Ukraine-Kon­flikt

Die Fol­gen des Kriegs für deut­sche Ver­si­che­rer

Die Invasion der russischen Armee in der Ukraine ist schockierend und stellt eine Zäsur für Europa dar. Ein Angriff auf Freiheit und Demokratie. Solidarität, Vertrauen und Zusammenhalt sind die wichtigsten Werte in Europa.

Die russische Armee hat das Nachbarland Ukraine angegriffen. Die Invasion bedeutet Krieg mitten in Europa, Leid für die Bevölkerung und zieht zahlreiche Sanktionen des Westens nach sich. Für den Versicherungssektor gilt: We #standwithUkraine.

„Wir verurteilen diesen Angriffskrieg, und unsere Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg Asmussen. „Der Krieg in der Ukraine hat für die deutschen Versicherer bislang geringe direkte wirtschaftliche Auswirkungen, da sie kaum in der Ukraine und in Russland engagiert sind“, so Asmussen. „Die Auswirkungen von Kriegen auf die internationalen Kapitalmärkte sind kurzfristig oft stark, aber selten langfristiger Natur.“

Abzuwarten blieben die Folgen der verhängten Finanz- und Wirtschaftssanktionen und der russischen Gegensanktionen, so Asmussen. Die erhöhte geopolitischen Unsicherheit und höhere Energie- und Nahrungsmittelpreise dürften die Gesamtwirtschaft und damit indirekt auch die deutschen Versicherer belasten.

Wie sind deutsche Versicherer betroffen?

Die meisten Versicherungssparten sind überwiegend national ausgerichtet, so dass auch die Sanktionen dort kaum eine Rolle spielen. In einzelnen Sparten können der Krieg und die Folgen hingegen durchaus spürbar werden.

Welche Auswirkungen hat der Ukraine-Krieg auf die Lebensversicherung?

Für 2022 erwartet der GDV jetzt für die Sparte nur noch ein Beitragszuwachs von unter einem Prozent. Vor dem Krieg hatte der Verband noch ein Plus von bis zu zwei Prozent prognostiziert.  Zur Begründung führt der GDV an, dass die wirtschaftlichen Perspektiven der privaten Haushalte seit Ausbruch des Krieges von deutlich mehr Unsicherheit geprägt seien. Zudem würden die Verbraucher durch die hohen Energiepreise belastet. „Generell gilt: Entscheidungen für langfristige Vorsorge und Absicherungen werden in Krisenzeiten tendenziell in die Zukunft vertagt“, so Asmussen. „Dieses Phänomen konnten wir bereits nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie beobachten.“

Welche Auswirkungen hat der Ukraine-Krieg auf die Transportversicherung?

Es sind keine spürbaren Auswirkungen des Krieges auf die Umsätze in der Transportversicherung bekannt, weder im Verhältnis zur Ukraine noch zu Russland.

Die Kriegsdeckungen in der Warentransportversicherung gelten etwa nur für den Fall, dass Ladung auf Schiffen oder in Flugzeugen beschädigt wird, wenn die Seereise oder der Flug vor Ausbruch des Krieges begann. Krieg an Land ist üblicherweise nicht gedeckt.

Welche Auswirkungen hat der Ukraine-Krieg auf die Schiffsversicherung?

Die Seeschiffsversicherung hat grundsätzlich einesehr umfassende Kriegsdeckung. Für bestimmte Seegebiete im Schwarzen Meer haben die Seeschiffsversicherer die Möglichkeit der Kündigung der Kriegsdeckung in den letzten Wochen genutzt und verlangen gegebenenfalls Kriegszulagen.

Welche Auswirkungen hat der Ukraine-Krieg für die Luftfahrtversicherer?

Auf dem deutschen Markt sind keine schwerwiegenden Auswirkungen des Krieges auf die Umsätze und Schadenfälle in der Luftfahrtversicherung zu erwarten. Kriegsdeckung können in der Luftfahrtversicherung kurzfristig gekündigt werden. Zumeist erlischt dann der Versicherungsschutz im Ergebnis nicht, sondern wird gegen Mehrprämie aufrechterhalten. Soweit Kriegsdeckungen von Versicherern im Zuge der aktuellen Ukraine-Krise gekündigt wurden, dürfte dies nur bestimmte Airlines und Regionen betreffen. Für andere Airlines bzw. Regionen bleibt die Kriegsdeckung unverändert bestehen.

International könnten hingegen immense Schäden drohen: Russische Fluggesellschaften haben zahlreiche geleaste Flugzeuge nicht – wie von den Leasinggesellschaften als Reaktion auf die westlichen Sanktionen gefordert – zurückgegeben, sondern die Flugzeuge stattdessen in Russland als ihr Eigentum registriert. Den Leasinggesellschaften entstehen dadurch Milliardenschäden, die gegebenenfalls versichert sein könnten. Die entsprechenden Deckungen betreffen größtenteils den Londoner Versicherungsmarkt. Deutsche Versicherer können hier über ihre Niederlassungen in London beteiligt sein.

Welche Auswirkungen hat der Ukraine-Krieg in der Cyberversicherung?

Die Versicherer rechnen mit einem höherem Risiko durch Cyberangriffe, auch wenn sie bisher noch keine vermehrten Schäden beobachten. Die wichtigsten Fragen dazu beantworten wir hier.

Welche Auswirkungen hat der Ukraine-Krieg auf die Kreditversicherung?

Kreditversicherer beobachten den Verlauf des Konflikts und die Sanktionen gegen Russland sehr genau und berücksichtigen diese in ihren individuellen Zeichnungspolitiken. Auch in der Kreditversicherung ist die Vereinbarung von Kriegsausschlüssen üblich. Über die Deckung rein wirtschaftlicher Risiken, vor allem die Insolvenz des Abnehmers hinaus, bieten einzelne Kreditversicherer auch Deckung für politische Risken an. Versichert sind dann insbesondere Szenarien, in denen der Lieferant aufgrund von politischen Maßnahmen kein Geld erhält, zum Beispiel auch in Fällen von Zahlungsverboten und Handelsbeschränkungen.

Wie viele deutsche Versicherer haben Tochterunternehmen in Russland?

Der russische Markt ist stark abgeschottet und frühere Staatsunternehmen sind weiterhin stark vertreten. Das hat sich gerade aufgrund der Sanktionen noch verstärkt. Die russische Zentralbank hat 2016 als Reaktion auf die Sanktionen einen staatlichen Rückversicherer gegründet, der alles versichert, was von Sanktionen betroffen sein könnte. Eine Tätigkeit in Russland war für internationale Versicherungsunternehmen bis vor kurzem nur in Form einer vollkapitalisierten Tochtergesellschaft oder über Fronting möglich. Diese Regel ist erst im Sommer 2021 aufgehoben worden. Trotzdem gibt es Aktivitäten deutscher Versicherer in Russland.

Zur Startseite
Auch inter­essant