Ernteeinbußen wegen Dürre: Versicherer fordern mehr staatliche Unterstützung für Landwirte
Trockenheit verdirbt den Bauern erneut die Ernte. Die Landwirtschaftliche Mehrgefahrenversicherung kann die Schäden ausgleichen, ist wegen der hohen Prämien aber kaum verbreitet. Der GDV hält daher eine staatliche Bezuschussung für nötig.
Versicherung gegen Dürre ist bei Landwirten kaum verbreitet.
Angesichts des sehr heißen und trockenen Sommers fordern die deutschen Versicherer eine Bezuschussung der Landwirtschaftlichen Mehrgefahrenversicherung – als Hilfe für die Bauern. „Bei einer entsprechenden staatlichen Unterstützung wären die Versicherer in der Lage, auch eine erhöhte Nachfrage an Mehrgefahrenversicherungen zu bedienen“, sagt Jörg Asmussen, Mitglied der Geschäftsführung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Diese Policen schließen alle Wetterrisiken ein, also auch Trockenheit.
Bislang sind etwa 1,3 Prozent der landwirtschaftlichen Anbaufläche in Deutschland gegen Dürre versichert, das entspricht knapp 213.000 Hektar. In manchen Bundesländern werden bedingt Fördermittel bereitgestellt, das System ist aber ein bürokratischer Flickenteppich und es fehlen einheitliche Regelungen. In Nordrhein-Westfalen wurde die Förderung seit 2025 sogar eingestellt. Trockenheit zählt zu den sogenannten Kumulrisiken: Sie kann mehrere Regionen gleichzeitig treffen und somit zu hohen Schäden führen, was sich auf den Preis der Policen auswirkt. „Um Dürreschäden abdecken zu können, sind die Prämien und Selbstbehalte für den Versicherungsschutz entsprechend hoch und für Landwirte preislich kaum erschwinglich“, sagt Asmussen.
Förder-Flickenteppich in Deutschland
Aktuell bieten neun der 16 Bundesländer Förderprogramme für Mehrgefahrenversicherungen an. Die Zuschüsse betragen dort bis zu 50 Prozent der förderfähigen Versicherungsprämie.
Die Programme unterscheiden sich jedoch bei Kulturen und Gefahren ebenso wie bei Förderbedingungen und Verwaltungsverfahren. Häufig liegt der Schwerpunkt auf Obst- und Weinbau, während Ackerbau und Grünland seltener einbezogen sind. Nordrhein-Westfalen hat seine Förderung Ende 2025 sogar eingestellt. Aus Sicht des GDV führt diese uneinheitliche Praxis zu zusätzlicher Bürokratie innerhalb Deutschlands.
Andere EU-Staaten fördern stärker
Der GDV hält daher eine Förderung wie in anderen EU-Staaten für nötig, um Dürreabsicherungen stärker zu etablieren. Frankreich, Italien, Spanien, Polen oder die Niederlande bezuschussen die Prämien mit bis zu 70 Prozent. Laut GDV-Musterrechnungen müsste hierzulande ein Betrieb mit 50 Hektar Fläche etwa 2.000 Euro pro Jahr weniger für eine Mehrgefahrenversicherung bezahlen, wenn der Staat die Hälfte des Beitrags übernehmen würde.
Mit diesem Schutz wären die Landwirte bei wetterbedingten Ertragseinbußen auch nicht mehr auf Ad-hoc-Hilfen der Politik angewiesen. Für die Planungssicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe im Europäischen Binnenmarkt wäre eine staatliche Förderung daher ein enormer Fortschritt.
Vorsorge statt Ad-hoc-Hilfen
Staatliche Hilfen nach Extremwetterereignissen sollen nach Vorstellung des GDV weitgehend durch planbaren Versicherungsschutz ersetzt werden. Das könnte zugleich Verwaltungskosten senken.