit des Tieres ganzheitlich gedacht wird. Die Versicherung wächst mit diesem Anspruch mit.“
Weil Haustiere immer wichtiger werden, die Medizin sich weiterentwickelt und sich die wirtschaftlichen Bedingungen verändern, wird die Tierkrankenversicherung auch in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass sie sich als eigener und lebendiger Versicherungszweig durchgesetzt hat.