Fron­tal 21

5 Fak­ten zur Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung

Anlässlich der Berichterstattung im ZDF-Magazin „Frontal 21“ fassen wir an dieser Stelle die vorhandenen Fakten zur Berufsunfähigkeitsversicherung zusammen.

Fakt 1: Anhaltend hohe Leistungsquote

Auf die Berufsunfähigkeitsversicherung ist Verlass: Mit knapp über 77 Prozent bewilligen die Versicherer einen Großteil der Leistungsanträge. Zum Vergleich: In der Gesetzlichen Rentenversicherung wird nur jedem zweiten Antrag auf Erwerbsminderung stattgegeben. Zudem sind die Bewilligungsvoraussetzungen in der Gesetzlichen Rentenversicherung ungleich schwieriger zu erfüllen. Reicht es in der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung in der Regel aus, dass der Versicherte weniger als 50 Prozent berufsfähig ist, so erhält eine volle Erwerbsminderungsrente (in der Regel weniger als ein Drittel des letzten Nettoeinkommens) nur, wer weniger als drei Stunden am Tag überhaupt irgendeiner Beschäftigung nachgehen kann. Die durchschnittlich ausgezahlte Berufsunfähigkeitsrente liegt bei 7.551 Euro. Darin enthalten sind auch Leistungen, die als Zusatzversicherung vereinbart wurden – beispielsweise ergänzend zu einer Risikolebensversicherung. Die durchschnittlich versicherte Jahresrente bei Hauptversicherungen liegt demgegenüber sogar bei 12.016 Euro.


Fakt 2: Geringe Beschwerde- und Gutachtenquote

In der weit überwiegenden Zahl der Fälle genehmigen die Versicherer die Anträge der Versicherten auf Leistungen aus ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Wenn und Aber. Es ist allerdings im Interesse der Versichertengemeinschaft, dass Leistungen nicht ungerechtfertigt ausgezahlt werden. Um auch in komplexen Fällen eine faire Entscheidung über Leistungsanträge treffen zu können, holen Versicherer bei Bedarf die Meinung von Experten, wie beispielsweise Fachärzten, ein. Ein solches Gutachten beauftragen die Versicherer in knapp sechs Prozent aller Fälle. In rund 60 Prozent der Fälle führt das Gutachten dazu, dass im Sinne der Versicherten entschieden und Leistungen gezahlt werden.

Über die Leistung von Berufsunfähigkeitsversicherungen gibt es relativ wenige rechtliche Auseinandersetzungen. So belief sich die Prozessquote im Zeitraum von 2007 bis 2012 auf rund zwei Prozent. Mit anderen Worten wurde bei einem von 50 gemeldeten Leistungsanträgen ein Gerichtsverfahren angestrengt. Neuere Zahlen hierzu sind nicht verfügbar. Allerdings liegen angesichts der niedrigen Beschwerdezahlen über das Leistungsverhalten in der Berufsunfähigkeitsversicherung keine Anhaltspunkte für eine Verschlechterung der Situation vor. 2017 wurden lediglich 380 Beschwerden beim Ombudsmann der Versicherungswirtschaft gezählt, bei ca. 17 Millionen selbstständigen Verträgen oder Zusatzabsicherungen. 

Fakt 3: 75 Prozent aller Kunden ohne Wenn und Aber aufgenommen

Nur vier Prozent aller Anträge auf Berufsunfähigkeitsschutz bleiben ohne ein Versicherungsangebot, weil das Risiko für die Versicherer nicht kalkulierbar oder zu hoch ist. In drei Prozent der Fälle wird ein Zuschlag auf die Prämie erhoben. In zwölf Prozent der Fälle schließt der Versicherer bestimmte Leistungsfälle von der Leistungspflicht aus. Typisches Beispiel ist hier eine chronische Vorerkrankung. In fünf Prozent aller Fälle kommen gestellte Anträge nicht zum Abschluss, weil die Interessenten sich nach Beginn des Verfahrens nicht mehr beim Versicherer melden.

Grundsätzlich gilt: Je jünger der Interessent für eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist, desto größer ist seine Chance, eine Zusage der Versicherung zu einem möglichst günstigen Beitrag ohne Zuschläge zu erhalten. Denn in jungen Jahren ist die Wahrscheinlichkeit von relevanten Vorerkrankungen noch recht klein. 

Fakt 4: Berufsunfähigkeitspolicen sind nicht unnötig kompliziert

Wir sprechen von einem sehr komplexen Risiko, bei dem berufliche und gesundheitliche Aspekte über einen langen Zeitraum abgesichert werden. Es handelt sich bei der Berufsunfähigkeitsversicherung um ein stark vom Einzelfall geprägtes Produkt. Berufliche und gesundheitliche Aspekte werden über einen langen Zeitraum abgesichert und bilden ein komplexes Risiko. Berufe wandeln sich mit der Zeit, selbst wenn der Kunde seinen Beruf nicht wechselt. Erkrankungen existieren in großer Zahl und die einzelne Erkrankung wirkt sich bei verschiedenen Personen unterschiedlich aus. All dies und mehr muss bei der Berufsunfähigkeitsversicherung berücksichtigt sein. Deshalb nutzen die Versicherungsbedingungen übergreifende Formulierungen und Beschreibungen. Nur so passen die Bedingungstexte für alle Fallkonstellationen und erlauben auch die effiziente individuelle Zusammenarbeit mit den Kunden. Auch stehen die Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) unter ständiger externer Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Übrigens: Jede zweite von der Stiftung Wartentest überprüfte Police schnitt im Jahr 2015 mit „sehr gut“ ab. 

Fakt 5: Hohe Verbreitung der Berufsunfähigkeitsversicherung

Die GDV-Statistik weist für das Jahr 2017 rund 4,47 Millionen Hauptversicherungen sowie 12,3 Millionen Zusatzversicherungen aus. Laut Statistischem Bundesamt gibt es in gut 30 Prozent der Erwerbstätigen-Haushalte eine private Berufsunfähigkeitsversicherung. Rückversicherer bestätigen, dass Deutschland einen der am besten entwickelten Märkte für Berufsunfähigkeitsabsicherungen überhaupt hat. In den meisten Ländern ist diese Absicherungsform gänzlich unbekannt. Auch die Verbreitung ist vergleichsweise hoch, wobei zu berücksichtigen ist, dass es sich um eine Versicherung mit vergleichsweise hohen Beiträgen handelt. Im Leistungsfall erbringt sie allerdings auch über viele Jahre erhebliche Beträge.

Übrigens: Klare Aufgabenverteilung im Sozialstaat

Der Staat hat 2001 entschieden, dass der berufliche Status für nach 1961 Geborene nicht mehr abgesichert wird. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente schützt als Gebot des Sozialstaats die Fähigkeit des Versicherten, überhaupt Erwerbseinkommen zu erzielen. Sie wird im Rahmen des Rentenpakets, das die Koalition vorgelegt hat, aktuell erneut erhöht. Die Politik hat es 2001 ausdrücklich in das Belieben des Einzelnen gestellt, ob er seinen beruflichen Status absichern möchte oder nicht. Ein Zitat aus der Begründung zum damaligen Gesetzentwurf macht es deutlich: „Dabei ist insbesondere die Rente wegen Berufsunfähigkeit zunehmend in die Kritik geraten, die sich zu einer Prestigerente für Versicherte mit besonderer Qualifikation in herausgehobenen Positionen entwickelt hat.“

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