Wachsendes Interesse führt nicht automatisch zu besserer Vorsorge Link kopieren
Das Wissen vieler Menschen in Deutschland über Wirtschaft und Finanzen ist nach wie vor lückenhaft. Zugleich zeigt sich aber: Das Interesse an dem Thema nimmt wieder zu. Laut einer aktuellen Umfrage des Bankenverbandes aus dem Jahr 2026 zeigen sich 46 Prozent der Bevölkerung sehr oder eher interessiert an Finanz- und Wirtschaftsthemen, nachdem es in der vorherigen Erhebung im Jahr 2024 lediglich 34 Prozent waren. Besonders bemerkenswert: Auch unter den 18- bis 29-Jährigen ist das Interesse hoch – mit 50 Prozent liegt es sogar über dem Durchschnitt.
Doch wachsendes Interesse führt noch nicht automatisch zu besserer finanzieller Vorsorge. Gerade das Thema Altersvorsorge bleibt für viele eine Hürde. Nach Angaben des Bankenverbandes haben sich nur 39 Prozent der noch berufstätigen Befragten bereits ernsthaft mit ihrer Altersvorsorge beschäftigt. Gegenüber 2024 entspricht das lediglich einem geringfügigen Anstieg, nachdem das Interesse in den Jahren zuvor spürbar zurückgegangen war. Die Kluft zwischen wachsender Aufmerksamkeit und konkretem Handeln bleibt damit bestehen – mit Folgen für die Altersvorsorge, die Absicherung existenzieller Risiken und den langfristigen Vermögensaufbau.
Das belegt auch eine Erhebung des Bundesarbeitsministeriums, die im vierten Quartal 2023 durchgeführt und mit Stand Januar 2025 ausgewertet wurde. Danach treffen nur 62 Prozent der befragten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zusätzlich zur gesetzlichen Rentenversicherung Vorsorge – sei es über eine betriebliche Altersversorgung oder einen Riester-Vertrag. Mit anderen Worten: Obwohl den meisten bewusst sein dürfte, dass die gesetzliche Rente allein den Lebensstandard im Alter kaum sichern kann, verfügt nahezu zwei Fünftel der Beschäftigten über keine zusätzliche Absicherung.
Bei der Absicherung existenzieller Risiken gibt es ebenfalls Versäumnisse. Laut der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) 2023 des Statistischen Bundesamts verfügen rund 90 Prozent der Haushalte über eine private Haftpflichtversicherung. Umgekehrt heißt das aber auch: rund jeder zehnte Haushalt ist selbst bei diesem grundlegenden Schutz nicht abgesichert.
Die fehlende Bereitschaft, sich mit den eigenen Finanzen auseinanderzusetzen, führt dann eben auch zu Vorsorgelücken: So haben laut einer Auswertung des Bundesarbeitsministeriums von 2019 – jüngere Zahlen gibt es nicht – rund 35 Prozent der Beschäftigten weder eine betriebliche noch eine private Altersvorsorge. Obwohl den allermeisten inzwischen klar sein dürfte, dass mit der gesetzlichen Rente allein der Lebensstandard im Alter kaum zu halten ist. Auch bei der Absicherung existenzieller Risiken gibt es bedenkliche Versäumnisse. So gilt eine private Haftpflichtversicherung gemeinhin als ein Muss, dennoch besaß 2019 nach Daten des Statistischen Bundesamtes knapp jeder fünfte Haushalt (17,2 Prozent) keine solche Police. Und wie auch bei der Altersvorsorge gilt: Je niedriger der Bildungsstand, desto geringer die Verbreitung der Produkte.
Forderung nach Schulfach „Wirtschaft und Finanzen” in allen Bundesländern
Inzwischen ist auch eine Mehrheit derjenigen, die Wissen vermitteln, dafür, dass Finanzthemen in der Schule eine größere Rolle spielen sollten. In einer aktuellen Befragung des Bankenverbandes von Anfang 2026 sprachen sich 78 Prozent der Lehrkräfte an Schulen und Bildungseinrichtungen in Deutschland für ein Schulfach „Wirtschaft und Finanzen” in allen Bundesländern aus.
Die Schule wird als Vermittler von Finanzwissen auch deshalb immer wichtiger, weil durch das veränderte Mediennutzungsverhalten viele klassische Informationskanäle an Reichweite und Prägekraft verlieren. Vielmehr informieren sich gerade junge Zielgruppen heute zunehmend über soziale Medien – und stoßen dort auch auf zahlreiche Inhalte rund um Geld, Vorsorge und Geldanlage. Das ist einerseits eine Chance, weil die Beschäftigung mit Finanzthemen oft schon früh beginnt. Andererseits ist die Qualität dieser Inhalte sehr unterschiedlich: Neben hilfreichen Angeboten kursieren auf digitalen Plattformen auch ungeprüfte, verkürzte oder unseriöse Informationen.