Zur Suche
Mobilität

Kfz-Reparaturkosten bis 2040: Inflation frisst die Einsparungen moderner Sicherheitstechnik auf

Fahrerassistenzsysteme senken Unfälle, aber nicht die Reparaturkosten. Steigende Preise und komplexere Fahrzeuge gleichen die Effekte aus. Das zeigt die neue GDV-Trendanalyse „Kfz-Versicherung 2040 – Automatisiertes Fahren & E-Mobilität“.

Lesedauer
© Erik Mclean / unsplash

Wer heute einen Neuwagen kauft, erhält Notbremsassistent, Spurhaltewarner und Parkhilfe meist serienmäßig dazu.  Diese Systeme erhöhen die Verkehrssicherheit und reduzieren Schäden – führen aber nicht zu einer spürbaren Entlastung der Kfz-Versicherung. Das zeigt die neue Trendanalyse „Kfz-Versicherung 2040 – Automatisiertes Fahren & EMobilität" des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Denn Fahrzeuge werden durch zusätzliche Technik komplexer und damit teurer in der Reparatur – und Ersatzteile sowie Werkstattleistungen legen ohnehin kontinuierlich zu.

„Technologie macht das Autofahren sicherer, aber nicht automatisch günstiger. Ersatzteile und Reparaturen sind im vergangenen Jahrzehnt um durchschnittlich 3,7 Prozent pro Jahr teurer geworden – das ist der stärkste Kostentreiber", sagt Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des GDV.

Inflation als Kostentreiber

Die Studie analysiert, wie sich Fahrerassistenzsysteme, Elektromobilität und Preisentwicklung bis 2040 auf die Versicherungsleistungen auswirken. Es zeigt sich: Selbst bei moderater Preisentwicklung bleibt der Kostendruck hoch. „Schon beim EZB-Inflationsziel von 2,0 Prozent jährlich würde der Schadenaufwand bis 2040 um 24 bis 32 Prozent wachsen“, so Käfer-Rohrbach. Entwickeln sich die Preise wie im vergangenen Jahrzehnt, also mit 3,7 Prozent jährlich, ergibt sich ein Anstieg des Schadenaufwands von 64 bis 75 Prozent. 

Assistenzsysteme wirken – aber begrenzt

Unbestritten leisten Assistenzsysteme einen messbaren Beitrag zur Schadenvermeidung. Bis 2040 dürfte die Zahl der Schäden um 9 bis 14 Prozent sinken. Ohne Berücksichtigung der Inflation gehen die Schadenleistungen um 6 bis 12 Prozent zurück. Besonders wirksam sind drei Systeme: Parkassistenten verhindern Schäden beim Rangieren, weil sie mit automatischem Bremseingriff das Anstoßen an Hindernisse vermeiden. Notbremsassistenten reduzieren Auffahrunfälle, da sie bei drohender Kollision selbstständig bremsen. Spurwechselassistenten verringern Kollisionen im toten Winkel durch Warnung beim Einscheren.  In der Kaskoversicherung hingegen bleibt der Effekt gering: Glasschäden, Diebstahl sowie Sturm- und Hagelschäden lassen sich durch Fahrerassistenz nicht verhindern – der Schadenaufwand sinkt dort nur um 0 bis 5 Prozent.

 Zudem hat zunehmende Sensorik ihren eigenen Preis: Kameras, Radar und Steuergeräte verteuern Reparaturen zusätzlich. Der Austausch einer Frontscheibe etwa kostet bei Fahrzeugen mit Assistenzsystemen rund 15 Prozent mehr, da Sensoren ersetzt und neu kalibriert werden müssen. „Insgesamt steigen die Reparaturkosten allein durch zusätzliche Technik bis 2040 um weitere 4 bis 5 Prozent – unabhängig von der allgemeinen Inflation", so Käfer-Rohrbach.

Elektromobilität verändert das Schadenbild

Auch die Elektromobilität verändert das Schadenbild und gewinnt erheblich an Gewicht:  Knapp 60 Prozent aller haftpflichtversicherten Pkw könnten bis 2040 Elektroautos sein. Reparaturen sind bei Elektrofahrzeugen nach einer Kollision derzeit rund 10 Prozent teurer als bei Verbrennern. Die GDV-Experten erwarten, dass Routine und steigende Stückzahlen diesen Aufschlag bis 2040 auf rund 5 Prozent senken – ein dauerhafter Mehraufwand dürfte jedoch bestehen bleiben.

Über die Trendanalyse 

Der GDV veröffentlicht die Trendanalyse bereits zum dritten Mal. Die vorliegende Ausgabe bildet den Datenstand vom 31. Dezember 2025 ab und erweitert die Vorgängeranalysen erstmals um zwei zentrale Themen: die Transformation zur Elektromobilität und beispielhafte Inflationsszenarien. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich moderne Fahrzeugtechnik auf die Schadenhäufigkeit und die Reparaturkosten auswirkt und welche Konsequenzen sich daraus für die Kfz-Versicherung ergeben.

Grundlage der Berechnungen sind Studien von Unfallforschern und Verkehrsexperten, Schadendaten des GDV sowie Einschätzungen eines interdisziplinären Expertenkreises aus den Bereichen Ingenieurwesen, Unfallforschung und Versicherung. Untersucht wurden sechs Fahrerassistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen – vom Parkassistenten bis zum Autobahnpiloten – sowie deren schrittweise Verbreitung im Fahrzeugbestand bis 2040.

 

Nach oben