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Transport & Logistik

GDV-Fachtagung: Diebstahlrisiken im Warenlager stärker in den Blick nehmen

Hohe Warenwerte, komplexe Abläufe und oft große Lagerflächen: Logistiklager sind für Tätergruppen ein attraktives Ziel. Eine GDV-Fachtagung befasste sich jetzt mit dem Thema.

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© Unsplash

Expertinnen und Experten aus Versicherungswirtschaft, Risikomanagement und Schadenverhütung diskutierten auf der GDV-Veranstaltung in Hamburg, wie sich Diebstahlrisiken in Warenlagern entwickeln und wie Versicherer und Unternehmen ihnen begegnen können. Im Zentrum stand ein Risikobereich der Logistikkette, der häufig unterschätzt wird. 

In Warenlagern bündeln sich über längere Zeiträume erhebliche Werte. Gleichzeitig sind betriebliche Abläufe für Außenstehende schwer nachvollziehbar. Das macht Lagerstandorte für organisierte Tätergruppen besonders interessant. Die Folgen betreffen sowohl die Warenversicherung als auch die Verkehrshaftungsversicherung, wenn sich die Frage nach der Haftung des Lagerhalters stellt.

Risikotransparenz als Grundlage

Aus Sicht der Logistiker beginnt wirksame Schadenprävention bereits lange vor der Einlagerung der Ware. Entscheidend sei zunächst eine möglichst genaue Risikotransparenz, betonte ein Referent auf der Tagung. Dazu gehören Informationen über den Standort des Lagers, mögliche Naturgefahren, Bauart und Größe der Anlage, eingelagerte Waren und die bestehenden Sicherheitsstandards.

Auch die Schadenhistorie eines Standortes liefert wichtige Hinweise: Frühere Fälle von Einbruchdiebstahl, Unterschlagung, Betrug oder Brandschäden können auf strukturelle Schwachstellen hinweisen. Ebenso wichtig ist die Frage nach möglichen Höchstschäden, also welcher maximale Wert gleichzeitig im Lager vorhanden sein kann.

Reichen die vorhandenen Informationen nicht aus, kann eine Besichtigung des Standorts sinnvoll sein. Vor-Ort-Prüfungen ermöglichen es Versicherern und Risikoexperten, Abläufe und Sicherheitsmaßnahmen genauer zu beurteilen.

Früher oft offene Strukturen

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie stark sich Sicherheitsanforderungen verändert haben. An vielen Lagerstandorten konnten Fahrzeuge früher frei auf das Gelände fahren. Zugangskontrollen waren selten, Lagerhäuser oft offen zugänglich. Fahrer erhielten teilweise lediglich eine Ladeanweisung und suchten die Ware selbst im Lager.

Kontrollen über die Anzahl der Packstücke oder das Gewicht der Sendungen fanden häufig nicht statt. Sicherheitsetiketten oder Sicherheitsklebebänder waren kaum verbreitet und Fehlmengen wurden oft nur unzureichend nachverfolgt. Solche Strukturen boten Gelegenheit für Diebstähle, nach dem bekannten Prinzip: Gelegenheit macht Diebe.

Neue Herausforderungen: organisierte Täter und Innentäter

Heute sind die Täter häufig professionell organisiert und gehen gezielt vor. Neben externen Angriffen spielen auch sogenannte Innentäter eine wichtige Rolle. Mitarbeitende oder Personen mit Insiderwissen können Sicherheitslücken leichter erkennen und ausnutzen. Die Herausforderung besteht deshalb nicht nur in der Absicherung der Gebäude, sondern auch in der Kontrolle von Prozessen und Zugängen.

Sicherheitskonzepte müssen gelebt werden

Moderne Lager setzen zunehmend auf umfassende Sicherheitskonzepte. Dazu zählen etwa Zufahrts- und Zugangskontrollen, Videoüberwachung, Drehkreuze oder Schrankenanlagen. Auch digitale Systeme wie RFID-Technologie, Magnetkarten oder biometrische Zugangslösungen können eingesetzt werden.

Darüber hinaus spielen organisatorische Maßnahmen eine wichtige Rolle: klar strukturierte Lagerbereiche, regelmäßige Inventuren, überwachte Torbereiche und definierte Abläufe beim Ein- und Ausfahren von Lkw.

Ein Fazit der Fachtagung vor diesem Hintergrund: In Warenlagern werden oft enorme Werte gelagert – und damit auch erhebliche Risiken. Umso wichtiger ist ein ausgeprägtes Bewusstsein für mögliche Gefahren. Schadenverhütende Maßnahmen und Sicherheitsstandards müssen nicht nur vorhanden sein, sondern konsequent umgesetzt werden. Nur so lassen sich Diebstahlrisiken wirksam begrenzen.